September 26

Freunde fürs Leben

Warum suchst du mich immer noch auf? Du kannst mich nicht finden, wenn ich es nicht möchte. Ich bin die Nacht… und schon weißt du, dass ich hier bin. Ich sehe dich, wie du dich schüttelst, während ich den Raum durchquere. Du zuckst, wenn ich unter dein Bett krieche. Du kannst mich spüren. Spürst du meinen Atem an deinem Nacken? Bemerkst du meine Nägel an deinem Fleisch? Treffen sich unsere Augen im Herzen der Dunkelheit? Ja, du weißt, dass ich hier bin. Ich war schon immer dort. Die Dinge waren anders, als du noch jünger warst, deine kleinen Augen konnten mich sehen. Du würdest schreien und auf mich zeigen, dich hinter eine Kiste verstecken. Du würdest weiter schreien und deine Mutter würde dich hochheben. Es war nur so, wenn sie den Lichtschalter betätigte und Licht in deine armselige Welt brachte, würde ich verschwinden. Aber das war kein Problem, denn sie würde wieder gehen, sie ging immer. Und dann würde ich zurückkehren. Du hast schnell gelernt, dein Geplärre hatte mich nicht verjagt. Du entschiedst dich, mich zu ignorieren, so zu tun, als wäre ich nicht da. Selbst als meine fettigen Haare über dein Gesicht hingen und mein Atem durch deine Ohren raste, hast du mich immer ignoriert. Du wurdest darin wirklich gut. 

Ich versuchte, selbstverständlich, auf mich Aufmerksam zu machen. Kleine Dinge zuerst: Ein verlegter Schuh, Spielzeug rollt über den Boden, ein offenes Fenster. Aber das konntest du locker ignorieren, zu einfach, um eine Erklärung dafür zu finden. Erinnerst du dich an Fluff? Diese übelriechende Kreatur, die du so sehr liebtest? Die eine, bei der deine Mutter sagte, sie wäre davon gerannt? Ich versichere dir, es war in keiner guten Verfassung, um wegrennen zu können, als ich mit ihr fertig war. Erinnerst du dich an Klein Stacey? Das kostbare Kind, das seine Süßigkeiten mit dir teilte? Du hattest immer Acht auf sie gegeben, du hattest sie nie ignoriert. Ich hasste sie, schade um den Unfall. Wie unglücklich für ein naives Kind, Opfer eines tollwütigen Hundes zu werden. Wie ich lachen musste, als ich deine Mutter dies sagen hörte. Ein tollwütiger Hund! Ihr Gesicht war total entstellt, erinnerst du dich? Ich war davon total mitgerissen, der Geschmack des Blutes, der schrille Schrei in meinen Ohren, es überwältigte mich. Aber du ignoriertest mich immer noch.

Danach wurdest du noch mehr verschlossener, hattest Stunden an deinem Computer verbracht, dich in deinem Zimmer verschlossen. Am Anfang war es großartig, wir waren uns näher als je zuvor. Du warst bis spät in der Nacht wach und hattest über deine Schulter geschaut, als du im Internet surftest, nach Informationen suchend, wie du am besten dein erbärmliches Leben beenden könntest. Du hattest es sogar einmal versucht, aber der Strick brach durch, weißt du noch? Nun, ich konnte dich nicht einfach so gehen lassen. Ich konnte dich mich nicht einfach ignorieren lassen. Ich werde entscheiden, wann es Zeit ist, zu gehen; du nimmst dir deinen Leben erst, wenn ich das sage.

So einiges hatte sich in der letzten Zeit geändert. Natürlich, du hast einen Job bekommen, du bist ausgezogen, aber ich folgte dir. Du sitzt immer noch jede Nacht vor diesem Bildschirm, deine Zeit totschlagend, deine Sinne betäuben, dass du endlich einschlafen kannst, ohne an diesen Momenten zwischen dem Bewusstsein und des Schlafes zu leiden. Diese Momente, in denen du mir einen flüchtigen Blick zuwirfst, als du das Schimmern meiner Augen siehst und den Schauer im Zimmer spürst. Wie ich diese Momente liebe. Du hast mich vergessen, und doch weißt du, dass ich da bin. Doch wenn die Dunkelheit schwindet, gehe ich mit dir, da ich die Dunkelheit bin. Ich bin die Dunkelheit in deiner Seele.

Ich werde niemals gehen, jedenfalls nicht alleine. Oh, und eines Nachts wirst du mich sehen, in all meiner grauenhaften, majestätischen Vollkommenheit, da ich die letzte Sache sein werde, die du sehen wirst.

Original: http://www.creepypasta.com/friends-forever/


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Verfasst 26. September 2012 von Icebird in category "Wesen & Personen

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