Februar 2

Creepypastas von Fans #49: Landstraßenbeute

Es war Nacht, als ich mit meiner Mutter zu unseren Verwandten fuhr. Meine Großmutter war vor wenigen Tagen verstorben und wir mussten zur Beerdigung. Ich lehnte meinen Kopf ans Fenster und sagte im genervten Ton: “Mama, warum hätten wir nicht über die Autobahn fahren können, du weißt genau, wie ich es hier hasse!“

Meine Mutter legte mir nur kurz die Hand aufs Bein und drückte es beruhigend. Ich rollte mit den Augen und blickte wieder nach draußen. Warum ich diese Route so hasste? Sie führte an einer alten Tierversuchsstation vorbei. Jedes Mal, wenn ich das riesige, dunkle Gebäude sah, konnte ich den Widerhall der gequälten Tierschreie hören. Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich betrachtete das Gebäude. Die leeren Fenster sahen aus wie schwarze seelenlose Augen. Krampfhaft versuchte ich meinen Blick abzuwenden, doch etwas erregte meine Aufmerksamkeit. Aus einem dieser Fenster starrten mich zwei grellrote Lichter an. Erschrocken schrie ich auf und meine Mutter trat vor Schreck auf die Bremse.

“Was… was war denn das jetzt?“, fragte sie mit einem Zittern in der Stimme. Wie hypnotisiert ging meine Hand zum Griff der Autotür und wollte sie herunterdrücken. Meine Mutter packte mich an den Schultern und zog mich zurück. “Bist du verrückt? Du könntest überfahren werden!“, schrie sie. Ich ignorierte meine Mutter, denn das leuchtende Augenpaar bohrte sich mit seinem Blick in meine Seele. Heftiger Schmerz und verwirrende Trauer ergriffen mein Herz, ich krümmte mich zusammen, ohne den Blick abzuwenden. Ein leises Wimmern drang durch meine Kehle und Tränen tropften auf meine Hände, die immer noch auf dem Autotürgriff lagen. „Mama… es.. es tut so weh.“

Eine kindliche Stimme drang in meinen Kopf und ich verkrampfte mich. Ruckartig hob ich den Kopf wieder; diese Augen, sie waren nun nicht mehr am Fenster, sie standen wenige Meter vor der Straßenbegrenzung. Nun konnte ich eine Gestalt ausmachen. Sie sah aus wie ein langbeiniger Wolf, nur, dass sie kein Fell hatte. Ihre Haut war schwarz und glänzte im dämmrigen Mondlicht. Ihr Gesicht war flach und es sah aus wie die Mischung aus einem Menschengesicht und einem Echsenschädel. Als sie langsam auf das Auto zukam, wurden die Trauer und der Schmerz in meinem Herzen größer und ich begann hemmungslos zu weinen. Meine Mutter nahm die Hände von meinen Schultern und zückte ihr Handy. Sie hatte gerade die 110 gewählt, als ich ihr das Ding aus der Hand schlug.

Wieder wandte sich mein Blick zu dem Monster und es fletschte seine Zähne, doch nicht aus Wut – es trauerte. „Mama, warum nehmen sie dich weg? Warum tun sie so etwas?“, schallte die Stimme wieder in meinem Kopf. Meine Mutter versuchte, mich nun wieder an den Schultern zurückzuziehen, doch ich bewegte mich kein Stück. „Warum, warum habt ihr mir Mama weggenommen? Was habe ich gemacht? Wieso stecht ihr mich?“ Fragen über Fragen prasselten auf mich ein. Heftig krümmte ich mich zusammen. “Ich weiß es nicht!“, schrie ich verzweifelt. Meine Mutter drückte sich nun, so gut sie konnte, von mir weg und blickte mich geschockt an. Ich konnte ihren Blick in meinem Rücken spüren.

„Mama…“, die Stimme in meinem Kopf, die zuvor noch drängend fragte, wimmerte nun. Ein Schluchzen brach aus meiner Kehle und wieder wurde diese verwirrende Trauer größer. Aus einem Impuls heraus drückte ich die Autotür auf und rannte auf das Monster zu. Es breitete seine Arme mit einem trauernden Gesichtsausdruck aus, als wollte es mich umarmen. Das Letzte, was ich mitbekam, bevor es schwarz wurde, war, dass sich der Gesichtsausdruck von Trauer in Gier wandelte, es hatte mich hereingelegt! Ich drehte mich um und stolperte, meine Mutter hatte die Autotür geschlossen und starrte mich von innen heraus an. Ihre Augen, ihre wunderschönen haselnussbraunen Augen, sie hatten sich verändert. Das weiße Fleisch der Augäpfel war tiefschwarz und ihre Iris blutrot. Mit einem fürchterlichen Schrei warf sich das Monster auf mich und grub seine Reißzähne in meinen Hals. Warmes Blut sprudelte aus meinem Mund und ich spürte, wie ich schwächer wurde. Das, was ich für meine Mutter gehalten hatte, stieg aus, es griff sich am Schopf und riss sich seine Haut wie eine Art Latexanzug vom Körper. Das letzte, was ich mitbekam, bevor alles verblasste, war, wie das andere Wesen sich über mich beugte und flüsterte, “Dumme dumme Kinder, so naiv.“

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Verfasserin: Rebecca S.

Korrekturleser: MircoL




Verfasst 2. Februar 2013 von Icebird in category "Creepypastas von Fans

8 COMMENTS :

  1. By whisper. on

    Das grusligste an der CP ist, dass die Verfasserin die gleichen Initialen wie ich hat. (RS). Und den gleichen Vornamen.

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  2. By Rafna on

    *Squeee* Oh mann, ich bin so verdammt Happy, das ich an diesem Abend langeweile hatte und das entstanden ist XD

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    1. By Sephia on

      Am entspandesten ist es, wenn man um 4:00 alleine in seinem Zimmer sitzt und die Shalousinen (Oder so. xP) nicht unten sind und man im Erdgeschoss wohnt, wo Selnder einen anschaut, habe ich nicht recht? ^^

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