November 20

Geh‘ nicht ins Erdgeschoss

Weißt du Mutter, ich erinnere mich jetzt wie alles begann.

Es war kurz nachdem wir in unser neues Haus gezogen sind. Wie alt war ich da? Vier, vielleicht Fünf? Ich war so jung. So unschuldig. So ahnungslos.

Das neue Haus war sehr schön, Mutter. Erringest du dich wie ich immer von Raum zu Raum gerannt bin? Du hast immer so gelacht als du dich an die Zeit erinnert hast. Wir waren so glücklich. Wir alle.

Das Haus war so groß, viel größer als unser altes Haus. Dieses hatte sogar zwei Stockwerke. Im Ersten Stock hatten wir das Wohnzimmer und die vier Schlafzimmer: Das von Judy, Vater, deins und am Ende des Flurs, meins.

Erinnerst du dich was ich immer über das Erdgeschoss gesagt habe? Ich habe dir immer gesagt, dass du nicht in das Erdgeschoss gehen sollst. Du würdest es verscheuchen. Du würdest alle meine Ängste wegspülen. Du wirst dich nicht mal daran erinnern, dass ich es dir erzählt habe.

Aber ich erinnere mich. Ich kann es nie vergessen. 

Es fing damit an, dass manchmal alleine nach unten gegangen bin. Wenn ich alleine nach unten gegangen bin um etwas zu holen, sah ich manchmal, dass sich etwas bewegte. Kleine, schwarze Sachen. In den Ecken, auf dem Fernseher, im Flur, in der Waschküche, überall! Sie bewegten sich in und aus meinem Blickfeld heraus. Das verursachte, dass ich in den wenig erleuchteten Raum gestürmt bin und dann gleich die Treppe hochgerannt bin. Ich erinnere mich, dass Judy einmal dazu gesagt hat: „Oh, Kelsi hat wieder Angst!“.

Ich hatte Angst vor diesen Dingern, Mutter. Ich hatte so große Angst. Wenn du mich alleine runter in die Dunkelheit geschickt hast, habe ich mich immer um mein Leben gefürchtet. Ich wusste nie was passieren würde wenn ich da unten bin. Irgendwann war ich soweit, dass ich nirgendwo mehr hingehen konnte, ohne dass das Licht an war. Ein Lichtschalter würde immer umgelegt werden bevor ich in einen Raum gehen würde und dann würde ich angsterfüllt nach oben stürmen. Aber ich wollte auch, dass niemand weiß, dass ich so große Angst hatte. Ich versteckte meine Angst so gut ich konnte. Bis ich erkannte, dass das nicht das schlimmste war.

Es hat nicht lange gedauert, bis ich sie nicht nur sah, sondern sie auch noch hören konnte. Sie flüsterten leise. Verspotteten mich. Kicherten. Bewegente Objekte im Keller. Diese leisen Geräusche habe für euch nichts bedeutet. Ihr konntet den Tönen den Rücken zukehren. Ihr habt die Augen gegenüber diesem unbekannten geschlossen.

Ich erinnere mich an dieses eine Mal; du fandst ein Taschentuch unter deinem Bett, was auf dich gewartet hat. Du hast gelacht. Dieses Taschentuch gehörte keinem von uns. Es hat einfach dort auf dich gewartet, wie eine Warnung. Aber du bedanktest dich bei den Dingern für ihr nettes Geschenk, du hast sie verspottet, einen Witz daraus gemacht. Mutter, warum hat keiner von euch mich angehört, als ich gesagt habe ihr sollt aufhören?

Als ich dann Acht war, waren diese Stimmen ein fester Bestandteil der Geräuschkulisse diese Hauses. Ich konnte jetzt auch jedes Wort, was sie sagten, verstehen. Diese Kreaturen, ich nannte sie Flüsterer, redeten über alles. Sie redeten über neue Dinge wie sie uns belästigen könnten. Wie sehr wir sie amüsieren würden. Wie sie am besten die Familie die in diesem Haus lebt verletzen können. Aber ich habe von dir gelernt diese Dinge hinter mir zu lassen, sie zu ignorieren.

Ich wurde immer härter. Ich erinnere mich an eine Nacht, da lag ich in meinem Bett, ich hörte, dass die Tür quietschte. Ich konnte diese Nacht nicht gut schlafen, weil mich diese stimmen wach hielten.  Aber bis jetzt haben die Flüsterer noch nie ein Objekt so offensichtlich bewegt. Sie wussten, dass ich wach bin und sie wussten wie sie mich am besten erschrecken konnten. Laute Geräusche kamen aus der Küche und um mich zu schützen habe ich mir die Decke über den Kopf gezogen. Ich wollte nach dir um Hilfe rufen, Mutter, aber ich wollte dich da nicht mit hineinziehen.

Ich hörte eine jaulen aus der Küche. Es war leise genug, sodass keiner aufgeweckt werden würde. Ich weiß, wenn du das hier liest Mutter, wirst du mir sagen wie Dumm ich bin, aber ich wollte sehen was da in der Küche war. Ich wollte Wissen welche Bosheit meine Familie belästigte.

Der Flur fühlte sich, für eine warme Sommernacht, sehr kühl an. Das Licht, welches bereits an war, vermochte es kaum diesen Augenblick weniger schlimm für mich zu machen. Meine Füße durchbrachen die Stille, obwohl ich mich bemüht hatte so gut wie ich konnte zu schleichen. Ich hatte solche Angst, dass mein Angstschweiß meine Klamotten an meinen Körper klebte.

Mutter, ich will dir keine Angst machen, deshalb beschreibe ich dir nicht alles was in der Küche war. In der Küche befand sich eine Kreatur, so um die 60cm groß, welches direkt vor mir stand. Es war Pechschwarz und hatte gelblich schimmernde Augen. Das ist die einzige Möglichkeit, wie ich dir diese Kreatur beschreiben kann, Mutter. Ich roch eine Mixtur aus Speiseöl und dem Zeug was sie immer in die Risse der Straße gießen. Es machte Geräusche wie ein konstant loderndes Feuer und immer diese Geflüster. Diese Kreatur machte mir Angst Mutter. Es verkörperte Angst. Es pflanzte ein Teil in meine Seele, ein Teil welches mich Kalt werden und in der Dunkelheit kauern ließ.

Während ich es beobachtete, starrte es mich nieder und öffnete seinen Mund, welcher zuerst unsichtbar war. Sein Mund war einfach ein Loch, voller rasiermesserscharfen Zähne. Es lachte nur, als ich wegen diesem puren Horrors keuchte. So schnell sich sein Mund öffnete, so schnell schloss er sich wieder, und er sah zu seiner rechten. Ich hatte sie nicht bemerkt, Mutter. Ich hatte Dino nicht bemerkt.

Dino, unser arme Hund, lag direkt in der Mitte der Küche. Direkt unter der Arbeitsplatte. Ein großes Fleischermesser steckte zwischen zwei ihrer Rippen. Dino winselte ein letztes Mal und holte das letzte Mal Luft, bis sie dann einen qualvollen Tod starb.

Ich wusste nicht was ich tun sollte, Mutter. Ich hatte keine Kontrolle mehr über meinen Körper. Ich weinte. Nein, ich schreite während Tränen aus meinen Augen ausflossen. Ich wusste nicht was ich sonst tun sollte, Mutter. Ich konnte mir nicht helfen.

Dann höhte ich sie wieder aus dem Flur. Judys und deine Tür standen offen. Oh Gott, Mutter. Ich hatte solche Panik. Ohne nachzudenken, rannte ich in Judys Zimmer.

Judy war tot, Mutter. Ich fand sie verstümmelt auf ihrem Bett. Ich weiß, Mutter, du willst nicht hören wie deine Tochter getötet wurde, lass uns nur übereinstimmen, dass sie keine Chance hatte.

Ich hatte keine Zeit zu trauern. Ich musste nach Vater sehen. Komischerweise, war das Licht in deinem Zimmer an, sodass ich nicht mal reingehen musste um zu sehen, dass er am Boden lag. Und zwar auf eine abstoßende, verstörende weise. Zwei Buttermesser steckten in seinem Nacken, Mutter. Ich wusste nicht wie das möglich war.

Du warst nicht in dem Raum. Du warst nicht da. Wieso warst du nicht in dem Raum? Hast du sie gehört, die Schritte? Hast du wirklich geglaubt in das Erdgeschoss zu rennen wäre eine gute Idee?

Ich wusste sofort, dass du in den Keller gerannt bist um Schutz vor der Bosheit zu suchen. Ich rannte runter und hoffte das Böse mit dir zu zerschlagen.

Ich fand dich im Familienzimmer, Mutter. Das Licht war aus. Ich fand dich vor dem Fernseher. Du hattest Wunden am Kopf und an deinen Beinen. Du hast so viel Blut verloren. Als du mich sahst hast du geschrien. Du hast so laut geschrien. Ich verstand es nicht.

Dann sah ich sie. Die Flüsterer haben mich zu dir geprügelt. Und sie sangen.

Töte sie. Töte sie. Wir müssen sie töten. Wir müssen sie töten. Töte sie. Töte sie.

Sie haben zu mir gesungen, Mutter. Sie haben mir gesagt ich soll dich töten. Sie sagten mir, dass du sterben musst.

Dann schaute ich auf meine Hände.

Sie waren in Blut gehüllt, Mutter. Blut war an meinem neuen Nachthemd. Blut rannte meine Arme hinunter. Ich hielt ein Messer, ein Messer aus der Küche.

Als ich zurücksah, waren die Flüsterer weg, und es waren nur noch wir beide da.

Ich machte das Licht wieder an und lächelte. Du hast wieder geschrien.

Ich sagte dir doch, geh nicht in das Erdgeschoss, Mutter. Wieso hörst du nie auf mich?

Ende?

Übersetzer: raykaytwo

Original: http://www.creepypasta.com/dont-go-into-the-basement/


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Verfasst 20. November 2012 von Icebird in category "Wesen & Personen

10 COMMENTS :

  1. By Berry on

    Einer meiner Favoriten!! *-*
    Hab sie selbst vertont… und das macht einfach Spaß :D

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