August 10

Der Knirps

Meine Augen warfen einen Blick zur Uhr als der Knirps in das Arbeitszimmer kam. Es war ein bisschen spät für ihn um wach zu sein, vor allem in diesem hyperaktiven Zustand.

Er brachte, ein paar wichtige Papiere die ich zu nahe am Tischrand gelassen hatte, durcheinander und das führt dazu, dass er auf sie drauf trat und über den Boden rutschte. Ich stand auf um die zerknitterten Seiten aufzuheben und fast sofort drehte er sich zu etwas anderen um.

Nicht – spiel nicht mit dem!“, schimpfte ich kleinlaut.

Es war zu spät. Der Knirps war schon Ellenbogentief in der verwitterten Holztruhe an der linken Wand. Er hatte das Fotobuch hervorgeholt, welches wie ein kleines Haus vor seinen Füßen stand. Daneben meine alte Uniform, dann die Box mit sortiertem Flickwerk und Medaillen.

Das Klappern der winzigen Metallsterne tönte schmerzvoll als Echo in meinen Ohren… mal wieder.

Als ich mich beeilte das neue Durcheinander aufzuräumen, wankte der kleine Kamikaze mit Vollgas durch den Raum, wild plappernd wie es kleine Kinder halt tun. Er schaute mir zu wie ich mit mir rang um zu knien, als er wie verrückt auf das Sitzkissen sprang.

Ich stoppte für einen Moment und betrachtete den wahnsinnigen Blick auf seinem Gesicht. Er schien meine faltige Visage genauso zu mustern, nach einer Reaktion suchend, die er aus mir herauslocken konnte.

Ich hatte das erwartet. Ich sollte das kennen. Ich bin alt genug um sein Großvater zu sein… oder vielleicht in diesen Tagen, Urgroßvater würde eher passen. Ich sollte die Geduld und die Weisheit haben um mit meinem kleinen Quälgeist angemessen umzugehen.

Trotzdem, jede Erscheinung lässt meine Gefühle wirr werden.

Ich bin auf eine Weise dankbar, dass nur der Knirps mein provisorisches Homeoffice betrat. Die große Figur draußen, stirnrunzelnd mich anstarrend war viel Angst erfüllender. Die gigantische Masse aus blankem Fleisch erinnerte mich an einen Sumoringer der auf der Suche nach einer Herausforderung war.

Er hatte noch nie ein Wort gesagt… an keinem Punkt der ganzen Jahrzehnte hab ich ihn einen Ton machen hören. Der einzige Bote seiner Ankunft war das Knacken des Bodens in der Halle.

Er war ein starker Kontrast zu dem wimmernden, brabbelnden Kind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er der Kindesvater war, obwohl es erklären würde, warum die beiden anscheinend die gleiche Natur hatten.

Am Anfang hatte ich mich gewundert wieso sie auftauchen… warum sie mir von Haus zu Haus folgten… wieso sie darauf bestanden mir zu erscheinen und nur mir alleine. Wie auch immer, in meinen Abschlussjahren hatte ich diese Fragen zur Seite geschoben und mich auf das größte Mysterium konzentriert.

Warum glühten die beiden so hell?

Übersetzerin: Ciiscax3




Verfasst 10. August 2014 von Icebird in category "Wesen & Personen

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