Juni 28

Meisterwerk

Ich liege hier jetzt schon seit Stunden. Es ist halb fünf, nachts, und ich kann nicht viel tun. Aber weißt du, was das Schlimmste an meiner Situation ist? Ich bin in einem Raum mit meinen Eltern. Sie schauen mich an und und ich muss mich zurückhalten, um nicht zu weinen oder zu schreien, während ich sie sehe. Ihre Augen sind auf mich fokussiert, ihre Münder weit geöffnet und dann ist da noch der starke Geruch von Blut in der Luft. Ich kann mich vor Angst nicht bewegen.

Aber das ist es noch nicht. Sobald ich nur ein Zeichen von mir gebe, welches zeigt, das ich nicht schlafe, werde ich sterben und es ist niemand hier, der mich retten könnte. Natürlich habe ich mir überlegt, wie ich hier rauskomme, aber die einzige Möglichkeit wäre, durch die Zimmertür bis hin zur Haustür zu rennen und um Hilfe zu schreien, sobald ich draußen bin. Es ist riskant, aber wenn ich hier bleibe, werde ich auf jeden Fall sterben. Er wartet drauf, dass ich aufwache und sein Meisterstück zu Gesicht bekomme.

Du wunderst dich wahrscheinlich, was überhaupt los ist. Manchmal denke ich einfach zu weit voraus.

Vor drei Stunden hörte ich ein Schreien von der anderen Seite meines Hauses. Ich bin aufgestanden und wollte nachsehen was los ist, bis ich bemerkte, dass ich auf die Toilette muss. Es war dumm von mir, zuerst auf Toilette zu gehen anstatt mich weiter mit dem Schrei zu beschäftigen. Ein Wunder, dass ich da noch nicht gestorben bin. Während ich mein Geschäft erledigte, riskierte ich einen Blick auf den Flur. Dort war Blut auf dem Teppich. Voller Sorge rannte ich zurück in mein Zimmer, versteckte mich unter der Bettdecke, so eingeschüchtert wie ich war. Ich wollte mir einreden, dass alles nur etwas wie ein sehr realer Traum sei und ich einfach wieder einschlafen müsste.

Aber ich hörte, wie sich meine Tür öffnete. Verängstigt blickte ich unter der Decke hervor, um zu sehen, was passiert war. Etwas zog meine toten Eltern in meinen Raum. Ich kann dir sagen, es war kein Mensch. Es hatte weder Haare noch Augen und es war nackt. Es ging umher wie ein Höhlenmensch, mit einem gekrümmten Rücken während es meine Eltern schleppte. Jedoch schien dieses Ding schlauer als ein Höhlenmensch, denn es wusste, was es tut.

Es platzierte meinen Vater auf meinem Bettrand und sorgte dafür, dass er mich anguckte. Dasselbe mit meiner Mutter, nur dass das Ding sie auf dem Stuhl platzierte. Als es damit fertig war, begann es seine Hände zu reiben, diese mit Blut zu beschmieren und das Pentagramm des Teufels zu zeichnen. Es würde diesen Akt als sein Meisterwerk bezeichnen. Abschließend ritzte es eine Nachricht in die Wand, jedoch konnte ich diese wegen der Dunkelheit nicht lesen.

Als es fertig war, verkroch es sich unter mein Bett, um auf mich, sein letztes Opfer, zu warten.

Das Unheimlichste ist, dass sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben und ich seine Nachricht an der Wand lesen kann. Ich will sie nicht lesen, denn es ist unvorstellbar nur darüber nachzudenken. Aber ich habe das Gefühl, ich sollte es lesen, bevor es mich tötet.

Ich blicke auf das Meisterwerk der Kreatur.

„Ich weiß, dass du wach bist.“

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Übersetzer: BetterThanPillow

Korrekturleser: Darkitachi

Original: http://www.creepypasta.org/creepypasta/masterpiece

Juni 24

Feuer

Ich kann den metallenen Geschmack von Blut in meinem Mund schmecken. Wie es von der klaffenden Wunde an meinem Haaransatz hinab rinnt. Mit jedem Atemzug inhaliere ich heiße Asche. Mein Hals ist trocken und heiß. Die Luft um mich herum verbrennt mir fast die Haut, beißt bösartig an meinen offenen Wunden und Kratzern. Bereits vor einer Weile habe ich aufgehört zu zittern. Nun sind meine Hände ruhig. Ich bin vor Angst steif gefroren. Vermutlich gebe ich zu früh auf, aber mir fällt nichts mehr ein was ich tun könnte. Ich habe keine Ideen mehr.
Tief im Schatten eines schmalen Durchganges kann ich glühende Augen sehen. Ich vermeide direkten Augenkontakt, und schließe meine Augen. Als ob es mich retten würde nicht hinzusehen. Wenn ich sie nicht sehen kann, können sie mich nicht sehen. Ich denke zu kindisch. Aber ich schließe meine Augen fester, versuche mir glücklichere und friedvollere Orte vorzustellen. Die kalte Wand hinter mir ignorierend, die Verbrennungen auf meiner Haut und in meinem Rachen, die Augen die auf mich warten.

Ich halte meine Augen geschlossen, und tue so, als ob ich weit weg wäre. Ich weis es ist umsonst. Aber vielleicht kann ich noch ein paar Sekunden Frieden haben bevor…

Ich wurde zurückgebracht, auf den schmalen, verrußten Durchgang von einem Grollen und drängender heißer Luft. Fast springe ich, aber ich konnte mich noch fangen. Ich will ihm nicht die Befriedigung lassen zu wissen, dass ich Angst habe, auch wenn es das vermutlich riechen würde. Es hört sich bereits sehr nahe an, Ich öffne meine Augen nicht.

„Bitte sieh mich an“ säuselte es, sein Ton – ekelerregend höflich, „Es macht keinen Spaß, wenn ich das Licht deiner schönen Augen nicht sehen kann.“ Seine angesengte Hand bewegte sich unter mein Kinn, wärend es mit seinem Daumen leicht meine Wange berührt. Aber anstatt von den Flammen angeweht zu werden, glühe ich. Der direkte Kontakt lässt die Hitze durch jeden einzelnen Nerven in meinen Körper sickern, lässt mich mit dem Schmerz mit zittern. Ich fühle mich, als würde ich lebendig verbrennen. Ich will schreien, aber meine Lippen bleiben verschlossen. Wenn ich versuche mich zu befreien wird der Griff fester, sicherlich hinterlässt es weitere Flecken zu meinen Verbrennungen.

Mein Augen öffnen sich unfreiwillig um das Gesicht zu finden, das sich unmittelbar vor Meinem befindet. Seine furchtbaren Eigenschaften kombiniert mit einem üblen Grinsen. Ich schrecke nicht zurück. Ich stehe in Ruhe da und warte ab, mein Körper voll mit Schmerz. Seine unnatürlich schwarzen Augen hefteten an meinen, was sich wie eine Ewigkeit anfühlte, bevor sein Mund sich in ein sadistisches Grinsen weitete und seine Hand zu meinem Hals wanderte, flammen mit mir im Gefolge.

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Übersetzer: Manca

Korrekturleser: dannyk96

Original: http://www.creepypasta.org/creepypasta/fire-2#read

Juni 21

Haarbälle

Ihr alle wisst genau, wovon ich rede.

Diese langen Haarsträhnen, die in Klumpen überall rumliegen. Oftmals mit Fusseln, Schmutz oder anderem klebrigem Zeug.

Abscheulichkeiten, von denen man wünschte, sie würden außer Sichtweite bleiben.

Na gut…

An diesem Morgen wachte ich zu einer ganz besonderen Überraschung auf. Ich setzte mich in meinem Bett auf und gähnte. Dabei kitzelte mich etwas am Kinn.

In meinen Mund greifend, begann ich eine lange Strähne schwarzen Haares herauzuziehen.

Ekelhaft.

Nennt mich ein Weichei, aber lose Haarsträhnen, die überall einfach so rumliegen, sind absolut widerlich.

Ich will mir nicht auf die Schulter klopfen, aber ich bin ein ziemlicher Frauenschwarm. Viele verschiedene Frauen verbringen jede Woche die Nacht hier. Ich würde verstehen, wenn sie Lippenstiftabdrücke auf meinem Bettlaken hinterlassen, aber Haare? Wie scheußlich.

Auf dem Weg zum Badezimmer warf ich die Haare in den Mülleimer, und begann das Wasser für meine morgendliche Dusche zu erwärmen.

Nun…

Beim Betreten der Dusche, fühlte ich zwei verschiedene Dinge. Das erste war das kochend heiße Wasser, welches mir über den Rücken lief, und das zweite war noch unangenehmer. Etwas verhedderte sich zwischen meinen Zehen.

Mehr Harre. Ein kleines Knäul, welches nur darauf wartet, dass man drauftritt.

„Verdammte Scheiße“, murmelte ich, während ich den Haarball Richtung Abfluss kickte. Es lief mir trotzdem ein Schauer über den Rücken, obwohl ich unter heißem Wasser stand. Hoffentlich verstopfte es nicht das verdammte Rohr.

Frustriert versuchte ich mich zu erinnern, welche der Frauen, die ich hergebracht habe, schwarze Haare hatte. Ich erinnerte mich nicht an den Namen, aber sicher war das die letzte „Haarige Lage“.

Nun…

Als ich fertig war mit duschen, griff ich nach meinem Handtuch und begann mich abzutrocknen.

Mit dem Tuch über mein Gesicht fahrend, fühlte ich mehr Unbehagen.

Yep. Du hast es erraten. Noch ein verschissener Haarball.

„Wirklich?“, schrie ich. „Ernsthaft?“

Wenn mir einfällt, wer die Schlampe ist, wird sie dafür bezahlen.

Ich würde gern die Haarbälle beschuldigen, dass ich zu spät zur Arbeit gekommen bin, aber die Wahrheit ist, dass ich einfach zu spät aufgewacht bin.

Normalerweise würde ich mir aus solchen Kleinigkeiten nichts machen, aber ich war ziemlich angepisst, als ich endlich zu meinem Auto kam. Ich hatte wirklich viele, viele Frauen bei mir, aber ich glaube keine davon hat ihre Haare in solchem Ausmaß verbreitet. Vielleicht war sie etwas älter.

Um deine Frage zu beantworten: Nein, ich diskriminiere keine alten Leute.

„Abstoßend! Widerwärtig!“ Ich tobte, während ich mein Auto startete.

Ich begann loszufahren, aber es dauerte nicht lange bevor ich auf die Bremse trat.

„Bridget!“ Ich schrie, während ich das Lenkrad so fest hielt, dass meine Knöchel weiß wurden.

„Bridget! Diese schwarzhaarige Schlampe! Sie muss es gewesen sein!“

Ich drehte um und fuhr zurück in meine Ausfahrt, sprang aus dem Wagen und rannte zu meiner Haustür.

Ich lief durch die Küche und in Richtung Wohnzimmer.

„Wo bist du Bridget? Ich reiß dir deine verdammten Haare aus!“

Das war der umständliche Teil.

Es roch auch ziemlich übel.

Ich musste durch mindestens zwanzig schwarze Müllsäcke mit Körpern kramen, bevor ich das Luder fand.

Nächstes Mal werd ich sicherstellen, ihnen die Köpfe zu rasieren, bevor ich sie wieder raushole.

Haarbälle sind scheußlich.

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Übersetzer: Mettl

Korrekturleser: Mirai

Original: https://www.reddit.com/r/nosleep/comments/19teog/hairballs/

Juni 17

Devil’s Road

Die dichten, grauen Wolken verdeckten einen Großteil des Lichtes, was der Straße eine dunkle Erscheinung gab und mein Herz schneller schlagen ließ. Es war ein merkwürdiges Gefühl so ängstlich zu sein, ohne einen triftigen Grund Angst zu haben. Ich schritt schnell voran, während ich die Wolken beobachtete, wie sie umherwirbelten und sich in Mustern bewegten die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ich war an die Winter in England gewöhnt, und die Kälte welche unerwartet einziehen konnte, aber dies war anders. Der Wind war heftig, aber nicht kalt. Die Wolken waren ungewöhlich. Das gedämpfte Tageslicht welches es schaffte hindurch zu scheinen, zeigte Wirbel aus Farben, die normalerweise nicht gesehen wurden.

Ich beschleunigte meine Schritte, in der Gewissheit das etwas passieren würde. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite begann ein Mann zu rennen. Seine Haare peitschten wie wahnsinnig um seinen Kopf. Seine Kleidung war zerfetzt und blutverschmiert. Ich erstarrte bei diesem Anblick. Ich war in einer Art Schock, das war keinesfalls normal. Einen Augenblick nach dem er vorbeigerannt war, verfolgten ihn drei junge Männer, sie lachten und schrien, riefen nach ihm. Ich sah ihn einmal zurückblicken, ehe er um eine Ecke lief, seine Augen zeigten Verzweiflung. Ich konnte seine Angst fühlen, denn ich hatte ebenso Angst.

Ich setzte mich erneut in Bewegung, die Augen nach möglichen Gefahren offenhaltend. Auf der anderen Seite der Straße schien die Welt den Verstand verloren zu haben. Ich sah Gruppen aus Männern und Frauen andere Personen jagen. Ich sah Menschen auf schreckliche Art und Weise sterben, auf eine Art und Weise die mir das Gefühl gab verrückt zu werden. Ein junger Mann in einem schwarz-weiß gestreiften T-shirt wurde verfolgt bis er stolperte, dann riss ihn ein Gruppe von Frauen mit ihren Händen auseinander. Sie rissen ihn buchstäblich in Stücke, wie Zombies in einem Horror Film. Die wahnsinnigen Leute auf der anderen Seite der Straße stoppten und starrten mich an, aber sie überquerten die Straße nicht. Ihre Opfer sahen mich, hielten inne und schrien, flehten mich an sie zu retten. Ich war angespannt, bereit loszurennen aber niemand kam auf mich zu. Sie funkelten mich an, mir fröstelte, ich zitterte und bebte. Dann gingen sie wieder zu dem Wahnsinn über mit dem sie davor beschäftigt waren.

Mein Herz schlug schmerzhaft als ich begann zu rennen, ich wusste nicht wohin ich rannte. Ich rannte ehe der Wahnsinn mich erreichen konnte. Ich stolperte gegen eine Wand und stoppte meine Atmung, als ein Messer in mein Bein drang. Im ersten Moment spürte ich keinen Schmerz, der Schock war zu groß. Nach etwas das Stunden zu sein schienen, fing mein Bein an zu schmerzen und ich begann zu kreischen. Ich sah auf und auf der anderen Straßenseite sah ich den wild aussehenden Mann, den ich gesehen hatte wie er von einer Gruppe verfolgt wird. Seine Augen waren wild und seine Haare rot von Blut. Schlagartig erkannte ich das es nicht sein Blut war das sein Haar rot färbte, das es nicht sein Blut war welches ihm von seinen Haaren in die Augen tropfte.

Er hob ein weiteres Messer und mit einer Bewegung seines Handgelenks, warf er es von der anderen Straßenseite auf mich. Ich schrie auf und fiel zu Boden. Das Messer in meinem Bein grub sich tiefer hinein, als ich darauf landete. Der Schmerz war derart intensiv, dass ich fühlte wie meine Sicht sich trübte. Ich rief mir selbst zu das ich nicht ohnmächtig werden durfte, der Mann würde mich töten. Mit einem Aufschrei der Freude, zückte der Mann erneut ein Messer, wieder zielend. Diesmal war ich nicht in der Lage auszuweichen, sein Messer würde mein Fleisch finden und es gab nichts war ich tun konnte. Ich starrte ihn an, verständnislos. Das Messer nahm mein gesamtes Sichtfeld ein.

Der Mann schrie und warf das Messer, es summte während es durch die Luft schnitt. Ich schloss die Augen, versteift für den Schmerz. Nach einem langen Moment erkannte ich das der Schmerz nicht aufgekommen war, hatte der Mann verfehlt? Ich öffnete langsam die Augen, und was ich sah brachte mich dazu sie weiter zu öffnen. Neben mir stand ein anderer Mann, er war einwandfrei gekleidet. Er trug einen dunklen Anzug and Schuhe, sein Haar war schwarz und seine Haut war blass. In seiner Hand, welche mit Rubinringen geschmückt war, hielt er das Messer. Der Mann auf der anderen Straßenseite sah für einen Moment zurechnungsfähig aus und sehr erschrocken.

„Sie gehört mir.“, sagte der Mann, und obwohl seine Stimme gerade mehr als ein Flüstern war, übertönte sie den Wind und das Geschrei der Straße. Der wilde Mann hörte und fiel zu Boden, flehend und weinend. Ich verstand nicht was vor sich ging. Plötzlich warf der gut gekleidete Mann das Messer auf den wilden Mann und es landete perfekt tief in seinem Rücken. Der wilde Mann schrie und der gut gekleidete Mann lächelte. Die Klinge begann zu leuchten und ging grundlos in Flammen auf. Das Feuer breitete sich auf der zerfetzten Kleidung des Mannes aus, und in Sekundenschnelle war er in Flammen gehüllt.

Der gut gekleidete Mann wendete sich mir zu und ich begann ernsthaft zu zittern. Seine Augen waren das tiefste blau, und schienen in mich zu sehen. Er kniete sich neben mich, wobei er darauf achtete das sein Knie nicht den Gehweg berührte. Wortlos griff er nach unten und zog das Messer aus meinem Bein, ich schrie. Meine Schreie verblassten zu einem hysterischen Schluchzen und der Mann lächelte, zufrieden mit den lauten meines Schmerzes. Er griff nach oben, seine Hand nur ein Handbreit von meinem Gesicht entfernt und ich wich zurück, aber es gab keinen Platz zum zurückweichen.

Er lachte leicht und streckte die Hand aus, ich hielt die Augen fest verschlossen. Die Zeit verging langsam, ich hatte Angst meine Augen zu öffnen. Als ich sie endlich öffnete stellte ich fest das ich mich auf dem Rasen meines Campuses gefand. Ein Traum? Ich realisierte das ich während des Lernens im Gras eingeschlafen war. Ein hysterisches Lachen brodelte in mir. Ich sammelte meine Bücher ein und stand zügig auf, aber fiel. Der Schmerz der durch mein Bein fuhr war unerwartet und schockierend.

Ich zog meine Jeans hoch um eine fast verheilt Wunde freizulegen an der Stelle an der das Messer mich geschnitten hatte. Ich sah mich panisch um. Der Wind begann mir um mein Gesicht zu peitschen als dichte graue Wolken aufzogen. Ich sah einem Mann in einem schwarz und weiß gestreiftes T-Shirt an mir vorbei laufen.

„Geh besser Heim, ein großer Sturm zieht auf!“, rief er mir zu als er vorbei rannte. Plötzlich stellte ich fest, dass ich auf der falschen Straßenseite war. Ich war auf der Seite des Wahnsinns. Meine Bücher zurücklassend stand ich auf und versuchte über die Straße zu humpeln. Ich blieb auf der Mitte der Straße stehen und sah einen Mann auf mich warten, ein Mann mit tiefen blauen Augen und einem gepflegten schwarzen Anzug.

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Übersetzer: Darkitachi

Korrekturleser: dannyk96

Original: http://www.creepypasta.org/creepypasta/devils-road

Juni 14

SCP-600

Item-Nr.: SCP-600

Objektklasse: Safe

Individuelle Verwahrungsmaßnahme:
SCP-600 ist in einem Klasse-E Raum in Sektor 17 in der Größe 15m x 15m x 3m zu halten. Zwei (2) Sicherheitskameras beobachten das Subjekt. Eine Stahltür mit einem eingeschweißten, doppelt verglasten Fenster dient als Zugang. Beim Betreten oder Verlassen des Zimmers, sind keine speziellen Sicherheitsmaßnamen zu beachten, mit dem Vorbehalt, dass SCP-600 versuchen könnte, Wissenschaftlern aus dem Verwahrungsgebiet zu folgen. Eine einfache Ermahnung und ein Befehl reichen, um SCP-600 wieder in die Verwahrungszone zu bringen.

Beschreibung:
SCP-600 ist eine menschenähnliche, 1,7m große Gestalt mit einem Körperbau, der dem eines erwachsenen Mannes ähnelt. Das Subjekt hat kaum Körpermerkmale: Es fehlen eine Gesichtsstruktur, Ohren, Nägel, Körperbehaarung, Genitalien und Anus. Ganzkörperscans zeigten, dass SCP-600 keine innerlichen Körperstrukturen hat, sondern aus einer unbekannten Masse besteht, welche dem menschlichen Muskelsystem ähnelt. Es nimmt weder Elemente auf oder scheidet sie aus. Das Alter des Subjekts kann nicht bestimmt werden.

SCP-600 manipuliert alle Menschen in seinem Umfeld und bringt sie dazu, seine oberflächlichen Züge zu übernehmen. Unter anderem wird auch die visuelle Warnehmung manipuliert; SCP-600’s tatsächliche Form kann von Kameras, Sensoren und berührungsempfindlichen Geräten erkannt werden. Die entstehende Verbindung zwischen SCP-600 und einem Betroffenen ist nur auf einer oberflächlichen Basis, sodass keine Person sie bemerkt hat, geschweige denn unangenehm fand. Charakteristika die das Subjekt imitiert sind unter anderem die Haarfarbe, Hautfarbe, Augenfarbe, das Alter und der Kleidungsstil. Tierversuche zeigen, dass nichtmenschliche Organismen keinen Kontakt ohne Berührung mit dem Subjekt aufbauen können.

Wenn Menschen in der Nähe sind, wird SCP-600 versuchen, an Konversationen teilzunehmen. Sein Sprachrepertoire ist allerdings limitiert, es wird über triviale Dinge wie das Wetter und ähnliches diskutieren. Unterhaltungen werden oberflächlich gehalten, mit Inhalt gefüllt, der des Opfers Umfeld entspricht. Versuche, tiefgründigere Gespräche mit SCP-600 zu führen werden blockiert, SCP-600 scheint kein weiterreichendes Wissen zu haben. In Absenz jeglichen menschlichen Lebens ist SCP-600 inaktiv, stunden- oder tagelang nur stehend, auf keinen äußeren Reiz reagierend.

Das Subjekt ist normalerweise kooperativ, spricht von sich in der dritten Person. In Unterhaltungen mit Wissenschaftlern nennt es sich den SCP-600 Fall (Werfen sie dazu bitte einen Blick auf das Log 600-E). Es hat darum gebeten, George genannt zu werden, wird bei anderen Bezeichnungen aber nicht wütend.

Interview 600-E

Forscher ████████: Guten Morgen, SCP-600. Heute werden wir Ihre Erinnerungsfähigkeiten testen.

SCP-600: Hallo ████. Kein Grund, so formal zu sein. Ich hab schonmal gesagt, nenn mich George.

Forscher: Das scheint mir nicht angemessen.

SCP-600: Immer der Professionelle. Wie geht’s den Kindern? ██████ muss groß geworden sein.

Forscher: Darüber werde ich nicht reden. Bitte werfen sie einen Blick auf diese 4 Bilder.

SCP-600: Oh, cool. Ok los gehts. Wie denkst du über den SCP-600 Fall. Er ist komisch – nicht, dass wir keine Komischen gesehen haben, haha. Ich persönlich glaube, dass seine Verwahrungsmaßnamen etwas zu lasch sind.

Forscher: Bitte konzentrieren sie sich auf die Aufgabe. Im ersten Bild…

SCP-600: Glaubst du, seine Fähigkeit ist memetisch? Hat Dr. ████’s Team sich das nicht angeschaut?

Forscher: Wenn sie sich nicht konzentrieren, werde ich den Test abbrechen.

SCP-600: Oh sorry. Es ist bloß so interessant. Willst du nachher ein Bier trinken gehen? Ich hab ein paar Theorien zu erzählen. Ich glaube, dass [ELIMINIERT] was damit zu tun.

Forscher: Ich breche diesen Test ab.

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Übersetzer: Mirai

Korrekturleser: dannyk96

Original: http://www.scp-wiki.net/scp-600

Juni 10

Es starrte 4 Stunden

Für mich war das Leben eine Mischung aus Licht und Rauch, Musik und Männern. Ich lebte in einer heruntergekommenen Baracke in Nord Edsa, in einem sehr kleinen Raum mit anderen Frauen. Nur die Matratzen auf denen wir schliefen trennten uns von dem dreckigen Boden, den wir uns mit verflohten Hunden und Katzen, sowie Kakerlaken teilten. Mein Kleiderschrank bestand aus dem Nötigsten – zerschlissene Shirts und Tanktops, und den billigsten High-Heels die man in Quiapo kaufen kann.

Nach einer harten Nacht in den Bars des tanzens, mich selbst zu präsentieren, opfterte ich meine Zeit für einen stark betrunkenen Mann. Meine Augen starrten wie ein toter Fisch zur Decke. Ich verdiente genug Geld um zu diesem Billigladen zu gehen. Das Wetter in Manila wurde kühler während der Nacht. Ich brauchte ein Sweatshirt.

Ich ging die Straße runter, dessen Geruch aus einer Mischung aus Müll, menschlichem Urin, Kleinbussen, Dreirädern und LKW’s bestand. Es brauchte nicht lange, als ich einen Second-Hand Shop fand, unterstützt von einer amerikanischen gemeinnützigen Organisation.

Das Sweatshirt lag wie eine Perle in trübem Wasser, ordentlich zusammengefaltet, auf einem Haufen bunt zusammengewürfelter Kleidungsstücke. Ich wunderte mich, wieso noch niemand dieses Teil gekauft hatte. Ich nahm es in die Hand und fühlte die gute Verabeitung des Produkts. Es war so weich wie das Fell eines Kaninchens, und genauso warm. An den Seiten gab es Taschen um sich die Hände darin zu wärmen, und dort fand ich diese Notiz, aufgeschrieben auf einem zusammengeknülltem Stück gelben Papieres. Es roch nach alten Büchern. Staubig und feuchtkalt. Auf dem Papier waren folgende Worte gekritzelt.

Wo: 67th Banawi Street
Bezahlung: 1000 Pesos pro Nacht
Aufgabe: Liege auf dem Bett. Von 23 bis 3 Uhr, halte deine Augen geschlossen. Öffne sie niemals. Nach 3 Uhr wirst du dein Geld auf der Kommode finden.

Banawi Street. Auf der Notiz stand nicht in welcher Stadt, aber ich erinnerte mich daran, dass es eine Banawi Street in Quezon gab. Dort traf sich eine meiner Zimmergenossin regelmäßig mit einem ihrer Freier. Die Straße lag in einem reicheren Viertel der Stadt.

Ich steckte die Notiz in meine Tasche und bezahlte den Verkäufer. Nur 30 Pesos. Nicht schlecht, dachte ich. Das Sweatshirt fühlte sich weich an meiner Haut an, und ließ mich in weißem Glanz erstrahlen. Ich fühlte mich wie eine der berühmten Teenstars aus dem TV. Und noch besser: In meiner Tasche befand sich der Weg zu leicht verdientem Geld. Diese Gelegenheit kommt nie wieder. Ich muss sie nutzen, egal wie komisch die Forderung des Kunden auch ist. Die Verlockung war einfach zu groß. Ich könnte mit dem Geld endlich hier rauskommen, vielleicht ans College gehen und einen richtigen Job finden.

Nachdem ich mich einige Zeit lang durchfragte, fand ich das Haus schließlich. 67th Banawi Street. Das Gebäude sah ziemlich wüst aus, auch entgegen der Tatsache, dass es in einer reichen Gegend stand. Es war ein einstöckiges Haus, umgeben von einem hohen Zaun. Der Garten war ungepflegt und die Pflanzen wucherten wild in alle Richtungen. Verbogene und lose Bretter. Die Farbe war verblasst. Die Fenster waren mit Staub verhüllt. Immer noch besser als die Unterkunft in der ich wohnte, dachte Ich. Das Licht der Terasse war angeschalten. Als ich klopfte, öffnete sich die Tür von selbst, bis sie halb offen stand.

Ich rief: „Hallo?“. Keine Antwort. Die Einrichtung und die Luft roch sauer und alt, wie alte nasse Wäsche die einige Tage herumlag. Ich trat ein, ließ die Tür ein Stück weit offen, um die dunklen Zimmer mit dem Licht der Terasse zu fluten. Der Flur schien instabil, als würde er jeden Moment unter meiner Last zusammenbrechen. Es fühlte sich an, als würden die Wände mich erdrücken, schwer und feucht. Dieser Ort erinnerte mich an die Leiche, die man in einem Kanal nahe meiner Unterkunft fand – aufgedunsen, verdreht, verbogen. Ich ließ das finstere Wohnzimmer hinter mir. Ich konnte darin einen alten Fernseher, eine zerschlissene Couch, eine Kaffekanne, einen Aschenbecher und leere Gläser sehen. Der Raum stank nach Katzenurin und getrocknetem Kot. Niemand da. Ich versuchte einige Lichtschalter, aber sie waren alle defekt. Ich ging einen weiteren dunklen Flur entlang. Ich sah wie Licht durch eine der Türschwellen hindurchschien.

Ich rief noch einmal. Absolute Stille. Ich ergriff die Klinke und drückte die Tür nach innen. Klebrige und fettige Rückstände lösten sich von der Klinke und blieben auf meiner Handfläche zurück. Ich ignorierte sie und fand beim betreten des Raumes ein altes Bett vor, zu dessen Seite eine Kommode stand. Darauf stand eine Digitaluhr, dessen Ziffern durch die Dunkelheit hindurch schienen.

22:50 Uhr

Ich Fühlte mich seltsam und dachte darüber nach wieder zu gehen. Das Haus stand leer. Ich muss zugeben, dass ich dachte es würde ein schneller Job werden. Nur eine schnelle Nummer mit einem Mann. Ich war verunsichert.

Ich lag auf dem Bett mit der Notiz in meiner Hand, schaute zur Uhr.

22:54 Uhr

Ich lauschte und suchte nach Geräuschen, aber da war nichts. Pure Stille, es wirkte wie gedämpft auf meinen Ohren. Ich fühlte mich ängstlich, aber war gleichzeitig aufgeregt.

22:56 Uhr

Mein Herz fühlte sich an, als würde es mir jeden Moment aus der Brust springen. Ich stellte mir das Ticken einer Uhr vor. Mein Herz schlug im gleichen Rythmus.

22:59 Uhr

Ich schloss meine Augen, wartend.

Dann war es 23 Uhr. Die Atmosphäre änderte sich sofort, als ich meine Umgebung nicht mehr sehen konnte. Ich war nicht allein. Meine Augen blieben geschlossen, aber ich fühlte es. Dicht an meinem Gesicht, einige meiner Haare bewegten sich flüchtig. Es atmete. Tief, energisch, als würde es versuchen nur durch seine Nase zu atmen. Ich fühlte die warme Luft um meine Lippen herum. Ich roch es. Ein saurer Geruch, wie eingelegte Gurken, außerdem war da noch etwas anderes. Scharf, dick, süß. Der Geruch von Blut.

Ich unterdrückte meinen Drang mich zu übergeben. Sekunden wandelten sich in Minuten. Die Präsenz verweilte in meinem Gesicht. Mein Körper bewegte sich nicht, war wie eingefroren vor Angst. Ich fühlte jeden Atemzug. Ein. Aus. Langsam. Ängstlich. Ich fühlte jede kleinste Berühung auf meinem Körper. Es kribbelte an meinem Bein. Spürte ein leichtes Stechen in meiner Hüfte, in meinem Rücken und meinem Nacken. Schweiß kroch und krabbelte an meinen Haaren entlang. Ich wollte mich bewegen. Ich tat es nicht. Meine Knochen schmerzten, meine Musklen zitterten. Mein Herz. Mein Herz kämpfte wie ein gefangener Vogel in der drückenden Hand eines Menschen.

Die Präsenz hielt seine Nähe zu meinem Gesicht bei. Die Schweißperlen glitzerten auf meiner pochenden Stirn. Meine Nase zuckte, kribbelte. Ich fragte mich, ob es all dies bemerkte. Sogar meine Augenlider sonderten Schweiß ab. Hinter ihnen waren meine von Angst erfüllten Augen. Ängstlich, eingefroren, drückend. Meine Augenlider waren wie der Schrank, in dem sich ein Kind versteckte um sicher vor den Monstern unter dem Bett zu sein.

Der Gestank ließ nach. Meine Lungen widerstanden dem eindringen. Ich wollte meinen Kopf zur Seite drehen um dem üblen Geruch zu entgehen. Doch ich konnte nicht. Jeder Teil meines Körper war gelähmt vor Angst, solange mir dieses Ding weiterihn ins Gesicht starren würde.

Öffne sie niemals.

Meine Hand umklammerte die Notiz fester. Solange ich meine Augen geschlossen halten würde, passiert mir nichts, dachte ich.

Ich analysierte die Notiz in meinem Kopf, wiederholte die drei Worte. Öffne sie niemals. Wieder und wieder. Zehnmal, unzählige Male. Ich versuchte mich davon abzulenken mich bewegen zu wollen.

Ich machte einen Atemzug, einen langen. Ein saurer und kranker, nach Blut schmeckender Geruch, spülte meine Lungen. Ich würgte, hustete. Dann drehte ich mich. Ich drehte mich weg in das Bett, lag in Embriostellung auf der Seite. Augen zugekniffen. Wenn ich mich entspannte, fühlte ich es. Noch immer spürte ich die Präsenz direkt vor meinem Gesicht. Es schwebte, schwimmte im Raum! Wie könnte das Ding sonst mit meinen Bewegungen mitgehen? Ich fühlte kein anderes Gewicht auf dem Bett als meines, kein Anzeichen dafür, dass es über mich gekrochen war, sich neben mich legte, sich neu gegen mein Gesicht ausrichtet.

Ich ließ einige Minuten vergehen, bevor ich mich erneut bewegte. Langsam, auf es zu, wieder weg. Ich drehte mich vorsichtig auf den Rücken. Es bewegte sich grazil und geräuschlos mit mir. Meine Augen waren starr nach oben gerichtet, und auch hier spürte ich die Präsenz direkt vor meinem Gesicht. Es schaute direkt auf mich drauf. Ich verzog das Gesicht, meine Augenbrauen schwitzten. Ich wollte zuschlagen, aber ich konnte nicht. Ich hatte zu viel Angst. Die einzige Sache die mich weitermachen ließ, war die Gewissheit, dass es irgendwann zu Ende sein würde. Ich wartete, litt, schwitzte, betete. Es blieb immer bei mir, immer. Ich konnte nicht schlafen.

3 Uhr

Die Digitaluhr läutete. Es war das Gefühl der Erlösung. Das Ding, dass mich 4 Stunden direkt anstarrte war weg. Ich öffnete nicht sofort meine Augen. Ich wartete, bis der Schweiß getrocknet und kalt wurde, meinen Körper abkühlte. Ich bekam Stück für Stück die Kontrolle über meinen Körper wieder, und konnte mich von der Angst lösen. Ich konnte wieder atmen. mein Herz pumpte stark und schnell. Ich fühlte meine Finger und die Wärme auf meiner Haut. Ich streckte mich langsam und ließ Leben in meine Muskeln fahren.

Ich öffnete die Augen. Auf der Kommode lagen 1000 Pesos für den Horror, den ich durchlitt. Ich nahm sie und verließ das Haus.

Eine Woche ist seit dieser Nacht vergangen. Mein Geld hatte ich ausgegeben. Konnte mich nicht mehr erinner wofür, aber die Erinnerung an diese Nacht blieben. Ich musste immer wieder an dieses Ding denken, dass direkt in mein Gesicht geatmet hat. Habe ich mir das alles vielleicht nur eingebildet? Möglicherweise war meine Angst zu groß, sodass mein Kopf sich dieses Ding eingebildet hat. Aber meine Sinne konnten nicht getäuscht werden. Ich habe es deutlich gerochen. Der Geruch von Blut, dieser saure Gestank. Ich fühlte es, diesen warmen Atem auf meinem Gesicht. Wer hatte das Geld hinterlassen? Was war diese Präsenz die ich fühlte? Und die Frage die mich am meisten beschäftige: Was würde passieren, wenn ich meine Augen öffnen würde?

Meine Rückkehr in dieses Haus war nicht länger des Geldes wegen, nein. Ich wollte Antworten.

Am Abend meiner Rückkehr bemerkte ich, dass sich nichts verändert hat. Der einzige Unterschied war das unordentliche Bettlaken auf dem ich lag und mich bewegte. Das starke Licht der Uhr leuchtete auf das Bett.

Nur noch wenige Sekunden bis 23 Uhr. Ich schloss meine Augen.

Das Ding erschien sekundengenau vor meinem Gesicht. Dieses mal aber wurde meine Furcht von Neugier überdeckt. Ich bemerkte es kurz bevor es erschien. Ich spürte nicht wie es den Raum betrat. Seine Erscheinung war flüssig, geräuschlos, als hätte es sich aus der Luft heraus materialisiert. Der Geruch von Blut und saurem Gestank glich dem vom ersten Mal. Ich bewegte meinen Kopf langsam nach links und rechts, und jede Bewegung wurde von der Präsenz perfekt gespiegelt. Es war, als würde ich das eigene Spiegelbild studieren. Deine Reflektion, so nah an deinem Gesicht. Das Ding fuhr geräuschlos fort zu atmen. Ich spürte es deutlich.

Ich traute mich eine Sache zu tun, die ich letztes Mal nicht tun konnte. Ich bewegte meine Hände in Richtung meines Gesichts und berührte sie vorsichtig. Ich fühlte meine Knochen zwischen dem Fleisch, den Muskeln und der kalten Haut meiner Hände. Kurz vor meinem Gesicht stoppten meine Hände, protestierten. Mein Herz schlug wild, wie aufgescheuchte Mäuse in einem Käfig. Ich verzog das Gesicht, nahm all meinen Mut zusammen. Ich bewegte meine Hände erneut. Die unsichtbare Präsenz setzte ihre Atmung fort. Unbeweglich, unerschrocken, kraftvoll.

Meine Finger berührten etwas. Ich stoppte. Jeder Teil meines Körper fror ein. Ich konnte nicht atmen. Das Blut schoss mir in den pochenden Kopf. Die Atmung der Präsenz veränderte sich. Sie wurde kratzig, aufgeregt. Der faulgie Geruch stieß stärker gegen mein Gesicht. Ich konnte meinen Fingern nicht befehlen sich zu bewegen. Sie blieben wo sie waren. Paralysiert, es noch immer berührend. Ich konnte nicht sagen wie viel Zeit während der Berührung verging. Mein Kopf war zu sehr gefüllt mit Furcht. Alles, an das ich mich vor meinem Blackout erinnern konnte, waren wenige Eindrücke die meine Finger erhaschen konnten.

Haar. Klebrig und kalt.

Mein Herz schien zu explodieren. Meine Finger bwegten sich, schleichend, flüchtig. Ich spürte Kopfhaut, die sich unter einer haarigen Schicht verbarg. Das Ding atmete weiter, als wäre es enthusiastisch. Ich war erfolgreich darin, dass lähmende Gefühl von meinem Körper zu schütteln. Jetzt bewegte ich meine Finger wie ein Marionettenspieler. Sie folgten den Kurven der Kopfhaut, bis ich nackte Haut spürte. Sie fühlte sich zerrisen an. Rau, kratzig, gezackt, darauf war klebrige Flüssigkeit. Meine Finger überwanden die Haut, und ich erreichte etwas, dass sich wie rohes Fleisch anfühlte. Wie gehacktes Rindfleisch vom Markt. Klebrig, weich.

Ich ließ meine Hände sinken. Mein Herz pochte und pumpte so intensiv, dass ich dachte es würde jeden Moment aussetzen. Ich hatte zu viel Angst die Untersuchung fortzusetzen. Es fühlte sich an wie als… als hätte ich einen abgeschlagenen Kopf berührt.

3 Uhr

Ich wartete erneut, bis ich meinen Körper wieder bewegen und meine Augen öffnen konnte. Wie zuvor lagen 1000 Pesos auf der Kommode. Meine Hände, paralysiert von dem was sie berührten, waren sauber. Ich dachte sie wären mit Blut getränkt, aber sie waren sauber.

Ich rannte weg vom Haus, panisch. Möglicherweise beherbergt ein Geist dieses Haus. Ich versprach mir, nie wieder dorthin zurückzukehren, ganz egal wie viel Geld ich bekommen würde.

Das versprach ich mir vor einem Monat. Für mich und meine Zimmerkameradinnen wendete sich die Situation allerdings zum Schlimmsten. Beamte griffen hart gegen das Gewerbe durch, in dem ich arbeitete. Wir wurden auf Krankheiten getestet, um Übertragungen zu vermeiden. Aber Labortests kosten Geld. Die Bar-Managerin für die ich arbeitete nahm die Mädchen auf, die die negativen Ergebnisse am schnellsten liefern konnte, und die Stellen waren begrenzt. Ich rang mit mir das Versprechen zu brechen, dass ich mir gab. Ich musste dorthin zurückkehren. ich brauchte des Geld. Und nach all dem was ich dort erlebte, ist mir doch nie etwas passiert, oder?

23 Uhr

Die satanische Präsenz kehrte zurück. Ich kniff meine Augen zu, entschlossen mich nicht in Furcht verfallen zu lassen. Ich redete mir selbst ein, dass der Job einfach wäre. Halte die Augen bis 3 Uhr geschlossen, dann wirst du bezahlt. Einfach.

Ich glaubte mich an die Anwesenheit gewöhnt zu haben. Der Rythmus seiner Atmung war beruhigend. Ich kämpfte darum nicht einzuschlafen. Ein. Aus. Ein. Aus. Es war einschläfernd. Sein saurer, faulig-süßer Mundgeruch schläferte mich ein. Ich versuchte zu widerstehen. Aber ich konnte nicht lange standhalten. Die schwere Hand des Geistes drückte mich in einen tiefen Schlaf.

Das Mädchen in meinem Traum war wunderschön. Schlanker Körper, klein. Langes Haar so schwarz wie die schwärzeste Nacht in der Provinz. Tiefe und schattierte Augen. Sie beobachtete mich wie ich schlief. So nah an meinem Gesicht. Ich konnte eine Hand auf ihre Wange legen, und sie fragen wieso sie hier war.

„Geh,“ flüsterte sie. „Geh.“

Ihr Gesicht verzerrte plötzlich, machte würgende Geräusche. Ihre Haut wurde entsetzlich blassblau. Ihre Augen quollen auf und färbten sich blutrot. Sie versuchte einen Schrei auszustoßen. Alles was sie hervorbrachte waren heisere und stumpfe Atemgeräusche, die mich beobachteten… als wenn I-…

Ich war wach. Aus wunderlichen Gründen öffnete ich meine Augen nicht. Der Raum war noch immer geflutet von den würgenden Geräusch der Frau aus meinem Traum. Der Boden bebte, dann war es wieder still. Mein Herz schlug mir in den Ohren. Trotzdem öffnete ich meine Augen nicht. Noch nicht. Nicht bis ich den Alarm der Uhr hören würde, sodass ich sicher das Geld nehmen und gehen könnte. Aber es war noch nicht das Ende.

Das nächste Geräusch, dass ich wahrnahm, erschrack mich mehr als jedes andere, das ich während dieser krankhaften Erfahrung wahrnahm. Ein gleichmäßiges, nasses Geräusch, als würde man Fleisch mit einer Säge zerteilen. Es tropfte. Ein dumpfer Schlag, als würde etwas auf den Boden fallen. Ich hörte Schritte, langsam, schwer, in meine Richtung kommend. Jeder Zentimeter meiner Körpers schrie schrie: Öffne deine Augen und lauf! Lauf! Ich zitterte, schwitzte. Angstdurchströhmt wie ein Tier vor seiner Schlachtung. Die Schritte kamen näher. Atme! Atme! Ich konnte nicht! ich musste rennen! weg! Aber ich konnte nicht! Mein Körper war durchflutet von Panik und Entsetzen. Ich hatte meine Augen viel zu lange geschlossen gehalten. Ich konnte sie nicht öffnen, egal wie verrückt es klingt.

Die Schritte verstummten, genau neben dem Bett auf dem ich lag. Erneut drückte sich das Ding ganz nah an mein Gesicht, keuchend atmend. Es fühlte sich an als würden meine Muskeln unter der Spannung zerreißen. Die Angst war wie ein auf mich herabssausender Messerhagel. Die Minuten vergingen nicht. Endlos, lang, unerträglich. Ich wollte nicht mehr dort sein. Ich wollte nicht mehr in diesem Raum sein, nicht mehr das Bedürfnis nach Geld haben. Die Nacht mit Fremden verbringen und als Prostituierte arbeiten. Ich wollte da raus. Raus. Raus!

Und dann plötzlich brach es wie ein Segen herein. Der Klang des Weckers.

3 Uhr.

Ich öffnete meine Augen und fand mich selbst in einem leeren Raum vor. Keiner war hier, nichts war hier. Keine Schreie, keine toten Körper, kein Geruch, keine Präsenz. Das Geld lag auf der Kommode, aber das war mir egal. Ich rannte aus dem Haus wie ein gebissener Hund.

Ich konnte für den Rest der Nacht nicht schlafen. Am nächsten Morgen suchte ich nach Informationen zu dem Haus. Die Stadtverwaltung glaubte meine Geschichte, dass ich von meinem reichen Vater geschickt wurde um zu fragen, ob das Haus zu verkaufen sei. So konnte ich die Geschichte ihnter dem Haus erfahren.

„Vor einigen Jahren lebte ein reicher Mann dort. Er war ruhig und unauffällig, schien als könnte er nie jemandem etwas tun. Eines Tages rief er sich ein Call-Girl nach Hause. Nichts ungewöhnliches, viele tun das. Schien nichts Verdächtiges zu sein… bis die Nachbarn etwas fauliges vom Hause ausströhmend rochen. Man fand das Call-Girl tot in dem Zimmer. Überströmt mit Maden, verwesend. Als man sie fand stand er ebenfalls im Raum. Aufrecht, still, wie ein Sarg. Den Kopf des Mädchens in der Hand haltend, erschoss man ihn an Ort und Stelle.“

Die Mitarbeiterin zog ein Bild aus einer Schublade. „Dies ist das Foto des angeblich getöteten Mädchens. Waisenkind, 16 Jahre alt. Tat es womöglich für das Geld. Ihre Kollegen behaupteten sie sei insgesamt dreimal dort gewesen. In der dritten Nacht wurde sie getötet. Hier, nehmen sie es mit“

Es war das Gleiche Mädchen aus meinem Traum. Was mich aber am Meisten irritierte, war das Sweatshirt, dass sie trug. Weiß und weich. Das Gleiche, dass ich mir in dem Laden kaufte. Ich dankte der Mitarbeiterin, war kaum in der Lage die Worte auszudrücken.

Als ich zu meiner Unterkunft zurückkehrte, bemerkte ich, dass der Pullover verschwunden war, ebenso die Notiz. Ich fragte meine Mitbewohnerin nach dem Aufenthalt meines Kleidungsstückes, aber sie wusste auch nichts.

Ich gab meine Arbeit als Call-Girl auf und fand einen Job als Betreurin für ein älteres Ehepaar. Die war hart, aber ich verdiente genug Geld um das College zu finanzieren. Manchmal kehre ich zum Laden zurück in dem ich die Notiz fand. Ich erinnerte mich an die drei Nächte, die ich mit dem Ding verbrachte. Ich bin wirklich mehrmals dort gewesen, nur für das Geld… aus Neugier. Was hat das Leben als Call-Girl dir nur angetan? Ich stumpfte ab, sah die Gefahr nicht mehr. Mit Fremden schlafen, potentielle Mörder. Ich habe versucht zu vergessen, ich kann nicht. Aber ich frage mich noch immer: Was wäre passiert, wenn du die Augen geöffnet hättest?

Ein paar Jahre später stieß ich auf einen Artikel in den Nachrichten. Ein weiterer Mord. die Redaktionen schrieben die Artikel immer sehr detailliert, für die Leserzahlen. Mein Blut gefror.

Die Leiche eines Call-Girl wurde gefunden, ihr Kopf wurde abgetrennt.

Ihre Augen waren weit geöffnet.

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Übersetzer: dannyk96

Korrekturleser: Darkitachi

Original: http://www.creepypasta.org/creepypasta/four-hours-it-stared#read

Juni 1

Ich hätte eine andere Uhr tragen sollen

Mir wurde allmählich bewusst, dass ich schon wieder wach war, traurigerweise. Ich genoss diese flüchtigen Momente des unbewussten Schlafens, wo Minuten und Stunden langsam verwehen, um dann wieder schneller zu werden, bis du auf Höchstgeschwindigkeit fährst….und BÄM. Wieder wach. Wer weiß, wie viel später. Fünfzehn Minuten, oder zehn Stunden. Zeit ist hier relativ.

Was ich wirklich am Schlafen mochte war, dass ich träumen konnte, wenn ich Glück hatte. Während der Zeit in der mein Körper einfach nur war, konnte mein Verstand eine wundervolle Umgebung weben, in der ich nicht an die Gesetze der Physik gebunden war. Ich kann rennen und springen, mit anderen reden und sogar wieder essen! Ich vermisse das Essen wirklich.

Wenn ich feststeckte in dem was ich „wach“ nenne, kann ich physisch nichts machen. Ich meine nicht, dass ich nichts zu tun hatte, sondern eher, dass ich keinen Muskel rühren konnte. Ich war nicht paralysiert. Sogar ein Querschnittsgelähmter kann blinzeln und seine Augen bewegen. Zumindest können sie atmen und haben einen Herzschlag.

Nicht, dass umschauen mir viel bringen würde. Ich bin länger in der Dunkelheit, als ich begreifen konnte, oder vielleicht auch nicht. Ich hatte keine Möglichkeit, Zeit zu messen. Ich trage eine Uhr, aber sie leuchtet nicht im Dunkeln, kein leuchtendes Display für mich. Ich erinnere mich vage, dass ich irgendwann einmal das sachte Ticken der Zeiger hörte, als sie ihre Runden drehten. Jetzt bekomme ich diese leisen Töne nicht mehr zu hören.

Das ist eine Sache, die ich ändern würde, wenn ich zurückgehen könnte. Ich würde viele Dinge ändern, wenn ich zurückgehen könnte, aber allem voran hätte ich eine Digitaluhr getragen, welche die Zeit und den Wochentag anzeigt. Wenn ich eine finden würde, die sogar den Monat anzeigt, ich würde mein Konto bis auf den letzten Cent leeren, ich würde sogar einen Kredit aufnehmen, nur damit ich solch eine Uhr jetzt hätte.

Im Idealfall würde ich zuerst andere Dinge ändern. Ich hätte einen Helm getragen, als ich auf mein Motorrad gestiegen bin. Ich hätte dem Öltanker vor mir nicht die Vorfahrt nehmen sollen. Vielleicht hätte ich auch eine dieser Blutspenderkarten in meiner Brieftasche gehabt, dann hätten die Rettungssanitäter gewusst, welche Blutgruppe ich habe. Also gut, Fehler wurden gemacht an diesem Tag, aber wenn ich den Ausgang nicht hätte ändern können, hätte ich zumindest eine andere Uhr getragen.

Ich erinnere mich nicht an viel, nach dem Zusammenstoß. Ich erinnere mich an einen Feuerwehrwagen, ein paar Sanitäter, aber es verschwimmt. Ich erinnere mich klar, als der Sanitäter dem Arzt sagte, dass ich ein Motorradfahrer ohne Helm war, der in einen seitlichen Zusammmenstoß mit einem großen Fahrzeug verwickelt war. Seitlicher Zusammenstoß, von wegen. Wenn dich so ein Truck frontal erwischt, fährt der dir den Arsch ab. Der Arzt schüttelte nur den Kopf, wir Biker sind sowieso nur Organspender. Ich wäre vielleicht auch einer, würden meine Innereinen nicht Gelatine gleichen.

Es gab eine Beerdigung. Irgendwie mit offenem Sarg, und ich konnte sehen wer da war und wer nicht, wer weinte und wer mich nur kopfschüttelnd ansah. So sehr ich mich auch bemühte, ich konnte mich nicht bewegen, nicht blinzeln, alles was ich tun konnte war liegen, in dem vagen Bewusstsein, das ich da war und was um mich herum war.

Traurigerweise, waren das die guten Zeiten. Für mich wurde es nur schlimmer. Mein Sarg wurde geschlossen und ich sah niemals mehr Licht. Ich hörte das dumpfe Geräusch des Drecks, den sie auf meinen Sarg schaufelten, und dann war ich alleine, mit nichts außer dem leisen, rythmischen Ticken meiner Uhr, die mir Gesellschaft leistete. Nur ich, meine Gedanken, meine Uhr. Ich weiß nich, wie lange ich schon in diesem Loch bin, doch ich wünschte wirklich, ich hätte eine andere Uhr getragen.

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Übersetzer: Mettl

Korrekturleser: dannyk96

Quelle: http://www.creepypasta.org/creepypasta/i-should-have-worn-a-different-watch