Januar 7

Darkness

Alles begann nachdem ich mein neues Haus bezogen hatte. Ich weiß, sehr klischeehaft, aber glaubt mir, genau so ist es passiert. Ich habe vorher noch nie irgendwelche übernatürlichen Erfahrungen gemacht und habe – trotz Interesse daran – auch niemals wirklich erwartet, dass mir irgendetwas wiederfährt.

 

Ich konnte das Haus sehr günstig mieten. Ich habe mir auch nichts dabei gedacht, denn da es alt war und nicht in der besten Nachbarschaft lag dachte ich, ich hätte ein gutes Geschäft gemacht. Nachdem ich komplett eingezogen war, war für eine Weile auch alles normal.

 

Ich weiß nicht mehr genau wann es begann, denn damals kam es mir alles so unbedeutend vor. Ich habe das Licht in der Küche oder im Bad angelassen um es dann ausgeschaltet vorzufinden. Ich dachte ehrlich, ich hätte einfach vergessen, dass ich das Licht bereits ausgemacht habe. Nach einiger Zeit wurde ich neugierig und begann absichtlich einige Lichter anzulassen. Manchmal geschah nichts, manchmal waren die Lichter aus.

 

Mittlerweile wusste ich, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich war nicht wirklich verängstigt, sondern einfach nur verwirrt. Ich dachte, dass vielleicht etwas mit der Elektrik nicht in Ordnung war. Also ließ ich öfter das Licht an – was meine Stromrechnung in die Höhe trieb – weil ich dachte, ich könnte so herausfinden, warum das Licht zufällig ausgeht. Doch dann kam alles anders.

 

Das erste Mal passierte etwas Verrücktes, als ich das Licht in Küche und Wohnzimmer anließ während ich schlief. Ich wurde durch ein tiefes, polterndes Knurren aus der Küche geweckt. Vom Schlafzimmer konnte man durch den Flur zum Wohnzimmer hinunter sehen, welches mit der Küche verbunden war. Ich weiß noch wie ich wach wurde und dachte, da wäre ein Tier in meinem Haus. Ich sah hinunter zum Wohnraum und bemerkte, dass das Licht dunkler war. Jemand hatte das Licht in der Küche ausgeschaltet. Ein anderes tiefes Knurren ertönte, dieses Mal vom Wohnzimmer, und ich schrie fast als ich etwas Klobiges am Ende des Flures sah. Und dann ging das Licht im Wohnzimmer aus. Ich kann nicht genau sagen, was es war. Es schien eine Art schwarzer Schatten zu sein. Es war auch nicht wirklich wichtig. Ich habe mir vor Angst fast in die Hosen gemacht! Ich sprang von meinem Bett auf und schaltete das Licht an. Ich erwartete, dass etwas in diesem Raum war und nur darauf wartete, mir hinterherzujagen.

 

Nichts. Da war gar nichts im Raum. Ich atmete auf und bewegte mich langsam den Flur zum Wohnzimmer hinab. Als ich am Ende des Flures ankam sauste ich regelrecht auf den Lichtschalter zu. Auch hier war wieder nichts. Die Küche war als nächstes dran, aber auch hier war niemand.

 

Ich dachte, dass alles Geschehene nur ein Traum war. Als ich das Küchenlicht ausschalten wollte, zögerte ich jedoch. Hier stand ich, ein erwachsener Mann, und hatte Angst das Licht auszuschalten. Und ich gebe es zu, ich habe beim Schlafen alle Lichter angelassen.

 

Dies war ein Fehler.

 

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war jedes Licht ausgeschaltet. Ich zwang mich dazu aufzustehen und zuckte zusammen, als ich bemerkte wie mein Körper schmerzte. Ich warf die Bettdecke beiseite nur um lange rote Spuren an meinen Armen und Beinen vorzufinden. Es sah aus, als hätte mich irgendetwas in der Nacht gekratzt. Ich erschrak fürchterlich, aber dies war nichts im Vergleich zu dem, was ich dann sah.

 

Jedes Licht, welches ich in der Nacht zuvor angelassen habe, war zertrümmert.

 

Jede Glühbirne war zerbrochen, jede Lampe umgestoßen und eingeschlagen. Mir blieb der Atem weg als ich mich umsah. Irgendetwas komplett Verrücktes ging hier vor. Und irgendwas versuchte… nun… mir etwas anzutun. Ich gab auf Arbeit Bescheid und ersetzte umgehend alle Glühbirnen.

 

Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich überlegte auszuziehen, aber – und ich weiß, das klingt dumm – das war mein Haus. Ich war das erste Mal von meiner Familie entfernt und dies war MEIN zu Hause. Ich konnte es nicht aufgeben, also blieb ich.

 

Sogar als es schlimmer wurde.

 

Auch wenn ich nun Angst vor der Dunkelheit hatte, konnte ich auch mit Licht im Schlafzimmer nicht wirklich schlafen. Ich ließ also das Licht in anderen Räumen an, im Flur oder dem Wohnzimmer. So konnte ich noch genug im Schlafzimmer erkennen. Und fast jedes Mal wachte ich mitten in der Nacht auf und hörte etwas im Wohnzimmer knurren und herumschleichen… und dann gingen die Lichter aus. Ich wollte nicht nachsehen. Ich hatte Angst davor im selben Raum zu sein mit… was auch immer es ist. Also rollte ich mich im Bett ein und betete, dass es niemals diesen Raum betreten würde.

 

Nachdem dies eine Weile so weiterging, hatte ich eines Nachts genug. Ich beschaffte mir eine Waffe und schaltete jedes Licht im Haus an. Dann setzte ich mich in der Mitte des Wohnzimmers auf den Boden, die Waffe im Schoß und der Baseballschläger an meiner Seite. Ich wartete. Zuerst passierte lange nichts. Um etwa 2 Uhr morgens begann ich es zu hören. Seltsamerweise war das Geräusch hinter mir. Ich drehte mich herum und spähte über den Flur hinweg in mein Schlafzimmer… und ich konnte das bekannte Knurren hören. Ich schluckte, nahm die Waffe in eine Hand, den Baseballschläger in die andere und ging langsam herum um besser in das Schlafzimmer sehen zu können. Als ich mein Bett sehen konnte, hörte ich ein lautes BUMM gefolgt von einem unmenschlichen Brüllen. Mutig wie ich war zog ich mich vom Flur zurück. Ich wollte, dass dies alles endet, aber bei Gott ich wollte mich nicht mit dem Ding anlegen. Ich konnte hören wie etwas zerrissen und zerschmettert wurde, aber – und ich weiß nicht mal, wie ich das mitbekam – ich konnte ein „Klick“ hören. Und dann nichts mehr. Langsam spähte ich den Flur hinunter und sah, dass das Licht wieder aus war. Ich atmete tief ein und wagte mich heraus, während ich meine Waffen bereithielt.

 

Als ich das Licht im Schlafzimmer wieder anschaltete, schnappte ich nach Luft. Mein Bett war verwüstet, komplett auseinandergerissen. Es sah aus, als wäre ein Tier auf das Bett gesprungen und hat es dann in Fetzen gerissen. Ich trat näher um nachzusehen, was von meinem Bett übrig geblieben war und stand eine gefühlte Ewigkeit geschockt da. Ich drehte mich erst wieder um, als ich das bekannte Knurren hörte. Ich stand in der Nähe der Tür, direkt am Lichtschalter, als ich es das erste Mal sah.

 

Es war ein Mann, der mich anstarrte, ein weißer und verfaulter Mann mit einem entstellten Körper, der aussah, als wäre er das Kauspielzeug eines Hundes gewesen. Ich war so erschrocken, dass ich nicht mal meine Waffen gegen ihn erhob. Er schaute mich nur einen Wimpernschlag lang an und schaltete dann das Licht aus. Ich schrie und ich schäme mich nicht, dies auch zuzugeben. Ich schrie und rannte los. Ich sorgte mich nicht darum, dass dort vorn eben noch der Mann gestanden hatte. Ich rannte genau dorthin, wo er zuletzt stand, und schwang dabei den Baseballschläger wie ein Irrer durch den Flur. Ich hätte beinahe ein Loch in die Wand geschlagen als ich die Dunkelheit durchbrach und in das rettende Flurlicht trat. Ich drehte mich gerade rechtzeitig um, um den Mann beim Lichtschalter zu sehen. Auch dieses Licht schaltete er aus. Ich wollte nicht kämpfen, ich wollte in Sicherheit sein. Ich rannte durch das Wohnzimmer in das helle Licht der Küche.

 

Ich hörte das knurrende und kratzende Geräusch nahezu überall um mich herum und ich wusste, er kam zurück. Ich schaute zurück nur um erneut den entstellten und verrotteten Körper eines Mannes zu sehen, der mit einem gebrochenen Finger das nächste Licht ausschaltete und mich in angsteinflößende Dunkelheit tauchte. Ich rannte ins Wohnzimmer.

 

Dies wird mein letztes Gefecht, ich muss hier kämpfen. Die Stehlampe war meine letzte Verteidigungslinie. Ich hasste die Dunkelheit also blieb ich genau hier neben dieser beruhigenden Stehlampe. Ich wartete darauf, dass sie ausgeht aber… sie tat es nicht. Ich schaute mich um und – Stille. Nichts als Stille. Ich drehte mich um und sah den Lichtblick von einer Lampe an, die sich weigerte zu weichen. Ich bemerkte, dass ich lachte, ein verrücktes aber LEBENDIGES Lachen und ich dachte, ich wäre endlich in Sicherheit. Ich trat näher und ich schwöre, ich hätte die Lampe beinahe umarmt.

 

Dann sah ich es!

 

Ich hörte das Knurren zuerst. Es kam nicht von hinten, sondern von vorn! Es kam von der Lampe. Meine Augen weiteten sich und ich starrte die Lampe an, dessen Licht sich verstärkte. Ich strauchelte und… ich weiß nicht was passierte, aber ich muss über etwas gestolpert sein. Ich weiß nur, dass ich mich selbst auf meinem Rücken liegend am Boden wiederfand und dieses helle und intensive Licht ansah. Ich dachte, es würde mich verbrennen. Und dann kam es.

 

Ich kann keine Worte finden um zu beschreiben, was sich aus der Lampe ergoss. Es war abscheulich, pervers und voller Zorn. Ich werde niemals diese Augen vergessen. Hell, heiß und weiß… zwei glühende Kreise purer Böswilligkeit. Es hasste mich. Es hasste alles an mir. Und nicht nur mich. Es hasst uns alle, jedes menschliche Wesen. Aber ich steckte hier fest und es würde auf alles losgehen, was da war. Mich. Ich wusste nicht, woher ich es wusste, aber… ich wusste es. Es würde sich auf mich stürzen und ich bereitete mich auf einen schmerzhaften Tod vor.

 

„Klick!“

 

Das Licht ging aus. Wieder einmal Dunkelheit. Süße, ruhige, entspannende Dunkelheit. Ich blieb für einen langen Moment am Boden und ließ meinen Augen Zeit sich an die Finsternis anzupassen, während ich meinen Blick auf die Stelle fixierte, an der die Lampe stand. Als die Sekunden verstrichen konnte ich ihn ausmachen. Der entstellte Mann stand bei der Lampe, eine zerrissene Hand auf dem Lichtschalter, und sah auf mich herab.

 

Und da verstand ich es. Ich verstand, was all dies zu bedeuten hatte, alles, was geschehen war. Der Mann nahm seine Hand vom Schalter und zeigte mit einem verstümmelten Finger auf die Lampe bevor er sehr klar seinen Kopf von einer Seite zur anderen schüttelte. Alles was ich konnte war zu nicken.

 

Er war nicht derjenige, der mir etwas antun wollte. Die ganze Zeit, bei all diesen Vorfällen, hat er versucht mich zu beschützen. Diese Kreatur erschien nur bei Licht und dieser verstümmelte Mann bemühte sich um meine Sicherheit. Er wollte nicht, dass jemand seine Fehler wiederholt.

 

Ich zog gleich am nächsten Tag aus und blickte nie zurück. Was auch immer es war, es war an das Haus gebunden und bis jetzt ist nichts von einer anderen Lichtquelle gekommen. Wie auch immer, das Ding wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Es wurde in meiner neuen Wohnung zur Gewohnheit jede Nacht sicherzugehen, dass jedes einzelne Licht ausgeschaltet und jeder Vorhang geschlossen ist, damit ich selbst in stille, beruhigende und sichere Dunkelheit eintauche.

Übersetzer: Sharwen

Original: http://www.creepypasta.com/Darkness