September 23

Líta á bak

Du hast es wahrscheinlich in den Nachrichten gehört, als im Juli 2008 in der University District in Seattle mehrere Personen vermisst wurden. Zwölf Personen wurden vermisst, alle von ihnen waren Studenten an der University of Washington. Ihre Körper wurden nie gefunden, und kein hilfreicher Anhaltspunkt wurde je entdeckt. Sie wurden alle für tot erklärt, sehr zum Leidwesen der Leute, die sich um die Vermissten kümmerten und sorgten. Von dem Fall der Vermissten wurde jedoch so gut wie gar nichts der Öffentlichkeit berichtet.

Deswegen bin ich hier, um euch aufzuklären. Leute haben ein Recht darauf, von diesem Fall unterrichtet zu werden.

Der Fall wurde eingefroren und alle Dokumente diesbezüglich sind in dem Aktenschrank, den die Behörden scherzhaft „die Gefriertruhe“ nennen. 

Die Ermittler sind bestimmten Spuren gefolgt, doch alle endeten in der Sackgasse. Sie haben übermütig geschworen, das Verbrechen, oder die Verbrechen, vor das „Gesetz“ zu stellen, doch nachdem all ihre Bemühungen, den Fall aufzuklären, fehl schlugen, zogen sie sich zurück, wie eingeschüchterte Katzen, denen in den Darm getreten wurde.

Der vielversprechendste Beweis jedenfalls war derjenige, der in der Ermittlung relativ früh auftauchte, etwa im September des ersten Jahres.

Es stellte sich heraus, dass all die entführten Studenten einen Apple Computer besaßen; das könnte jedoch bloß ein Zufall gewesen sein. Doch weitere Untersuchungen des forensischen Teams ergaben, dass jeder einzelne Student vor ihrem Verschwinden einen Proxy Server genutzt hatte.

Für diejenigen, die es nicht wissen, ein Proxy Server ist ein zwischengeschalteter Server, der meist eingesetzt wird, um so anonym wie möglich im Internet zu surfen, während die IP Adresse verdeckt wird. Mit einem Basiswissen und ein klein wenig Hackingskills ist es möglich, den genauen Standort einer Person ausfindig zu machen, nur durch seine IP Adresse. Proxy Server arbeiten mit getrennten IP Adressen, häufig in Orten angesiedelt, die weit vom User entfernt sind.

Also, die Studenten hatten alternative IP Adressen verwendet. Aber weshalb? Wurden sie von jemandem versteckt? Proxy Server ist der beste Weg, um sich selbst im Internet zu „verstecken“.

Als das forensische Team weiter Informationen über die Festplatten der entführten Studenten sammelten, wurden mehr und mehr Gemeinsamkeiten aufgedeckt. Einige von ihnen konnten tatsächlich nur Zufälle sein, aber bei anderen… da konnte es keine andere Erklärung geben.

Das ist ein Abschnitt eines Berichts, der vom Computer des forensischen Teams erstellt wurde, um detailliert die Gemeinsamkeiten der zwölf Computer zu listen:

  • Alle Computer installierten den Webbrowser Google Chrome.
  • Alle Computer benutzen iTunes, jeder mit etwa 50GB Musik.
  • Alle Computer benutzen Proxy Server.
  • Alle Proxy Server haben eine IP Adresse, die in Island lokalisiert ist.

Sie alle nutzen Proxys, die aus Island kamen. Was merkwürdig war. Aber der Bericht endete dort nicht. Es ging weiter.

  • Die Desktops aller Computer sind frei von Dateien und Icons, außer eines Dokuments, das im Zentrum steht, betitelt mit „LÍTA Á BAK“. Das Dokument hat keinen Text.

Dort fing es an, sehr eigenartig zu werden. „Líta á bak“ ist isländisch und bedeutet „schaue zurück“ oder „schau hinter dir“.

  • Es scheint, diese Datei ist das einzig gespeicherte Dokument, das auf allen zwölf Computern gesichert wurde.

Beim ersten Mal ist es ein Zufall. Beim zweiten Mal ist es ebenfalls ein Zufall. Aber zwölf Mal? Das exakt selbe leere Dokument, mit exakt demselben Titel, gespeichert am exakt selben Ort? Das ist unmöglich.

Der Bericht ging danach ein Stück weit weiter, aber es gab nichts weiteres Erwähnenswertes.

Als die Tastatur nach Fingerabdrücken untersucht wurde, gab es keine weiteren Hinweise; es gab nichts Weiteres auf dem Computer, außer dem Dokument.

Die forensischen Spezialisten waren von dem Fund erschreckt, aber niemand von ihnen meldete irgendeine außergewöhnliche oder „paranormale“ Aktivität danach.

Die islandbasierten Proxy Server und Dokumente mit dem isländischen Titel führten die Untersuchungen dazu, weitere Verbindungen zwischen Island und den vermissten Studenten herzustellen. Sie gingen zu ihren Eltern, mit der Hoffnung, dass all die Studenten eine Verbindung zu Island hätten, oder so etwas in der Art; sie mussten diesen Fall lösen. Aber natürlich hatte keiner von ihnen eine offensichtliche Bindung zu diesem Land – keine Beziehungen, keine Freunde, gar nichts. Die Ermittler hatten weitere Dutzend Leute befragt, aber es gab keine hilfreichen Aussagen. Es fing an, hoffnungslos zu werden.

Dann war es Juli 2009, ein Jahr später, als die isländische Nationalpolizei in Reykjavik eine Reihe von Personen vermisste, die ohne jegliche Spur verschwanden. Das war es; das war, was die Behörden brauchten. Begierig kontaktierten sie die Behörde von Reykjavik und arrangierten ein Treffen, mit der Hoffnung, dass sie den Fall endlich lüften könnten. Die Seattle Ermittler flogen überseeisch nach Island.

Und die Informationen, die sie erhielten, waren grauenhaft.

Zwölf Personen wurden in Reykjavik vermisst, alle von ihnen waren Studenten an der University of Iceland.

Sie alle hatten Apple Computer.

Sie alle nutzten Proxy Server.

Die IP Adressen der Proxy Server wurden in Seattle lokalisiert.

Sie alle hatten Microsoft Word installiert, aber nur ein leeres Dokument auf ihrem leeren Desktop.

Kannst du dir vorstellen, wie der Titel lautete?

„LÍTA Á BAK“

Als beide Ermittlerteams ihre Informationen teilten, kam für beide Teams mehr Licht ins Dunkel. Das war offensichtlich die Tat eines kriminelle Genies; es musste so sein. Sie würden diejenige Person finden; es war alles im Namen des Gesetzes… selbst wenn dort keine Körper gefunden worden würden, die vermissten Studenten könnten noch alle am Leben sein und friedlich und glücklich leben.

Der Optimismus endete nach ein paar Tagen, als das forensische Team in Island die Tastaturen untersuchte, nur um herauszufinden, das keiner der Fingerabdrücke übereinstimmte. Die US-Ermittler waren, wenn auch enttäuscht, nicht wirklich überrascht.

Und wieder einmal schien alles so hoffnungslos, wie eh und je.

Es gab immer noch keinen Verdächtigen. Es gab immer noch keinen Hinweis, dem man nachgehen könnte. Es gab nur ein paar sehr, sehr gruselige Nicht-so-wirklich-Hinweise. 24 um genau zu sein.

Nicht mehr. Und zweifelslos auch nicht weniger. Die Spur führte ins Nichts.

Aus der Suche nach dem Grund des Verschwindens der Studenten wurde eine Zusammenarbeit zwischen den überseeischen Behörden und denen in Seattle, aber es gab nie weitere hilfreiche Spuren. Die Fälle, oder wohl eher der Fall, stockte. Und viele Monate später, als allmählich auch die Zuversicht nachließ, legten die isländische Nationalpolizei und die US-Behörden den Fall endlich zu den Akten, im Juli 2012.

Kalt. Gefroren. Kahl.

Es war vorbei. So viel zum Thema „Gesetz“.

Seit diesem Tag versuchten beide Behörden, den Fall zu vergessen. Es wurde eine hohle Erinnerung, niemand möchte sich daran erinnern. Verständlich.

Und das ist alles, was den Fall betrifft, ich mein es ernst. Ich schreibe das nun, weil mir ziemlich langweilig ist, und ich dachte mir, es würde euch vielleicht interessieren, davon zu erfahren. Ich werde nun duschen gehen.

Jedenfalls, bevor ich gehe, möchte ich euch nur noch sagen, dass es ziemlich schwer war, den Studenten eine Gehirnwäsche zu unterziehen, in dem sie meine Geschichte lasen. Die Menschen sind sehr einfühlsam, wenn es um solche Dinge geht. Ihr Fleisch war es allemal wert. Sehr zart und schmackhaft.

Aber ich bin immer noch ein wenig hungrig.

Líta á bak.

Original: http://www.creepypasta.com/lita-a-bak/


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Verfasst 23. September 2012 von Icebird in category "Wesen & Personen