Oktober 4

Das Kaleidoskop

Während wir unsere Flitterwochen in Maine verbrachten, hielten an einem düsteren und regnerischen Tag meine Frau und ich in der pittoresken Stadt Boothbay inne. Da unser geplantes Picknick nun nicht mehr stattfinden konnte, durchsuchten wir die Regale eines heruntergekommenen Antiquitätengeschäfts in der Nähe des Hafens. Während meine Frau die großen Kisten und Katzentische in der Nähe der Türe durchsuchte, begutachtete ich begierig die antiken Werkzeuge und Seefahrerequipment hinter dem Glas der Theke. Da ich ein Sammler von optischen Seemannsinstrumenten bin, hoffte ich, ein Sextant zu finden oder womöglich gar ein altes ledergebundenes Teleskop.

Ein bestimmtes, interessantes Teil sprang mir direkt ins Auge. Es erschien wie eine schwere Messinglampe, das ein abgenutztes, braunes Edelrost trägt, jedoch im außergewöhnlich modernem Design. Ich fragte den Ladenbesitzer, doch er konnte mir nur sagen, dass es in derselben Seemannskiste gefunden wurde, wie einige von den Kompassen und auch das Sextant auf der Anzeige. Er fragte nach, ob ich es für 5 Dollar erwerben wolle, er würde es mir womöglich auf umsonst geben. „Für mich ist es wertlos, niemand möchte es.“ Als ich mich zum Preis äußerte, seufzte er nur müde und ging dann in seine Kabine, um es für mich zu holen.

„Hier, schau es dir selbst an, Bursche.“

Die Handwerkskunst war wundervoll – sehr beständig und offensichtlich handgemacht, womöglich ursprünglich aus Europa. Die abgegriffene Beschriftung deutete an, dass es womöglich Deutsch sein könnte, oder Österreichisch, im Originalton. Ich drehte das Birnengehäuse und ein schwacher, roter Strahl kam hervor. Es in die dunkleren Ecken des Geschäfts haltend, wurde ich von fantastischen, monotonen Wirbel begrüßt, die sich bewegen und selbst umschlangen, wie eine Grube voller Aale. Als ich mir seinen unüblichen Projektor-Kaleidoskop anstarrte, dachten sich meine abstrusen Gedanken makabre Gesichter und verworrene, raue Ranken aus.

Das Gerät ausschaltend, drehte ich mich aufgeregt zum Ladenbesitzer um. „Fantastisch!“, sagte ich. „Es muss vor der Linse einen Art Ölfilter haben. Ich habe zwei viktorianische Kaleidoskope, aber keiner davon strahlt so sehr wie dieses hier.“

„Du verstehst es nicht, oder? Niemand versteht es. Nach einer Weile kommen sie alle zurück, um es wieder zurückzugeben.“ Der Ladenbesitzer lehnte sich auf die Theke und ich konnte sehen, dass er stark und schwitzend atmete. „Sie alle glauben, es ist nur irgendein Trick… bis sie anfangen, sie zu sehen, wenn das Licht aus ist.

Das ist keine Projektion, mein Herr. Dieses… verdammte Ding, dieses Licht… es erschafft nicht diese Kreaturen. Es gestattet unseren Augen nur zu sehen, was bereits da ist.“

Original: http://www.creepypasta.com/the-kaleidoscope/


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Verfasst 4. Oktober 2012 von Icebird in category "Artefakte & Objekte

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