Oktober 15

Creepypastas von Fans #008: „Der Beste“

Man kann ja mittlerweile im Internet extrem viele Mythen lesen. Von irgendwelchen verfluchten Pokémonspielen, einem mysteriösen Zeldaspiel und noch 1000 andere Sachen. Ich hab das alles schon durch und mich nicht einmal wegen so Geschichten gegruselt. Ich meine, es ist doch alles nur Erfindung und Fantasie. Es geht immer um den Tod oder darum, dass jemand gejagt wird. Und jetzt, obwohl ich über die gesamten Geschichten gehetzt habe, liefere ich jetzt selber so eine ab. Schon amüsant. 

Nur bei mir ist es anders, ich habe kein verfluchtes Spiel bekommen, oder werde seit einigen Monaten gejagt oder verfolgt. Ich bin einfach nur süchtig. Ich weiß genau, wie ihr da sitzt. Süchtig? Was ist das denn für einer, es gibt Tausende, die süchtig sind und die machen nicht so ein Theater. Aber ich erzähl das ganze erst mal. Ich bin, oder eher ich war, schon immer sehr musikaffin. Es war nicht einfach nur etwas was ich im Hintergrund habe laufen lassen. Ich habe selbst Gitarre, Piano und Bass gespielt. Musik war mein Leben. Genau aus dem Grund war ich im Internet auch immer auf der Suche nach neuen Bands und neuen Einflüssen für mein eigenes musikalisches Wirken. Also begab ich mich eines Abends nach der Arbeit wieder auf meine endlose Suche nach noch unbekannten Bands. Nach einigen Stunden fand ich eine sehr interessante Nachwuchsband aus Bocholt einer Kleinstadt bei mir in der Nähe. Das Myspace Profil sah ansehnlich aus und bei Youtube hatten sie ein paar nette Videos von Liveauftritten hochgeladen. Ich begeisterte mich sofort für die 7köpfige Band. Endlich mal nicht nur normaler Rock, es war noch ein Pianist, eine Geigerin, und ein Cellospieler dabei. Eine sehr ungewöhnliche Mischung aus Rock und klassischer Musik.

Nachdem ich Kontakt mit der Band aufgenommen hatte, konnte ich mich endlich schlafen legen. Im Schlaf träumte ich davon, mit dieser genialen Band zu jammen. Der beste Traum, den ich jemals hatte, obwohl es nur eine Kleinigkeit war. Am nächsten Morgen guckte ich sofort in mein Postfach, ob ich eine Antwort bekommen hatte. Vor Freude kopfstehend sah ich das „sie haben eine Nachricht“ da stehen. Als ich sie öffnete, war ich jedoch etwas verwundert. Auf meine knapp 5 Abseits lange Email voller Schmeicheleien, Liebesbekundungen und Wertschätzungen kam nur ein „ja ist ok, dann machen wir ein Termin aus und du kannst mal mitspielen“ zurück. „Hmmm schon sehr eigen“, dachte ich mir und stolzierte dennoch mit hoch erhobenem Hauptes zur Arbeit. Nach einigem hin- und herschreiben fuhr ich direkt das Wochenende darauf nach Bocholt. Dort angekommen wartete die Band schon auf mich. Aus dem Auto betrachtete ich die 7 Personen. Sie waren alle noch ziemlich jung, maximal 20 Jahre alt. Ich hätte niemals erwartet, dass heutzutage noch so junge Menschen so gute Musik machen konnten. Direkt nachdem ich aus dem Auto ausgestiegen war, begrüßte ich alle. Aber mehr als einen laschen Händedruck und einem „Was geht“ wurde nicht viel gesagt. „Deswegen habe ich lieber etwas reifere Menschen um mich“, dachte ich, aber machte mir nicht viel draus, weil ich ja wegen der Musik hier war. Wir fuhren auch sofort in den Proberaum und fingen sofort an. Es war ein berauschendes Gefühl, wobei ich aus irgendeinem Grund nicht wirklich mitkam. Sie waren zu schnell, zu komplex, zu gut. Aber ich gab mein Bestes. Wir jammten bis zum Abend. Als ich in meinem angemieteten Hotelzimmer ankam, fiel ich sofort ins Bett und schlief ein.

Wieder ein Traum, diesmal von der Jam Session. Aber komischerweise ganz anders als ich es in Erinnerung hatte. Es war, umgangssprachlich ausgedrückt, grottig. Kein einzelner Ton war richtig, keine Melodie, kein Takt, gar nichts hat gestimmt. Aber als ich aufwachte, wusste ich ja, wie es richtig war. Der zweite Tag verlief genauso, nur dass es den Anschein hatte, als ob die 7 um mich herum noch besser geworden sind. Ich konnte es einfach nicht ertragen, sie waren alle besser als ich. Dieses Mal stieg auch kein Hochgefühl der Freude auf, eher eines der Wut. „Ich war mindestens 10 Jahre älter und diese kleinen Halbstarken waren besser als ich“?

Am Abend schlief ich das erste Mal seit 2 Tagen nicht mehr sofort ein. Ich musste mich beherrschen und übte für den nächsten Tag noch bis tief in die Nacht. Sie hatten mir angeboten, ins Studio zu gehen und ein gemeinsames Demo aufzunehmen. Da durfte ich nicht so schwächeln wie die letzten Tage. Ich musste Herausstechen, was Besonderes sein. Dann im Studio lief alles so, wie ich es wollte, ich war der beste. Spielte alle zu Boden, ich hatte es geschafft. Als wir alle zusammen dann das Demo anhören wollten, war jedoch nur meine Gitarre zu hören mehr nicht. Stutzig drehte ich mich um und ich war allein, keiner mehr bei mir. Ich war der beste, aber alleine auf einem Demo hört sich das Ganze nicht rund an. Nachdem das Demo in meiner Tasche verschwunden war, lief ich in den Flur. Da sah ich die Polizei auf mich zustürmen. Sie riefen: „Das ist er, Zugriff!“
Sie haben mich festgenommen.

Ihr denkt euch jetzt sicher, was ist passiert, Musik machen ist doch kein Verbrechen. Nun ja, in meinem Fall schon, ich schreibe jetzt hier aus der lebenslangen Inhaftierung. Das Demotape mit meinem besten Gitarrenspiel in Dauerschleife. Nur schade, dass die Schreie der anderen mein perfektes Spiel kaputt gemacht haben. Es war so gut, so perfekt. Ich war einfach nur der Beste.

Verfasser: Kekseses


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Verfasst 15. Oktober 2012 von Icebird in category "Creepypastas von Fans

11 COMMENTS :

    1. By Désirée Souron on

      Ich würde mal sagen darauf zurückführend -dass er wütender wurde als die anderen besser wurden- hat er sie alle umgebracht…
      sry für den Spoiler

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  1. By Martin on

    Geil! .. nicht gruselig aber sehr emotional mitreißend. sehr gut lesbarer Schreibstil

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  2. By LMDAA on

    Coole Pasta, gibt aber einen Fehler. Da steht Auf meine knapp 5 Abseits lange Email statt Absätze lange.

    LMDAA

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  3. By Hank Hill on

    WOHOOOOO BOCHOLT!!!!!! schöne Stadt. besser als Wesel. dieser Sündenpfuhl menschlichen Versagens

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    1. By Kekseses on

      Ja ein befreundeter Gitarrist wohnt in Bocholt…
      Ich sollte ihn vll mal wieder anrufen o.o xP ^^ ;D

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