August 24

Lavandia City Desaster

Es war der 28. September 1998. Der Tag, an dem Pokémon Rot in Nordamerika veröffentlicht wurde.  Nachdem ich es in der Werbung gesehen hatte, war ich verrückt danach, es endlich spielen zu dürfen. Ich war in der sechsten Klasse zu dieser Zeit. Meine Mutter gab mir ein kleines Päckchen mit einem Bild von Glurak darauf. Pokémon Rote Edition! Endlich hatte ich es! Ich hatte das gesamte Spiel in einer Woche durchgespielt! Ich flehte meine Mutter an, mir die blaue Edition zu kaufen, was sie schlussendlich dann auch tat. Als ich dann beide Spiele durch hatte, hatte ich Pokémon für eine Weile nicht mehr beachtet, aber ich schaute immer noch die Serie. Am 31. Oktober, Halloween, übernachtete eine Freundin von mir, Alicia, bei mir, nachdem wir auf der Straße nach Süßem oder Saures gefragt hatten. Meine Eltern gingen auf eine Halloweenparty und trauten uns zu, nichts Unüberlegtes anzustellen. Ich hatte keine Geschwister. Natürlich hatten wir Unsinn getrieben! Wir waren am Computer, schauten für 2 Stunden TV (normalerweise durfte ich immer nur 1 ½ Stunden schauen), riefen Jungs an, die wir mochten, und aßen all unsere Halloweensüßigkeiten auf. Um etwa 1 Uhr Nacht holte ich meinen Game Boy hervor, da mir etwas einfiel. 

„Hey Alicia, möchtest du ein gruseliges Lied hören?“

„Ähem, ja! Es ist Halloween, warum kommen wir nicht in Stimmung!“ Sie lachte ein bisschen und schnappte sich die Kopfhörer, die ich ihr reichte.

„Einen Moment…“, sagte ich, als ich Fliegen von meinem Glurak einsetzte. Natürlich plante ich, nach Lavandia City zu gehen. Ich hatte eines der Module, auf dem noch die originale Lavandia City Musik vorhanden war. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nichts gewusst, ich fand die Musik einfach nur gruselig und cool. „Okay“, sagte ich. „Steck sie rein.“

Alicia steckte die Kopfhörer ein und saß für eine Sekunde unglaublich still da. Ihre Augen weiteten sich so aus, dass sie nur noch schwarze Murmeln waren, mit einem blauen Stich. Ihre Hände verkrampften sich. Sie ließ den Game Boy fallen, brach zusammen, und es begann, aus ihren Mund zu schäumen. Meine beste Freundin war am Sterben! Und nur alles wegen mir! Sie schüttelte sich extrem, als der Schaum aus ihrem Mund tropfte, dann beruhigte sie sich und wurde still, ihre Augen weit geöffnet. Ich packte ihre Schultern und schüttelte sie. Ich steckte die Kopfhörer in meine Ohren und es klang wie sonst. Ich warf das Spiel zur Seite und rannte in die Küche. Ich schnappte mir ein großes Glas Wasser und schüttete es über Alicia. „Wach auf! Wach auf! Ich hab es nicht so gemeint!“ Ich versuchte eine Herz-Lungen-Reanimation, wie sie unsere Schulkrankenschwestern uns beibrachten, aber es funktionierte nicht. Ich legte sie aufs Bett und umarmte sie vorsichtig. „Es tut mir so leid, Alicia! Ich wollte dich nicht umbringen! Ich weiß nicht, was passiert ist!“. Ich schluchzte lauter, als es ich es je zuvor getan hatte.

Ich schnappte das Telefon auf meinen Schreibtisch und wählte die Polizei.

„911, wie lautet Ihr Notfall?“

„Meine Freundin hatte gerade einen Anfall! Sie hörte sich ein gruseliges Lied an und brach plötzlich zusammen. Es war meine Schuld, ich hab gesagt, sie sollte es sich anhören! Meine Eltern sind gerade nicht zu Hause und ich weiß nicht, was ich tun soll! Ich glaube, sie ist tot!“. Ich schluchzte laut in das Telefon.

„Alles klar, Süße, ganz ruhig. Kannst du mir sagen, ob sie einen Puls hat?“. Ich legte das Telefon zur Seite und überprüfte es.

„Ja, ein wenig! Aber es ist sehr schwach! Mein Name ist Marissa Shepperd und meine Freundin ist Alicia McKnight!“

„Kannst du mir deine Adresse sagen? Wir müssen einen Krankenwagen hinschicken.“

Ich gab ihnen meine Adresse und ein paar Minuten später traf der Krankenwagen ein. Sie legten Alicia auf eine Trage und trugen sie in den Wagen. „Kann ich mit ihr gehen?“

„Ja, spring rein, wir müssen gehen. Und nimm das Spiel mit, das sie sich anhörte, ich möchte es mir mal anschauen.“ Ich schnappte mir meinen Game Boy und sprang in den Krankenwagen.

Sie benutzten einen Defibrillator um Alicia aufzuwecken. „Ich glaube, sie ist im Koma“, hatte der Rettungssanitäter gesagt.  Ich wollte mich dafür selbst umbringen, das war alles meine Schuld!

Als wir im Krankenhaus ankamen, brachten sie Alicia schnell rein und wir riefen meine Eltern an. Ein paar Minuten später kamen sie an. „Es tut mir leid! Es tut mir leid! Ich wollte es nicht. Ich würde nie…“

„Schon gut, Marissa. Wir glauben dir.“

Eine Stunde später kam ein Arzt ins Wartezimmer, meinen Game Boy in der Hand haltend. „Es tut mir leid, aber deiner Freundin geht es nicht sehr gut. Ich habe einem Tonspezialisten das Musikstück gezeigt, und er meinte, es sei anders, als das, war er normal hörte. Er sagte, das die Möglichkeit bestehe, dass bestimmte Frequenzen in dem Stück den Anfall bei deiner Freundin auslösten.“

Wir gingen nach Hause, und das erste, das ich tat, war, meinen Game Boy in den Müll zu schmeißen. Ich wollte ihn nie wieder sehen. Am nächsten Tag erhielten wir einen Anruf, dass Alicia verstorben war. Wir besuchten ihre Eltern und sie sagten mir, dass sie mich niemals für das verantwortlich machen würden. Alicias Bestattung fand im November statt, an dem Ort, wo ihre Eltern geheiratet hatten.

Natürlich ging mein Schulleben den Bach herunter. Kinder beschuldigten mich für ihren Tod und meine Noten wurden immer schlechter, weil ich die ganze Zeit gestresst war. Die Schule gab mir zwei Wochen nach ihrem Tod Ruhe, um mich zu erholen, aber sie halfen nicht. Der Tag, an dem der Müll geleert wurde,  rannte ich schnell nach draußen, und holte den Game Boy aus der Tonne. Ich säuberte ihn und saß mit ihm auf meinem Bett. Ich fing an, das Lied anzuhören. Es klang immer noch wie damals. Aber etwas… unheimlicher. Es hat den Tod meiner besten Freundin ausgelöst. Ich warf das Spiel auf den Boden und ging in die Küche. Ich fand das schärfste Messer und fing an, mein Handgelenk aufzuritzen. Blut floss über mein Gelenk und tropfte an meinen Fingern herab. Es tat weh, sehr weh sogar. Ich wusste, dass ich es verdiente. Ich hatte meine beste Freundin getötet. Ich schnitt weiter tiefer und tiefer bis ich merkte, dass es zu Ende war. Dann dachte ich: „Was mache ich da?“ Ich spülte die Wunden aus, wusch das Messer, reinigte dem blutverschmierten Boden und deckte die Wunde mit Gewebe ab. Ich würde meiner Mutter erklären, was geschehen war. Ich konnte nicht in mein Zimmer zurück, nachdem ich an den Anfall von Alicia gedacht hatte. Ich legte mich in das Bett vom Gästezimmer und fing an zu weinen. Ich war ein Schwein. Langsam ging ich in die Küche und schnappte mir das Telefon. Ich wählte die Nummer der Schulpsychologin, die mir meine Schule gab.

„Hier ist Kelly Christiansen, wie kann ich dir helfen?“

„Hallo, Kelly. Hier ist Marissa.“

„Oh, Marissa! Wie geht es dir? So viele Gerüchte machen in der Schule die Runde… dass du versucht hättest, Alicia zu töten. Das ist schrecklich.“

Ich brach in Tränen aus. „Mir geht es überhaupt nicht gut! Ich habe an Alicia gedacht und dann habe ich das Lied gehört und dann… habe ich mich selbst verletzt.“

„Oh mein… hör mir zu, Marissa. Ich komme jetzt zu dir. Bleib wo du bist, binde dich an einen Stuhl oder so etwas.“

Als Kelly in mein Haus kam, stand ich am Waschbecken mit einem Glas Wasser und Schmerzmittel.

„Oh mein Gott! Du nimmst die doch nicht, um high zu werden, oder?“

„Natürlich nicht. Meine Wunde tut nur verdammt weh.“

„Lass mich mal schauen.“ Ich wickelte das Gewebe ab und sie zuckte zusammen. „Marissa! Du hättest dich töten können!“

„Das hatte ich auch vor.“

„Oh, Marissa.“. Sie setzte mich auf die Couch, gab mir ein Erfrischungsgetränk, und sagte: „Dich selbst zu töten bringt niemandem etwas.“ Sie schaltete den TV und die Pokémon Serie ein, meine Lieblingsshow. Wir schauten es Stunden an. Ich schaute, wie Ash Rocko besiegte und wie er dann auf Team Rocket traf. Ich sah, wie Misty Ash wegen ihrem Fahrrad anschrie. Es war alles so großartig, ich fühlte mich merklich besser. Ich lächelte und schaute Kelly an, „danke schön.“ Sie lächelte zurück und ging zur Türe raus. Ich saß noch eine Weile auf der Couch, als ich dann in mein Zimmer ging. Ich krabbelte unter die Bettdecke und schlief ein. Weinend wachte ich auf, als ich einen Albtraum über Alicias Tod hatte.

Mehr kann ich nicht sagen. Mein Schulleben verschlechterte sich immer mehr, ich fing an zu trinken und zu rauchen, aber ich habe nie Drogen benutzt, weil ich wusste, dass die einen total fertig machen. Als es mir ein bisschen besser ging, war ich auf der High School. Kelly hatte mir sehr viel geholfen, und schlussendlich bin ich aus meinem psychischen Loch endlich herausgekommen, aber über Alicia bin ich nie hinweggekommen. Ich fand nie neue Freunde, weil sie alle dachten, ich sei eine Mörderin. Ich bin jetzt 25 Jahre alt und das ist das erste Mal, dass ich das jemandem anderen außer meinen Eltern erzählt habe. Ich habe in Tonwissenschaft promoviert, da ich die Lavandia City Verschwörung genauer untersuchen möchte,  um endlich herauszufinden, was meine beste Freundin umgebracht hat, Alicia McKnight.

Original: http://creepypasta.wikia.com/wiki/Lavender_Town_Disaster


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Verfasst 24. August 2012 von Icebird in category "Morde & Tode

4 COMMENTS :

  1. By GFpeppi on

    Dann müssten die aber in Japan leben, weil es nur da das Originalstück gab.Also als es noch neu war. Danach wurde es tatsächlich wegen diesem Lied vom Markt genommen und in den jetzingen Versionen wurden ein paar Tonlagen verändert 0.o
    Aber echt ne gute Geschichte :o

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  2. By DragonLP on

    Geilste Geschichte die ich gelesen habe. Vielen Dank, dass du so eine Geschichte geschrieben hast :D echt spannend.

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  3. By hans-wurst@gmail.com on

    hab es ein video auf youtube gesehen wo die geschichte vorgelesen wird richtig gänsehaut bekommt man

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