Juni 28

Meisterwerk

Ich liege hier jetzt schon seit Stunden. Es ist halb fünf, nachts, und ich kann nicht viel tun. Aber weißt du, was das Schlimmste an meiner Situation ist? Ich bin in einem Raum mit meinen Eltern. Sie schauen mich an und und ich muss mich zurückhalten, um nicht zu weinen oder zu schreien, während ich sie sehe. Ihre Augen sind auf mich fokussiert, ihre Münder weit geöffnet und dann ist da noch der starke Geruch von Blut in der Luft. Ich kann mich vor Angst nicht bewegen.

Aber das ist es noch nicht. Sobald ich nur ein Zeichen von mir gebe, welches zeigt, das ich nicht schlafe, werde ich sterben und es ist niemand hier, der mich retten könnte. Natürlich habe ich mir überlegt, wie ich hier rauskomme, aber die einzige Möglichkeit wäre, durch die Zimmertür bis hin zur Haustür zu rennen und um Hilfe zu schreien, sobald ich draußen bin. Es ist riskant, aber wenn ich hier bleibe, werde ich auf jeden Fall sterben. Er wartet drauf, dass ich aufwache und sein Meisterstück zu Gesicht bekomme.

Du wunderst dich wahrscheinlich, was überhaupt los ist. Manchmal denke ich einfach zu weit voraus.

Vor drei Stunden hörte ich ein Schreien von der anderen Seite meines Hauses. Ich bin aufgestanden und wollte nachsehen was los ist, bis ich bemerkte, dass ich auf die Toilette muss. Es war dumm von mir, zuerst auf Toilette zu gehen anstatt mich weiter mit dem Schrei zu beschäftigen. Ein Wunder, dass ich da noch nicht gestorben bin. Während ich mein Geschäft erledigte, riskierte ich einen Blick auf den Flur. Dort war Blut auf dem Teppich. Voller Sorge rannte ich zurück in mein Zimmer, versteckte mich unter der Bettdecke, so eingeschüchtert wie ich war. Ich wollte mir einreden, dass alles nur etwas wie ein sehr realer Traum sei und ich einfach wieder einschlafen müsste.

Aber ich hörte, wie sich meine Tür öffnete. Verängstigt blickte ich unter der Decke hervor, um zu sehen, was passiert war. Etwas zog meine toten Eltern in meinen Raum. Ich kann dir sagen, es war kein Mensch. Es hatte weder Haare noch Augen und es war nackt. Es ging umher wie ein Höhlenmensch, mit einem gekrümmten Rücken während es meine Eltern schleppte. Jedoch schien dieses Ding schlauer als ein Höhlenmensch, denn es wusste, was es tut.

Es platzierte meinen Vater auf meinem Bettrand und sorgte dafür, dass er mich anguckte. Dasselbe mit meiner Mutter, nur dass das Ding sie auf dem Stuhl platzierte. Als es damit fertig war, begann es seine Hände zu reiben, diese mit Blut zu beschmieren und das Pentagramm des Teufels zu zeichnen. Es würde diesen Akt als sein Meisterwerk bezeichnen. Abschließend ritzte es eine Nachricht in die Wand, jedoch konnte ich diese wegen der Dunkelheit nicht lesen.

Als es fertig war, verkroch es sich unter mein Bett, um auf mich, sein letztes Opfer, zu warten.

Das Unheimlichste ist, dass sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben und ich seine Nachricht an der Wand lesen kann. Ich will sie nicht lesen, denn es ist unvorstellbar nur darüber nachzudenken. Aber ich habe das Gefühl, ich sollte es lesen, bevor es mich tötet.

Ich blicke auf das Meisterwerk der Kreatur.

„Ich weiß, dass du wach bist.“

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Übersetzer: BetterThanPillow

Korrekturleser: Darkitachi

Original: http://www.creepypasta.org/creepypasta/masterpiece




Verfasst 28. Juni 2016 von dannyk96 in category "Wesen & Personen

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