September 24

Der verlorene Passagier

Ich warte an der Bushaltestelle, der Regen fällt sachte herab und es wird gerade dunkel. Ich habe den letzten Bus verpasst und jetzt bin ich müde und hungrig, mich nach meinem warmen Bett mit einem heißen Getränk sehnend. Ich war so mit meinen Tagträumen beschäftigt, dass ich die kleine, alte Dame, die neben mir stand, nicht bemerkte. Ich habe sie nicht ankommen sehen, was seltsam war, da ich schon eine Weile lang an der Haltestelle alleine war. Die Kapuze ihres dreckigen Regenmantels ist über ihren Kopf, sie stand mit ihrem gekrümmten Rücken zu mir und umklammerte mit ihren knochigen Händen eine große rote Handtasche.

Die Straße wurde sehr ruhig. Der Regen schlug heftiger herab und die Straßenlaternen fingen an, zu flimmern. Ich schaue mich ungeduldig in der Dunkelheit umher, halte in der menschenleere Umgebung nach dem Zeichen des Buses Ausschau, als ich etwas bemerke, dass mich beunruhigt. Die Fremde hat keine Füße. Anstelle davon waren nur zwei Beine, die in blutigen Bandagen gewickelt waren. Von diesem verstörenden Anblick wurde mir übel und schlecht. Warum lief sie in ihrem schlechten Zustand überhaupt umher? Sie hatte nicht einmal Krücken als Stütze. Es wurde eigenartig. Ich zwang mich dazu, es nicht zu betrachten und studierte den Fahrplan an der Wand im Wartehaus, als sie plötzlich anfing zu sprechen. 

„Hatte sie an dieser langen Strecke verloren.“

Es war ein hohles, krächzendes Geräusch, das sie von sich gab, als sie redete.

„Hatten Sie einen Unfall?“, fragte ich nervös.

„Aye. Dieser Schweinehund hat sie ziemlich gut hingerichtet“, antwortete sie bitterlich, immer noch mit dem Rücken zu mir.

Ich wusste nicht, was ich noch sagen sollte, ich war sprachlos.

Die Straße war an einer düsteren, ländlichen Strecke, am Ende der Stadt. Nicht ein einziges Auto fuhr bisher vorbei, und ich fing an, mich besorgt und nervös zu fühlen. Wo ist dieser Bus? Ich hatte vor, zur nächsten Bushaltestelle zu gehen, um mich zu bewegen, und um von dieser merkwürdigen Dame weg zu sein, doch ich konnte kaum einen Schritt nach vorn gehen, als sie plötzlich wieder sprach.

„Sei ein Schatz und halte meine Tasche.“

„Ähem… klar. Ist sie zu schwer?“, fragte ich, meine Hand in ihre Richtung haltend, um die Tasche zu schnappen.

Dann drehte sie sich zu mir um. Ich war wie gefroren. Eine Welle kalter Angst überkam mich. Ihr Gesicht! Da war kein Gesicht! Nicht mal ansatzweise Gesichtszüge, nur eine große, klaffende Einkerbung. Und doch sprach sie immer noch mit ihrer hohlen Stimme.

„Sei ein Schatz und halte meine Tasche, sei ein Schatz.“

Ihre blutigen Bandagen gaben einen feuchten, zermalmenden Ton von sich, als sie auf mich zukam. Ich fiel nach hinten und schlug hart auf den Boden. Ich versuchte zu schreien, aber alles, was ich hervor brachte, waren abscheuliche, tierähnliche, ursprüngliche Geräusche. In meinem Kopf drehte sich alles, als sie sich immer näher und näher auf mich zubewegte. Ich konnte mich nicht bewegen, ich fühlte mich, als würde mich die Angst auf den Boden pressen, gefangen und hilflos. Dann hatte sie vor, die Tasche zu öffnen, und holte deren Inhalt hervor, um sie meinen ungläubigen Augen zu zeigen.

„Schau! Schau was sie von mir genommen haaaaaaben!“, heulte sie.

Ich sah, was sie von ihr nahmen. Ihre Füße! Verdreht und entstellt, die Knochen gebrochen, die nur noch rote Splitter waren – und ihr Gesicht. Eine zerrissene, entstellte Maske aus abgerissenem Fleisch starrte mich aus der blutigen Tasche direkt an und sie schrie, sie schrie mich an:

„Schau! Schau was sie von mir genommen haaaaaaben!“

Original: http://www.creepypasta.com/the-lost-passenger/


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Verfasst 24. September 2012 von Icebird in category "Eigenartiges & Unbekanntes

3 COMMENTS :

  1. By PeterHans on

    Da ist ein Fehler.
    Es muss fiel heißen und nicht viel.
    Ich viel nach hinten und schlug hart auf den Boden.

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