Februar 19

Creepypastas von Fans #52: Dreh dich um…

Lieber Leser,

ich muss dich aufklären. Es ist da. Es kann nicht aufgehalten werden. Es schlägt zu, wenn du es am wenigsten erwartest. Zuerst denkst du dir vielleicht, diese Geschichte ist ein Produkt meiner Fantasie, aber es ist real. Es ist da. Es kann nicht aufgehalten werden. Ich will dich mit dieser Geschichte warnen.

Kennst du dieses Gefühl, wenn du im Dunkeln alleine die Hauptstraße entlangläufst? Gedämmte, kaputte und schwach scheinende Straßenlichter in einer Aura von Dunkelheit und Angst umgeben dich. Du hast Angst, dich umzudrehen. Ich kann dir nur raten – dreh dich besser um. Es ernährt sich von deiner Angst. Mit jeder Sekunde des Zögerns, der Angst, der Verzweiflung wird es stärker, schneller, schwerer zu entkommen.

Diese Unruhe verfolgte mich in der Nacht des 31.12.2012 auf den 01.01.2013 auf dem Heimweg in mein Dorf. Kein Auto weit und breit, hin und wieder ein Hundebellen und ein Rascheln im Dickicht, welches jedes Mal aufs Neue einen kleinen Herzstillstand bei mir auslöste. Ich kann mich nicht ganz recht erinnern, nur so weit, dass ich viel Alkohol getrunken hatte und die Umgebungsgeräusche sowie die Umgebung an sich kaum wahrnehmen konnte. Und darüber bin ich froh. Ich ging langsam und torkelnd Richtung Ortseingang, als es geschah. Ein Brummen entstand in meinem Kopf. Es war, als würde es mich schwächen. Ich ging zu Boden und dachte nur: „Was wird meine Mutter sagen, wenn ich in diesem Zustand nach Hause komme?“ Doch ich hatte ganz andere Probleme. Plötzlich geschah etwas, eine fremde Macht übernahm die Kontrolle über meinen Körper, und ich stand wie von selbst auf. Doch das ist nicht alles: Ich könnte schwören, dass ich mit meinen Zehenspitzen etwa 2-3 Zentimeter über dem Boden schwebte. Ein Stechen im Herz. Ich ging erneut zu Boden. Mir wurde schwarz vor Augen und ich übergab mich. Urplötzlich wurde ich todmüde und fiel in einen Schlaf. Einen Schlaf, den man nicht schlafen möchte. Niemand.

Als ich aufwachte, brummte mir der Schädel, und meine Gliedmaßen waren taub, ich konnte mich nicht bewegen. In dem Bild, das das Licht einer Petroleumlaterne verwischt auf meine Netzhaut warf, erkannte ich nichts weiter, als einen jungen Mann. Die Besonderheit an ihm war jedoch, dass er statt einem Gesicht lediglich eine gräuliche Fläche besaß, die mit einer großen Narbe, die von dem linken Auge bis zur Oberlippe reichte, geziert war. Ich hatte keine Zeit, um mich zu fürchten. Das einzige, was mir durch den Kopf ging, war die Frage: „Wie komme ich hier weg?!“

Das Wesen kam langsam auf mich zu und übergoss mich mit einer Flüssigkeit, die nach einer Mischung aus Benzin und Abwasser roch, und genauso schmeckte – im nächsten Moment verschwand es. Zunächst war ich erleichtert, dass es weg ist, doch ich hatte noch immer das Problem, dass ich mich nicht bewegen konnte und dem Geruch nach zu urteilen befand ich mich inmitten eines Sumpfes, nach Hilfe zu rufen, war aussichtslos – zudem ich nicht die Kraft gehabt hätte, nur ein Wort hervorzubringen.

Es geschah. Die Petroleumlampe fing an, sich wie von Geisterhand zu bewegen.
„Nein… NEIN, DAS KANN NICHT SEIN!!“ Doch es war zu spät. In einem Inferno von Flammen und Splittern ging ich mit der Holzhütte in Flammen auf und in das Reich des Vergessens über. Dies geschah in der Nacht, in dem das Menschenreich mit Raketen versucht, die Geister und Dämonen der Finsternis zu vertreiben, also muss das Wesen schon geschwächt gewesen sein, und mit jedem Tag des Jahres, mit jedem Funken Angst, wird es stärker, schneller.

Ich konnte ihm nicht entkommen.
Ich bin tot.
Ich erwarte keine Hilfe.

Jedoch erwarte ich eines:

DREH DICH UM. ES IST DA. ES KANN NICHT AUFGEHALTEN WERDEN.
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Verfasser: Miguel Bischoff

Korrekturleser: Obscuritas

Februar 14

Lights

Ron schaltete das Licht in seinem Zimmer aus, um Schlafen gehen zu können.

Er legte sich in sein Bett und gerade, als er komfortabel lag, schaltete sich das Licht wieder von alleine an. Überrascht schaute er sich um, aber es gab kein Anzeichen für irgendjemanden oder irgendetwas, das es eingeschaltet hatte.

Er beschloss den Umstand zu ignorieren, stieg aus seinem Bett und schaltete das Licht erneut aus. Doch auf dem Rückweg zum Bett und dem Überziehen der Decke, ging das Licht wieder an. Er sprang aus seinem Bett und rannte, um das Licht noch einmal auszuschalten.

Der Vorgang lief immer wieder und wieder so ab, darin endend, dass Rons Furcht zu Ärger wurde.

“Okay, hör auf!”, schrie Ron.
“Aber ich fürchte mich vor der Dunkelheit”, winselte eine Stimme.

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Übersetzer: MythPug

Original: http://www.creepypastaindex.com/creepypasta/lights

Februar 13

Creepypastas von Fans #51: Memento-Link

In großer Erwartung hatte ich auf meiner Weißen Edition mein Team gezüchtet: Sichlor, Felino, Geronimatz, Lilminip, Monozyto und Panflam.
Auch diverse andere Trainingsitems wie z.B Metallmantel lagen bereit, um mein Team von vornherein stark zu machen.
Mein DSi-System war aufgeladen und einsatzbereit.
Die Fortsetzung von Schwarz und Weiß konnten kommen. Weiterlesen

Februar 5

[Info] Projekterweiterung

In naher Zukunft möchte ich das Projekt German Creepypasta auch auf andere Länder (hauptsächlich Länder der EU) erweitern.

Daher frage ich euch hiermit, welche Sprachen ihr selbst könnt und ob ihr dazu bereit seid, bestehende Creepypastas von German Creepypasta in die jeweilige andere Sprache zu übersetzen (möglich sind übrigens auch Sprachen wie Latein oder Japanisch. Es muss sich nicht zwangsläufig auf die EU beschränkt werden.)(?).

Für jedes Projekt einer anderen Sprache muss ein neues Übersetzerteam zusammengestellt werden, was bedeutet, dass die Projektplanung noch ziemlich lange anhalten wird.

Die Projekte werden natürlich nicht über die Domain germancreepypasta.de laufen, sondern über eine gesonderte Domain mit den entsprechenden Ländercodes als Subdomain (bspw. fr.domain.tld für Frankreich / ch.domain.tld für die Schweiz, ja auch andere deutschsprachige Länder können gerne ihr eigenes länderspezifisches Projekt bekommen, wenn verschiedene Dialekte so begehrt sein sollten).

Im Großen und Ganzen werden diese Projekte ähnlich wie German Creepypasta laufen. Mit dem Unterschied, dass es nun mehr um die Übersetzung der deutschen Übersetzungen der englischen Originale in die jeweilige Projektsprache geht. Als Basis für die Übersetzungen wird also hauptsächlich German Creepypasta genutzt.

Desweiteren benötige ich für jedes dieser Projekte exakt eine vertrauenswürdige Ansprechperson, welche die Abteilung „Creepypastas von Fans“ im jeweiligen Projekt übernimmt, da ich die entsprechenden Sprachen zu 90% nicht selbst kann. Daher muss hierbei sehr auf Fehler, Obszönität und Grammatik geachtet werden. Ohne einen solchen Ansprechpartner kann die Kategorie CvF in anderen Sprachen nicht realisiert werden.

Wer Interesse an einer hobbymäßigen Zusammenarbeit hat, kann sich gerne per E-Mail bei laender@germancreepypasta.de melden.

Es werden nur ernst gemeinte Mails berücksichtigt. Eine Antwort kann etwas länger in Anspruch nehmen, da sich das Projekt erst in der Planung befindet. Eventuelle Bewerbungen werden aber definitiv berücksichtigt.

Februar 5

My Little Pony: Friendship is Magic – The Lost Episode

Du wusstest nicht, dass es eine verlorene Episode gab, oder? Du glücklicher Hundesohn.

Die folgenden Einträge sind aus dem Tagebuch meines Freundes, kurz bevor er starb…

2. Februar 2011
Heute habe ich mir BitTorrent geholt. Ich lade mir eine Datei namens „Friendship is Magic: Die komplette erste Staffel“ herunter. Ich bin etwas gespannt sie zu sehen, da ich glaube, dass die ganze Staffel noch nicht einmal herauskam.

3. Februar 2011
Ich wollte nach dem Torrent schauen, aber ich hatte soviel Dreck zu tun. Vielleicht morgen.

4. Februar 2011
Okay, was zur Hölle ist mit BitTorrent los? Wie benutzt man dieses Ding? Mann, ich hätte zuerst nachforschen müssen, bevor ich es ausprobierte…

5. Februar 2011
Heute sah ich „BitTorrent für Dumme“ im Laden. Jackpot. Ich lese es gerade, ich glaube ich kann es jetzt benutzen.

6. Februar 2011
Ha ha, das ist sau geil! Hab‘ schon sechs Folgen gesehen, einschließlich einer, die noch nicht mal draußen ist!

7. Februar 2011
Warum ist mein Torrent auf einmal so langsam? Die Qualität ist auch runter gegangen. Vielleicht ist irgendwas mit meinem Computer…

8. Februar 2011
Hab‘ die Torrent Dateien heute gesehen. Sie zeigen 27 Episoden, obwohl nur 26 angekündigt waren. Komisch.

17:29 Uhr
Oh mein Gott.

9. Februar 2011
Ich bin verflucht…

10. Februar 2011
Wie viel kann ich noch aushalten?

11. Februar 2011
Ist sie tot?
Bin ich es?

Mein Freund starb am 12. Februar 2011.

Hier sind nun ein paar Infos über die eigentliche Episode:

Ich ging zu seinem Computer, wo die Folge als „Math Project.exe“ versteckt war (es war eine ziemlich clevere Verkleidung, ich dachte nicht mal, dass es die Datei war, bevor ich in BitTorrent nachschaute und sie nach Episode #26 aufgelistet war).
Ich klickte drauf und es öffnete sich eine .wmv-Datei, obwohl jede normale Datei anzeigte, dass sie nicht ansehbar wäre.
Benutzt BitTorrent überhaupt .wmv?
Die Episode schnitt direkt zum Einleitungssong… aber der Song war rückwärts.
Ich drehte den Sound um, aber danach war es still.
Ich drehte ihn wieder zurück, sodass es wieder rückwärts war, aber besser als überhaupt kein Sound.

Der Bildschirm wurde plötzlich schwarz.
Es schnitt zu Twilight Sparkle, welche depressiv aussah… es war in Vollbild.
Ich stellte nie ein, dass es Vollbild sein sollte, ich berührte nicht mal das verdammte Ding.
Nun war ich schon beunruhigt.
Twilight drehte ihren Kopf und ein knackendes Geräusch war zu hören.
„Oh mein Gott“, dachte ich.
„Ich glaube, mir wird übel…“
Es wurde ein Friedhof namens „R.I.P…“ gezeigt; der Rest des Namens war durch Dreck verdeckt.
Alle Ponies waren dort.
Ich kannte kein Gesicht, das nicht dort war.
Jedes offizielle Pony, welches ich je gesehen hatte.
Doctor Whooves.
DJ PON-3.
Alle waren dort, aussehend, als ob alle Lebensziele zerstört waren.
Twilight jammerte… Ihr Gesicht wurde blau…
Dann realisierte ich… dass alle Ponys Zombies waren.
Es gab nur eines, welches sie versuchten von den Toten zurückzuholen.
Es war wie eine Apokalypse.
Ich hörte einen Schuss und schrie.
Das Grab wurde geöffnet.
Es war jemand, den ich nicht kannte… sie trugen alle schwarze Masken und das einzige Merkmal von ihnen waren ihre roten Beine.

Dann fing der Computer an zu spinnen.
Ein Fenster öffnete sich.

„Windows Media Player reagiert nicht. Wenn du ihn nun schließt, werden alle ungespeicherten Daten verloren.“

Ich bemerkte den Schreibfehler… eine weitere Nachricht tauchte auf.

„Du hast mich bemerkt…“

Die Nachricht schloss sich sofort und das Video ging weiter, doch nun wurde zu einer schwarzen Nachricht geschnitten:

„Du bist ein Pirat und ein Pirat ist frei… aber nicht wenn er sich wehrt. Das Ende ist nah… deine Tage sind gezählt. Lauf, kleiner Junge.“
Ich glaubte der Nachricht…
Ich weiß, dass es eines Tages passieren wird.

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Übersetzer: MeGustaGamesLP

Original: http://creepypasta.wikia.com/…ndship_is_Magic_-_The_Lost_Episode

Februar 2

Creepypastas von Fans #49: Landstraßenbeute

Es war Nacht, als ich mit meiner Mutter zu unseren Verwandten fuhr. Meine Großmutter war vor wenigen Tagen verstorben und wir mussten zur Beerdigung. Ich lehnte meinen Kopf ans Fenster und sagte im genervten Ton: “Mama, warum hätten wir nicht über die Autobahn fahren können, du weißt genau, wie ich es hier hasse!“

Meine Mutter legte mir nur kurz die Hand aufs Bein und drückte es beruhigend. Ich rollte mit den Augen und blickte wieder nach draußen. Warum ich diese Route so hasste? Sie führte an einer alten Tierversuchsstation vorbei. Jedes Mal, wenn ich das riesige, dunkle Gebäude sah, konnte ich den Widerhall der gequälten Tierschreie hören. Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich betrachtete das Gebäude. Die leeren Fenster sahen aus wie schwarze seelenlose Augen. Krampfhaft versuchte ich meinen Blick abzuwenden, doch etwas erregte meine Aufmerksamkeit. Aus einem dieser Fenster starrten mich zwei grellrote Lichter an. Erschrocken schrie ich auf und meine Mutter trat vor Schreck auf die Bremse.

“Was… was war denn das jetzt?“, fragte sie mit einem Zittern in der Stimme. Wie hypnotisiert ging meine Hand zum Griff der Autotür und wollte sie herunterdrücken. Meine Mutter packte mich an den Schultern und zog mich zurück. “Bist du verrückt? Du könntest überfahren werden!“, schrie sie. Ich ignorierte meine Mutter, denn das leuchtende Augenpaar bohrte sich mit seinem Blick in meine Seele. Heftiger Schmerz und verwirrende Trauer ergriffen mein Herz, ich krümmte mich zusammen, ohne den Blick abzuwenden. Ein leises Wimmern drang durch meine Kehle und Tränen tropften auf meine Hände, die immer noch auf dem Autotürgriff lagen. „Mama… es.. es tut so weh.“

Eine kindliche Stimme drang in meinen Kopf und ich verkrampfte mich. Ruckartig hob ich den Kopf wieder; diese Augen, sie waren nun nicht mehr am Fenster, sie standen wenige Meter vor der Straßenbegrenzung. Nun konnte ich eine Gestalt ausmachen. Sie sah aus wie ein langbeiniger Wolf, nur, dass sie kein Fell hatte. Ihre Haut war schwarz und glänzte im dämmrigen Mondlicht. Ihr Gesicht war flach und es sah aus wie die Mischung aus einem Menschengesicht und einem Echsenschädel. Als sie langsam auf das Auto zukam, wurden die Trauer und der Schmerz in meinem Herzen größer und ich begann hemmungslos zu weinen. Meine Mutter nahm die Hände von meinen Schultern und zückte ihr Handy. Sie hatte gerade die 110 gewählt, als ich ihr das Ding aus der Hand schlug.

Wieder wandte sich mein Blick zu dem Monster und es fletschte seine Zähne, doch nicht aus Wut – es trauerte. „Mama, warum nehmen sie dich weg? Warum tun sie so etwas?“, schallte die Stimme wieder in meinem Kopf. Meine Mutter versuchte, mich nun wieder an den Schultern zurückzuziehen, doch ich bewegte mich kein Stück. „Warum, warum habt ihr mir Mama weggenommen? Was habe ich gemacht? Wieso stecht ihr mich?“ Fragen über Fragen prasselten auf mich ein. Heftig krümmte ich mich zusammen. “Ich weiß es nicht!“, schrie ich verzweifelt. Meine Mutter drückte sich nun, so gut sie konnte, von mir weg und blickte mich geschockt an. Ich konnte ihren Blick in meinem Rücken spüren.

„Mama…“, die Stimme in meinem Kopf, die zuvor noch drängend fragte, wimmerte nun. Ein Schluchzen brach aus meiner Kehle und wieder wurde diese verwirrende Trauer größer. Aus einem Impuls heraus drückte ich die Autotür auf und rannte auf das Monster zu. Es breitete seine Arme mit einem trauernden Gesichtsausdruck aus, als wollte es mich umarmen. Das Letzte, was ich mitbekam, bevor es schwarz wurde, war, dass sich der Gesichtsausdruck von Trauer in Gier wandelte, es hatte mich hereingelegt! Ich drehte mich um und stolperte, meine Mutter hatte die Autotür geschlossen und starrte mich von innen heraus an. Ihre Augen, ihre wunderschönen haselnussbraunen Augen, sie hatten sich verändert. Das weiße Fleisch der Augäpfel war tiefschwarz und ihre Iris blutrot. Mit einem fürchterlichen Schrei warf sich das Monster auf mich und grub seine Reißzähne in meinen Hals. Warmes Blut sprudelte aus meinem Mund und ich spürte, wie ich schwächer wurde. Das, was ich für meine Mutter gehalten hatte, stieg aus, es griff sich am Schopf und riss sich seine Haut wie eine Art Latexanzug vom Körper. Das letzte, was ich mitbekam, bevor alles verblasste, war, wie das andere Wesen sich über mich beugte und flüsterte, “Dumme dumme Kinder, so naiv.“

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Verfasserin: Rebecca S.

Korrekturleser: MircoL

Februar 1

Creepypastas von Fans #48: Mein bester Freund

Geld allein macht nicht glücklich. Das kann ich bestätigen.

Ich stamme aus einer wohlhabenden, jedoch ziemlich kalten Familie. Meine Eltern waren Geschäftsleute und sehr viel unterwegs, weshalb ich sie so gut wie nie sah. Meistens hatte ich nur an Weihnachten oder an meinem Geburtstag die Möglichkeit, Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich hatte die Hoffnung, dass sich dies nächstes Jahr ändern würde, da ich endlich 16 Jahre alt wurde, allerdings versuchte ich realistisch zu bleiben und mich selbst wieder auf den Boden zurückzuholen. Bei Problemen wendete ich mich immer an unser Hausmädchen namens Lena. Sie hörte mir immer zu und brachte mich auf andere Gedanken, wenn die Einsamkeit in meinem Kopf wieder einmal die Oberhand gewann.

Es war der Morgen des 25. Dezembers und eigentlich sollte ich mich auf meine Geschenke freuen, so wie jedes Kind in meinem Alter das tun würde. Jedoch waren meine Eltern dieses Jahr nur zum Weihnachtsessen erschienen und heute Morgen in aller Herrgottsfrühe aufgebrochen. Nicht einmal verabschiedet hatten sie sich, was meine Einsamkeit und Enttäuschung nur noch vergrößerte. Nichtsdestotrotz lagen viele große, bunt verpackte Kartons vor mir, jedes einzelne war ein Geschenk von meinen Eltern für mich und wenn ich schon kaum Zeit mit ihnen verbringen durfte, konnte ich mir wenigstens mit meinen neuen Spielsachen die Zeit vertreiben. Ich wusste, dass die Freude nicht lange halten würde, aber immer noch besser als gar keine Freude an diesem Weihnachtsmorgen zu haben.

Als alle Kartons geöffnet waren und mir im Grunde nur noch die Pflicht blieb meine Geschenke in mein Zimmer zu schaffen und zu versuchen, damit zu spielen, bewegte sich etwas in der hintersten Ecke des Haufens aus auseinandergerissenem Geschenkpapier. Ich zuckte regelrecht zusammen, als ich das Bellen eines Hundes hörte. Es hörte sich zwar jung, aber dennoch sehr kräftig an. Es dauerte einen Moment, bis ich realisierte, dass mir meine Eltern einen Hund geschenkt hatten. Ich wühlte durch den Berg an Geschenkpapier, bis ich auf eine weiche, kleine Pfote stieß. Ich zog den Welpen vorsichtig zu mir heran. Es war ein Golden Retriever Welpe, der mich mit großen, runden Augen ansah und fröhlich bellte. Ich war überglücklich, dass meine Eltern mir endlich etwas schenkten, das mehr war als nur eine neue Videospielkonsole oder ein neuer Fernseher. In diesem Welpen sah ich sofort den Freund, den ich nie hatte. Immer noch sah ich ihm in seine großen, runden Augen und nannte ihn aus Spontaneität Alf, da er mich, aufgrund seines zotteligen Fells, ein wenig an den Alien aus dem Fernsehen erinnerte. Scheinbar gefiel ihm der Name, da er ein weiteres aufgeweckten Bellen vernehmen lies.

Die folgenden Monate waren die schönsten in meinem Leben. Alf und ich spielten jeden Tag die eine Stunde, die ich täglich draußen verbringen durfte, hinten in unserem riesigen Garten. Ich blieb länger auf, nur um meinen Welpen einschlafen sehen zu können und brachte ihm ein paar Tricks bei. Er war mir inzwischen das wichtigste Geschöpf auf Erden.

Drei Monate nachdem ich Alf bekommen hatte, wollte ich mit ihm das wahrscheinlich letzte Mal in diesem Jahr draußen im Schnee herumtollen, da es ganz danach aussah, als würde der Frühling endlich wieder die Erde erwärmen. Irgendetwas war anders als sonst. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt mit Alf zu spielen, dass ich nicht bemerkte, wie dunkel es auf einmal wurde. Vor ein paar Sekunden war noch kein Wölkchen am Himmel, doch plötzlich wurde die Sonne von einer Wolkenfront bedeckt, die wie aus dem Nichts erschien. Es wurde kälter. Ich bemerkte diese Veränderung erst aufgrund des dichten Nebels, der auf einmal auftauchte und alles um mich herum in einen dichten Schleier hüllte. Auf einmal hörte ich etwas knurren. Es kam aus der Richtung der Büsche und hörte sich nach einer gereizten Bestie an. Ich erstarrte, doch Alf rannte direkt auf die Büsche zu, fest entschlossen, mich zu verteidigen. Als er im Nebel vor mir verschwand, hörte ich nur einige Augenblicke später ein klägliches Winseln von ihm. Ich wusste er wurde gerade angegriffen. Ich konnte nichts tun, um ihm zu helfen. Ich war starr vor Schreck. Irgendwann hörten die kläglichen Schreie von Alf auf und der Nebel verschwand, so schnell, wie er gekommen war. Ich rannte so schnell ich konnte in Richtung der Büsche, das Schlimmste annehmend und mich in Gedanken selbst ohrfeigend, für meine eigene Feigheit. Als ich bei den Büschen ankam, fand ich nichts, das auf einen Kampf hätte hinweisen können. Kein Blut, kein Fell und vor allem nicht die Leiche von Alf. Ich wusste absolut nicht, was ich davon halten sollte. Irgendjemand oder irgendetwas hat gerade eben meinen besten Freund einfach verschwinden lassen, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Die restliche Zeit bis zu meinem Geburtstag war ich verschlossen. Ich war zwar traurig, seltsamerweise aber war ich viel mehr verstört, als einfach traurig. Ich hatte ständig Albträume, von dem Nebel und dem Knurren dieser Bestie. Ich schlief nicht besonders viel. Jeden Tag ging ich in unseren Garten und wartete einfach. Ich wartete auf das kleinste Lebenszeichen von Alf. Ich starrte tagtäglich auf die Büsche und jeden Tag, wenn mir langsam die Augen weh taten und ich einen Moment lang meinen Blick von den Büschen nahm, bemerkte ich ein Paar stechender, roter Augen. Ich wusste nicht, ob ich mir das nur einbildete, allerdings war ich mir sicher, dass ich sie tatsächlich sah.

Inzwischen war es Sommer geworden und der morgige Tag würde mein 16. Geburtstag sein. Es war jetzt gut ein viertel Jahr her, seit Alf verschwunden war. Morgen würden meine Eltern wieder anreisen. Ich würde ihnen die Geschichte erzählen, egal ob sie mir glauben würden oder nicht. Wieder saß ich draußen und starrte auf die Büsche. Für den Sommer war es auffallend kühl heute, die Sonne war von einer Wolkendecke verdeckt und es wurde neblig. Dieses Mal bemerkte ich die Veränderungen meiner Umwelt sofort und in mir machte sich ein merkwürdiges Gefühl der Angst und der schwachen Hoffnung breit, dass ich meinen vermissten Freund endlich wiedersehen könnte. Wieder wurde ich von der Undurchsichtigkeit des Nebels überrumpelt und konnte meine Umgebung nicht weiter wahrnehmen. Ich geriet in Panik. Ich war verzweifelt und wusste nicht, was ich machen sollte. Wieder konnte ich mich nicht rühren. Nach einer Weile nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und rief nach Alf. Ich stand gefühlte 5 Minuten dort und rief seinen Namen einfach so laut ich konnte in die Nebelwand. Ich erhielt eine Antwort, die mir das Blut in den Adern gefrieren lies. Ich hörte ein weiteres Mal das Knurren, das mir bis zum heutigen Tage in den Ohren saß. Wieder war es ein aggressives Knurren, wie das eines Wolfes, das aus der Richtung kam, welcher ich in diesem Moment meinen Rücken zukehrte. Ich spürte etwas Feuchtes, Warmes auf meinem Hals, so, als ob der Wolf direkt hinter mir seine Schnauze unmittelbar über meiner Schulter hielt. Ich wagte es nicht, mich umzudrehen und schloss die Augen. Ich wusste nicht, was es war, das hinter mir stand, aber es würde mich jeden Moment in Fetzen reisen, davon war ich überzeugt. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Wartens drehte ich mich um und sah die Augen, die ich in den letzten Monaten jeden Tag flüchtig gesehen hatte. Im nächsten Moment stieß das Biest vor mir einen markerschütternden Schrei aus, schnellte blitzschnell zu mir hinunter und rammte seine Fangzähne in meine Brust. Ich schrie auf vor Schmerz. In dem, von meinem Schmerz verzerrtem Moment, erkannte ich etwas Vertrautes in den Augen des Biestes, die ich nun, da es aus dem Nebel kam, um mich zu attackieren, sehen konnte. Ich könnte schwören es waren dieselben Augen meines verschollenen Freundes. Jedoch hatte ich keine Zeit mehr darüber nachzudenken, denn das Biest machte einen gewaltigen Satz, sprang über mich und verschwand im Nebel, der sich keine Sekunde danach sofort verzog. Ich fiel zu Boden. Der Schmerz war so heftig, dass ich kurze Zeit später in Ohnmacht fiel.

Ich erwachte in den Armen unseres Hausmädchens Lena und sprang sofort auf, um zu sehen, wie die Wunde auf meiner Brust aussah, die dieses Monster mir zugefügt hatte. Zu meiner Überraschung war mein Brustkorb so, wie er immer aussah und ohne eine Verletzung. Ich wollte niemandem, noch nicht einmal Lena, über die jüngsten Vorkommnisse unterrichten, daher redete ich mich einfach damit heraus, dass ich scheinbar zu wenig getrunken hatte und daher zusammenbrach.

Bis ich einschlief beschäftigte mich der heutige Vorfall. Ich hatte so viele ungelöste Fragen: War das Alf, der mich da gebissen hat? Was ist mit ihm geschehen? Warum hatte er mich angegriffen? Warum hatte ich keine Bisswunde auf meiner Brust? Am nächsten Morgen würden meine Eltern wieder heimkommen und ich würde ihnen alles erzählen.

In der darauffolgenden Nacht konnte ich nur sehr schwer einschlafen. Ich war ein wenig abergläubisch und machte meine Unruhe anhand des Vollmondes heute Nacht fest. Als ich endlich einschlief, träumte ich furchtbare Dinge: Ich war in einer riesigen Gestalt gefangen und hatte monströse Krallen, mit denen ich einfach durch das Anwesen meiner Eltern lief und all unsere Bediensteten niedermetzelte. Am Ende stand ich vor Lena, der Person, die sich immer um mich kümmerte, wenn es mir nicht gut ging und ich zögerte nicht lange. Unbarmherzig schnitt ich ihr ihren Kopf von den Schultern. Ich konnte nichts gegen mein Handeln unternehmen. Ich richtete mich auf und sah mich um. Um mich herum lagen überall blutige Leichenteile. Es zog mich in unseren Garten. Ich lief durch die Büsche, in denen einst Alf verschwand und lief einfach weiter. Ich lief und lief und sah irgendwann vor mir eine Höhle, weit von daheim entfernt. Ich lief hinein, ohne zu zögern. Endlich erwachte ich aus diesem furchtbarsten aller Albträume. Jedoch fühlte es sich nicht annähernd an, wie mein Bett, auf was auch immer ich da lag. Es war dunkel und feucht, wo auch immer ich gerade aufwachte. Ich stand auf und ein schwacher Lichtschein, der auf mich strahlte, enthüllte mein Aussehen: Meine Klamotten waren zerfetzt und ich war über und über mit Blut beschmiert. Als ich an mir herabsah bemerkte ich etwas Rundes, das neben meinem Fuß lag. Ich hob es auf und starrte mit Schrecken in die toten Augen des Kopfes unseres Hausmädchens Lena. Ich schrie auf und in der Ferne konnte ich das Bellen von Alf hören.

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Verfasser: Stonie

Korrekturleser: Obscuritas