November 30

Die Puppe

Ich denke, es ist eine Marionette. Es hatte einen grossen Kopf mit einem faltigen Gesicht und fleischfarbenem Gummi. Die Augen waren riesig, pralle weisse Kugeln mit roten Pupillen. Das Haar war schwarz, hergestellt aus einer harten Substanz, welches nicht zur Haut der Puppe passte. Und die Zähne waren gigantisch, pures weiss und sie waren in der Lage, sich auf und ab zu bewegen. Der Körper und die Gliedmassen waren aus Holz, bemalt, es sollte wie Kleidungsstücke aussehen aber die Farbe ging an einigen Stellen schon ab. So konnte man das naturbraune Holz schon an einigen Enden sehen. Beide Arme und Beine waren verschieden lang aber die Hände und Füsse waren ziemlich detailliert. Es machte einen lauten, klappernden Ton, wenn es sich bewegte. Diese Puppe… folgte mir. Versteh mich nicht falsch, dieses Dingt steht nicht auf und läuft mir hinterher. Ich würde eher sagen, es taucht immer wieder in meinem Leben auf. Das kann kein Zufall sein.

Die früheste Erinnerung an sie ist von meinem ersten Geburtstag. Natürlich kann ich mich nicht an die Details von diesem Tag erinnern aber das Gesicht dieser Puppe kann man auch nach 19 Jahren nicht vergessen. Ich kann mich nicht erinnern wieso sie dort war. War es ein Geschenk? Oder war die Marionette schon vor meiner Geburt im Besitz meiner Eltern? Ich weiss nur, dass sie mich zu Tode erschrak und ich nicht aufhören konnte zu weinen. Als ich mit etwa vier Jahren in der Lage war zu reden, fragte ich meine Eltern über die Puppe aus. Sie sagten jedoch, dass sie sich an keine Puppe erinnern konnten, welche an meinem Geburtstag im Raum war. Sie sagten auch, dass ich mich an diesem Tag vor nichts erschrak, geschweige denn geweint habe.

Das nächste Mal, als ich die Puppe sah, war ich etwa sieben. Ich erforschte gerade ein Zimmer mit alten Sachen meiner Eltern, welche sich halt über die Jahre ansammelten. Da fand ich ein altes Jahrbuch, jedoch erinnere ich mich nicht mehr an das Jahr des Kalenders. Es gab ein Foto für jeden Monat, aber das einzige, an das ich mich erinnern kann, war das Bild vom Oktober. Das Bild für diesen Monat war…die Puppe. Ich bekam Angst und rannte aus dem Zimmer. Gleich darauf erzählte ich meiner Mutter von dem Bild und wollte es ihr auf dem Kalender zeigen, so dass sie weiss, über welche Puppe ich mit vier geredet hatte und dass sie wirklich existiert. Zusammen liefen wir in das chaotische Zimmer, aber der Kalender war weg.

Es war mitten in den Sommerferien und ich war gerade neun geworden, als es wieder passierte. Ich wachte mitten in der Nacht aus einem Alptraum auf. Leider kann ich mich nicht mehr an den Traum erinnern. Ich war zu verängstigt um wieder einzuschlafen, also ging ich ins Wohnzimmer und schaltete den Fernseher ein. Eine alte schwarz-weiss Sendung auf Nick ging geradezu ende und als die Werbung begann, sah ich die Marionette. Sie tanzte, während laute Musik gespielt wurde. Ich schrie und weinte hemmungslos. Als meine Eltern vom Erdgeschoss hoch rannten, war die Puppe jedoch schon wieder verschwunden. Wie konnte es auch anders sein.

Mit zwanzig Jahren, als ich gerade durch die Stadt schlenderte, kam ich an einem alten Spielwarengeschäft vorbei. Im Schaufenster waren viele Spielzeugautos und Puppen. Ich erschrak, als ich links in der Ecke DIE Puppe sah. Ohne zu zögern ging ich in das Geschäft und fragte den Kassierer, ob er etwas über die Geschichte der Puppe, woher sie kam oder wer sie gemacht hatte wusste. Leider wusste er nichts der Gleichen. Die Puppe wurde ihm vor einigen Tagen verkauft und ich könne sie für 6 Euro haben. Ich war mir nicht sicher was ich tun sollte, zum einen hatte ich immer noch eine grosse Angst vor ihr aber der Gedanke endlich beweisen zu können, dass die Marionette wirklich existiert, schien mir eine gute Idee. Also kaufte ich die Puppe und nahm sie mit nach Hause.

Für eine Weile fühlte ich mich besser, ich sah die Puppe als eine Kindheitsangst, welche ich nun als Erwachsener überwinden musste. Ich fing sogar an, die Erklärungen meiner Eltern zu glauben. (Ich hätte die Puppe als Baby irgendwo anders gesehen, stellte mir den Kalender nur vor und den TV-Auftritt hätte ich nur geträumt.)

Nach diesem Tag hatte ich die Puppe beinahe vergessen. Ich beendete mein College, heiratete und meine Frau sollte in ein paar Wochen unser Kind gebären. Meine Frau war gerade im Spital und wurde untersucht. Ich putzte in dieser Zeit den Raum, im dem unser Kind schlafen sollte. Als ich die Puppe fand. Staubig und verlassen. Ich wollte nicht, dass mein Kind dieses Monster zu Gesicht kriegt und beschloss, dass die Puppe genauso gut an einem anderen Ort Staub ansammeln konnte. Jedoch hatte ich ein wenig Mitleid mit meinem „alten Freund“ und wischte den gröbsten Staub aus seinem Gummigesicht und seiner Kleidung. Als ich mit dem Entstauben fertig war, bemerkte ich eine verblasste Inschrift auf der Rückseite: „So wird er später aussehen.“ Bevor ich überhaupt herausfinden konnte, was es zu bedeuten hatte, klingelte das Telefon. Ich nahm ab und hörte die weinende Stimme meiner Frau. So wie ich sie noch nie zuvor gehört habe. Schluchzend erzählte sie mir, dass sie hörte wie der Arzt mit der Krankenschwester geredet habe. Es gäbe ein Problem mit dem Baby…

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Übersetzer: JackHill

Original: http://creepypasta.wikia.com/wiki/The_Puppet

Vertonung von Blub248: http://www.youtube.com/watch?v=eZDajozhgyA




Verfasst 30. November 2012 von Icebird in category "Artefakte & Objekte

6 COMMENTS :

  1. By DarkManic on

    ..ich werde auch schon…seit meiner Kindheit von jemanden verfolgt…meine Schwester und ich..nennen sie „Mama“…sie ist verheiratet…mit jemanden denn wir…“Papa“ nennen..

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  2. By Hikari17 on

    Diese Pasta fand ich echt gut. Ich mag es, wenn Leute von eigentlich unbeweglichen Dingen verfolgt werden.

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