September 1

Die Campus-Tour

Ich kann nicht beweisen, ob das wahr ist. Niemand hat es geglaubt, dem ich es erzählt hatte, und ich habe wirklich keine Lust mehr, darüber zu reden, um diesen ewigen, endlosen Debatten aus dem Weg zu gehen. Aber ich weiß, was geschehen ist, und ich hoffe, dass du es vielleicht eher verstehen wirst, als andere. Was auch immer, ich kann die Geschichte niederschreiben ohne etwas lächerlich zu machen.

Es war etwas vor eineinhalb Jahren, als ich das College besuchte. Nachdem ich Berge voller Bewerbungen schrieb und unsinnige Hürden überkehren musste, bekam ich endlich die Mitteilung, wo ich angenommen wurde. Meine erste Wahl, die UGA, hatte mich genommen, was großartig war. Doch mich hatte auch ein anderes College genommen – Kennesaw State University. Nun, diese Schule war weitaus weniger angesehen als Tech, aber sie war immer noch eine der größten in Georgia – wie auch immer, ich hatte diesen Ort noch nie besucht. Ich hatte einfach mal die Bewerbung rausgeschickt.

Ich entschied mich, dem Ort wenigstens mal eine Chance zu geben, und entschloss mich sofort, einfach mal den Campus zu besuchen, um eine Meinung zu bilden.

Es war ein regnerischer Tag und der Boden war mit Schlamm bedeckt, der frische Rasen war total durchnässt. Es waren nur ein paar Wenige in der Tour mit dabei, und der Rundgang wurde früher beendet, da es plötzlich anfing heftig zu regnen und donnern. Nicht wirklich zufrieden damit, was ich bisher gesehen hatte, stieg ich einfach aus und wollte es alleine erkunden. Zum Glück hatte ich einen Regenmantel in meinen Wagen, den ich mir umwarf, bevor ich den Campus erkundete. Es donnerte über mir und der Regen fiel kräftig, als ob er mich dabei stoppen würde, weiterzugehen. Aber ich ging weiter, mehr vom Campus zu sehen.

Als ich die Gebäude des kleinen Campus erkundete, bemerkte ich, dass alle geschlossen waren. Es war seltsam – denn es war immer noch Sommer. Sollte der Unterricht nicht noch weitergehen? Auch schien es, als würde keine Studentenschaft existieren. Das war jetzt nicht wirklich so außergewöhnlich – da es kräftig stürmte – aber dennoch. Ich hatte nicht eine einzige Seele gesehen, als sich die Gruppe auflöste.

Endlich erreichte ich auch mal die Studentenwohnheime, hier „University Place“ genannt. Es war eine kleine Ansammlung von Wohnheimen, die Appartements glichen. Schnell fand ich Schutz vor dem miesen Wetter unter einem Überhang.

Dann bemerkte ich, dass eines der Wohnheime geöffnet war. Nur… sehr weit geöffnet. Ich ging darauf zu, versuchte, nicht zu auffällig zu sein, ich wollte nur kurz reinschauen. Niemand war da, obwohl ich einen Fernseher an der Wand aufleuchten sah. Normalerweise würde ich es nicht versuchen und eindringen – aber ich wollte wenigstens mehr vom Inneren des Campus sehen.

Ich ging auf die Türe zu und klopfte an die Wand, fragte nach, ob jemand da sei. Keine Antwort. Ich klopfte erneut, diesmal setzte ich einen Fuß ins Wohnheim. Immer noch keine Antwort. Ich entschied mich, dass es schon keinem schaden würde, wenn ich mich mal kurz drinnen umschauen würde. Ich ging rein, legte den Regenmantel auf den Boden, sowie meine durchnässten Schuhe. Ein drittes Mal fragte ich nach, ob jemand da sein, als ich in das Wohnzimmer ging, vergeblich.

Ich schaute rüber zum Fernseher, der nur statisch war. Kein Geräusch, nichts. Ich ging hinüber und schaltete ihn ab, als ich bemerkte, dass der Raum leer war, dennoch gab es Zeichen von Leben. Eine offene Pizzaschachtel, in der immer noch ein paar Reste drin waren, auch wenn bereits Fliegen umherschwirrten, wohl schon seit Tagen. Als ich durch den Raum lief, bemerkte ich einen Geruch in meiner Nase, der widerlich war. Es roch wie verottenes Fleisch.

Ein Teil von mir sagte, ich solle sofort verschwinden, aber der andere Teil lief instinktiv weiter. Ich folgte dem Geruch, der aus der Küche kam. Ich kam ihm immer näher, er wurde immer schärfer, je näher ich kam.

Ich erreichte den Abfluss und sah es – verottenes Fleisch. Maden waren drin, die sich in dem Fleisch suhlten. Es war ekelhaft und verstörend. Ich musste mich von dem Gestank und Anblick fast übergeben, als ich mich schnell umdrehte und die Küche verließ, um zu sehen, dass der Fernseher wieder an war. Das hatte mich gegruselt. Ich hatte ihn wieder ausgeschaltet und auch von der Steckdose ausgesteckt.

Ich dachte, es wäre wohl eine gute Zeit, jetzt zu verschwinden und ging auf die noch immer offene Türe zu. Dann hörte ich es – einen Schlag. Ich sprang von dem Geräusch fast auf, aber ich versuchte mich zu beherrschen. Es kam aus dem Raum neben der Haustüre, mit der Anschrift „A“.

Nun, ich hatte genug Horrorfilme gesehen um zu wissen, nicht in den Raum zu gehen. Man rennt von Geräuschen weg. Das hatte ich getan. Ich ging direkt auf die Türe zu, griff meinen Mantel und die Schuhe, bereit zu gehen.

Plötzlich schlug sich die Türe von selbst direkt vor mir zu. Ich wäre von der überraschenden Bewegung der Türe fast hingefallen, und schlurfte langsam zurück. Ich starrte voller Angst die Türe an, herausfindend, was gerade geschehen war. Ich taumelte nach vorne und versuchte, den Türknauf zu drehen, hoffnungslos. Es war, als sei die Türe von der anderen Seite abgeschlossen worden. Ich schlug dagegen, weinte, schrie nach Hilfe und holte mein Handy hervor, um jemandem um Hilfe zu bitten, als ich bemerkte, dass es so gut wie keinen Empfang gab. Fantastisch.

Schlussendlich gab ich auf, und versuchte im Raum einen anderen Weg zu finden. Ich bemerkte dann, dass die Wohnheime Fenster hatten, die ich als Fluchtweg nutzen konnte. Ich spürte, wie mein Herz immer heftiger schlug, als ich zum Entschluss kam, dass hier irgendwas falsch laufe. War das alles nur ein schlechter Scherz? Versuchte mich jemand in den Wahnsinn zu treiben? Falls so, hätte er sein Ziel erreicht.

Dann hörte ich einen weiteren Schlag. Diesmal viel lauter. Er kam wieder von diesem Raum. Auch wenn ich dem Raum auf keinen Fall näher kommen wollte, musste etwas darin sein. Ich stand auf und ging direkt auf den Raum zu, als ich sofort bemerkte, dass der Fernseher wieder an war. Der Bildschirm war wieder statisch, obwohl er nicht mal angeschlossen war.

Ich ignorierte es. Alles was ich wollte, war sofort hier rauskommen. Ich klopfe wieder an die Türe, und wartete. Keine Antwort. Ich klopfe erneut. Keine Antwort. Ich fragte, ob jemand da sein. Nichts. Ich packte den Knauf und drehte ihn um, spürte, wie sich die Türe zu Raum „A“ langsam öffnete.

Der Raum war dunkel, und das stürmische Wetter draußen machte es unmöglich, etwas zu sein, außer vage Umrandungen von Möbeln. Ein Bett und ein Schreibtisch, mit ein paar Knicks-Knacks. Ich rief ins Leere, um herauszufinden, ob jemand da sei, erneut ohne Antwort. Ich klickte den Lichtschalter, doch nichts geschah.

Ich stolperte in den Raum, direkt auf das Fenster zu. Es war mein Ticket in die Freiheit, die Flucht, und ich hatte an nichts anderes in diesem Moment gedacht.

Als sich plötzlich die Decken auf dem Bett bewegten. Ich sprang auf, lehnte mich gegen die Wand. „Hallo?“, rief ich. Nichts. „Bist du okay?“, fragte ich, da ich den Bewohner dieses Raumes erwartete. Wieder, nichts. Ich ging vorsichtig auf das Bett zu, griff nach der Decke, bereit, sie hochzuziehen.

Langsam zog ich die Decke hoch und lehnte mich vor das aufgedeckte Etwas hervor, das unter der Decke war. Was ich sah, brachte mich beinahe zum Kotzen – es war ein Mann, kaum älter als ich, seine Augen und sein Mund waren zugenäht, überall war verkrustetes, trockenes Blut. Er war nackt und hatte ein seltsames Symbol auf seiner Brust, das von Blut umrandet war. Ich starrte ihn an, immer noch nicht bewusst, was ich eigentlich sah. Dann bewegte sich sein Kopf, direkt zu mir. Er gab ein kurzes Stöhnen von sich, was mein Blut zum Gefrieren brachte, es lief mir eiskalt den Rücken runter.

Sofort drehte ich mich um und rannte zum Fenster. Ich öffnete das Schloss, drückte so fest ich konnte, als ein quietschendes Geräusch von der Bewegung des Fensters ertönte. Mir schoss kalte Briese ins Gesicht. Es machte mir nichts aus, ich wollte hier einfach nur raus.

Ich ließ das Fenster offen, es regnete direkt hinein, und ich stieg hinaus in die Welt. Ich hastete schnell in einen Busch, schaute mich umher, dass das Ding mich nicht folgen würde. Seltsam genug, war niemand mehr im Bett. Es war leer – aber es interessierte mich kein bisschen. Ich rannte. Und rannte pausenlos weiter. Ich erreichte mein Auto, stieg ein, und fuhr weg.

Ich habe immer noch Albträume darüber. Ich habe keine Ahnung, was dort geschehen war, und ich möchte mir auch gar keine Gedanken darüber machen. Alles was ich weiß, ist, dass ich niemals wieder zurückkehren werde. Um ehrlich zu sein, wollte ich in kein College mehr gehen danach. Es klingt dumm, aber das war eine Erfahrung, die ich nie wieder vergessen werde. Ich dachte, es würde mich befreien, wenn ich es einfach niederschreibe und der Welt erzähle, aber nachdem ich durch das alles gegangen bin, hatte es überhaupt nichts gebracht. Ich habe immer noch verdammt Angst davor.

Original: http://www.creepypasta.com/the-campus-tour/


Schlagwörter: , , , , ,

Verfasst 1. September 2012 von Icebird in category "Ortschaften & Gebiete

4 COMMENTS :

  1. By Ctac on

    Wie du schon gesagt hast, ist es schwer zu glauben, aber ich tu´s. Dennoch erscheint es mir glabhaft und es klingt stark nach dämonischen Machenschaften, ob es ein Dämon oder Geist oder Ritual war ist irrelevant. Es gibt nur eins was du tun kannst: glaube an gott und bete….

    Antworten
    1. By Paula on

      Wenn man mal drüber nachdenkt könnte die ganze Sache mit Gott und der Religion auch eine Creepypasta sein.

      Antworten
      1. By silvarrior on

        Da hast du recht. Vllt gibt es ihn, aber wenn wir sterben sind wir es nicht bewusst und durchleben ein neues leben in einer art anderen welt

        Antworten