September 15

Papierschnitte (Neue Version)

PART 1 (INTRO)
Es begann alles damit, als mein Mitbewohner Mickey und ich im Auto dem Radio zuhörten, während wir in die Schule fuhren. Als die Nachrichten begannen, würden wir es, wie typische 18jährige Vollidioten es eben taten, einfach ignorieren und in der Klasse rumerzählen, wie sehr wir Nachrichten hassen und welche Mädchen wir mögen würden. Wie üblich eben. Doch heute war es anders. Der Reporter berichtete, dass ein 12jähriges Mädchen namens Rosie Saxxon vermisst wurde und Mickey plötzlich total still wurde und auf das Radio starrte. Er brachte nur einen Satz  über seine leicht geschnittene Lippen: „Ich kenne dieses Mädchen“.

„Schwachsinn, Mike“, sagte ich ohne jeglichen Gesichtsausdruck. Versteht ihr, Mike hatte einen ziemlich kranken Humor. Als wir in der Highschool waren, verstarb ein Mädchen in unserer Klasse durch einen Autounfall und jeder trauerte um sie, doch alles was er tat, war Witze über sie zu reißen, wie sie vor dem Fahren nichts hätte trinken sollen. Irgendwann ist man so Sachen gewohnt. Seine Witze mögen ein bisschen scharf sein, aber für ihn ist es alles nur Spiel und Spaß. 

„Nein… ernsthaft… Ich kenne sie. Ich war in der Highschool ihr Babysitter. Ihre Eltern und ich verstanden uns ziemlich gut… ich war wie ein großer Bruder für sie…“Mikes Stimme wurde nie lauter wie ein leises Murmeln.

„Hey Man, das tut mir wirklich leid“, sagte ich mit einer Aufrichtigkeit, bei der ich nie geglaubt hatte, sie bei Mike anzuwenden. Er starrte weiterhin die ganze Nachricht über das Radio an, und als plötzlich die Musik wieder anfing zu spielen, schaltete er es ab. Mike war ernst, und das hatte etwas zu bedeuten… Ich habe ihn noch nie so ernst gesehen.

PART 2 (LARRY CROSS)
Während der Schule verhielt ich mich wie sonst. Nennt mich herzlos, aber ich musste mich wirklich über meine Noten Gedanken machen. Außerdem ist es nur ein Mädchen, welches Mike mal babygesittet hat. Keine Familie, nicht mal ein bester Freund. Leute werden immer vermisst, speziell junge Mädchen. Sie werden auf ihre Mutter und Vater wütend und haben vor, alleine zu leben. Sie schaffen es allerdings nie weiter als bis zur nächsten Straße.

Ich bemerkte wie das exzentrische Kind, Larry Cross, zu spät in die Klasse kam. Er wollte sich erklären, aber nicht mal der Lehrer wollte etwas über seine stotternde Entschuldigung hören, die kaum jemand verstand. Nach etwa drei „SETZ‘ DICH HIN, LARRY“, nahm er endlich Platz. Als die Schulglocke läutete, hatte ich leider das Pech, mit Larry der Letzte im Zimmer zu sein. Ich denke, das bedeutete, dass wir gute Freunde wären, da er das erste Mal zu mir kam und anfing, sich über den Lehrer zu beschweren.

„Was für ei-ein Sch-sch-Schwanz . Zu spät wegen Exp-p-periment. Ich w-w…“

„Das ist interessant, Larry!“, sagte ich in einem unglaublich sarkastischen Ton, mit der Hoffnung, er würde ihn erkennen.

„N-n-nein. Warte. Meine Exp-p-perimente. Möchte dir davon er-er-erzählen.“

„Schau, Larry, es tut mir leid, aber es interessiert mich wirklich nicht. Mein Freund hat gerade ziemliche Probleme und…“

„Freund? M-m-Mikey?“

„MICKEY und ja. Deshalb muss ich gehen.“

„M-m-Mike ist ein Sch-sch-Schwanz. Ich h-hoffe, er ist der N-n-Nächste.“

Als ich das hörte, rannte ich so schnell es geht nach draußen und betete, dass seine komischen, bescheuerten Sprachstörungen nicht auf mich abfärben würden.

PART 3 (MR. SAXXON)
Ich traf Mike etwas zur Mittagszeit und seine Laune hatte sich kaum geändert. Da ich am Steuer saß, schlug ich ihm rasch vor, ob wir nicht zu Rosies Haus fahren sollten. Mike hatte darauf überhaupt nichts gesagt, aber ich wusste, dass er mir stumm zustimmte.

Als wir ankamen schnappte sich Rosies Vater Mike und gab ihm eine lange Umarmung. Nach einer Minute, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, ließ uns Mr. Saxxon ins Haus. Rosies Mutter war offensichtlich am Boden zerstört und grüßte uns nicht einmal. Sie blieb in der Küche, den Kopf nach unten genickt, mit geschwollenen, roten Augen, womöglich von der Erschöpfung und dem Weinen. Wir gingen an ihr vorbei ins Wohnzimmer, wo sie außer Hörweite war.

„Was für ein Hurensohn würde ein junges Mädchen entführen?“ Mike war aufgebracht, doch sprach leise, um sicher zu gehen, dass Mrs. Saxxon nichts davon hören würde. Ich muss zugeben, dass ich an diesem Punkt etwas verwirrt war und ich überlegte mir meinen nächsten Satz so vorsichtig wie möglich.

„Mickey… warum nimmt dich das so mit?“, fragte ich, als Mr. Saxxon und Mickey auf den Boden starrten. Ich muss zugeben, ich hätte etwas diplomatischer handeln können. Mickey seufzte, seine defensive Haltung entspannte sich und seine Schultern sanken herab.

„Weißt du Jim, meine Eltern waren nie für mich da und behandelten mich wie Dreck – sagten Dinge wie, ich würde nie etwas erreichen. Du bist ein faules Stück Scheiße. Nun, als ich diesen Job hier annahm, als Babysitter für Rosie, fühlte ich mich endlich als ein Teil einer Familie. DAS ist der Grund, warum mich das so mitnimmt.“ Ich sagte den Rest der Zeit gar nichts mehr und bereute meine Gedanken, die ich am frühen Tag hatte. Mr. Saxxon schnappte dennoch einen meiner Gedanken auf.

„Die Polizei gibt kaum Einzelheiten darüber preis, da es eine sehr heikle Situation ist. Rosie wurde vor ein paar Nächte unter unserer Nase entführt. Keine eingeschlagene Scheiben, keine Fingerabdrücke, keine Anzeichen eines Kampfes. Nichts. Nur zusammengelegte Papiere, auf denen PAPIERSCHNITTE stand.“

„Was zur Hölle bedeutet Papierschnitte?“

„Die Abteilung hat keine Idee. Es entspricht allerdings den Vorfällen von anderen vermissten Personen in diesem Gebiet… und die Tochter des Polizeipräsidenten zu entführen, ist selten dämlich.“
Meine Kinnlade fiel nach unten, aber mein Unterbewusstsein verhinderte aufgrund des stillen Schwures des Schweigens daran, einen Ton von mir zugeben. Mr. Saxxon war der verdammte Polizeipräsident? Kein Wunder, dass die Neuigkeiten kaum Erkenntnis gebeten hatten.

PART 4 (MICKEY HENDERSON)
Die Fahrt zurück nach Hause war, wie man sich vorstellen kann, schweigsam, aber das war mehr ein entschlossenes, als ein trauerndes Schweigen.

„Natürlich musste es jetzt anfangen zu regnen. Lass mich raten, gleich wird es auch anfangen zu donnern, richtig?“ Bevor ich meine Gedanken beenden konnte, bemerkte ich, wie kurz Licht durch den Himmel schoss und es über uns anfing zu krachen. „Ich liebe es, wenn Klischees real werden…“

Mickey war im Wohnzimmer an seinem Laptop, und durchsuchte alle Quellen dieses Falles, als wäre er selbst ein Cop. Ich schwöre, ich habe dieses Kind noch nie so intensiv an etwas arbeiten sehen. Er rief mich mit einer Handbewegung zu ihm, doch löste er nie den Blick von seinem Bildschirm. Offenbar gab es noch drei weitere Entführungen durch alle Altersgruppen, Rosie war die Jüngste. Wie erwartet war nichts über diese ganzen „PAPIERSCHNITTE“ online, deshalb stand Mickey mehr oder weniger im Dunkeln. Seine Augen fingen an zu tränen, als sein Gesicht rot vor Wut wurde. Er schlug den Laptop zu und zog sich in sein Zimmer zurück, die Türe hinter sich zuschlagend. Ich nahm mir ein Beispiel an ihm und machte mich ebenfalls auf den Weg in mein Zimmer.
Ich wurde von einem ziemlich kräftigen Donner aufgeweckt, der selbst das Dach rüttelte. Leicht benommen neigte ich meinen Kopf zur Seite und sah, dass es 3 Uhr nachts war.

„Ich hasse es, mitten in der Nacht aufzuwachen… ich muss dann immer wie ein Rennpferd pissen.“ Nach dem ich das erledigt hatte, quälte ich mich zu Mickeys Zimmer. Ich war kurz davor, zu klopfen, doch dann erinnerte ich mich, dass er einen harten Tag hatte… Ich ließ und schlafen und tat es ihm gleich, alsbald ich mich wieder in meinem Bett fand.
Die nächste Sache, die mich aufweckte, war der Alarm meines Weckers. Ich hasse dieses Scheißding total und ich hasse es, um 6 Uhr früh aufzuwachen. Ich machte mich schnell zurecht und bemerkte dann, dass Mickey noch gar nicht auf war. Das Kind war faul, aber es war eigentlich auch ein verdammter Frühaufsteher. Merkwürdige Kombination. Für einen Augenblick hielt ich es für angebracht, ihn einfach schlafen zu lassen, doch da ich ein Nerd war, war es meine Pflicht, ihn für die Schule aufzuwecken.

„Hey, Mickey, wach auf!“, sagte ich, als ich leicht an der Türe klopfte. „MICKEY, STEH‘ AUF!“ Stille. Plötzlich überkam mich so schnell eine Angst, dass ich paralysiert wurde. Der Gedanke machte mir Angst. Ich drehte den Knauf und es war nicht abgeschlossen – Mickey schließt immer ab. Ich drückte die Türe leicht auf und kniff meine Augen, vor Angst, dass ich es sehen würde. Oder eben nicht sehen würde. Sein unordentliches Zimmer war leer. Komplett leer von jeglichen Leben, außer einer Sache – eine Notiz an seinem Bett. „PAPIERSCHNITTE“

PART 5 (MRS. SAXXON)
Ich hastete so schnell ich konnte in mein Auto und fuhr den Highway entlang. Ich wusste, dass ich womöglich einige Geschwindigkeitsbegrenzungen brechen würde, aber es interessierte mich einen SCHEISS. Mein Ziel war das Haus der Saxxons.

„MR. SAXXON! MR. SAXXON!!“ Ich schlug an die Türe, fast meine Hand brechend. Die Türe öffnete sich langsam.

„Jim, was ist los?“

„DIE PAPIERSCHNITTE NOTIZ! UND ICH HABE AUF SEINE TÜRE GESCHAUT! UND AUF SEINEN KNAUF!“ Ich konnte nicht einen, richtigen Satz hervorbringen.

„Ganz ruhig, komm herein und nimm‘ in der Küche Platz. Ich mache dir eine Tasse Tee, dann kannst du mir sagen, was los ist.“

„MICKEY! HILFE…“ Oh Gott, ich klang wie Larry.

„MICKEY IST VERSCHWUNDEN!“ Endlich konnte ich es auf den Punkt bringen. „UND ICH HABE EINE VERMUTUNG, WER ES GETAN HATTE!! LARRY! DIESES KIND…“

Ich wurde von Mr. Saxxon beruhigender Stimme unterbrochen, die aus der Ecke kam. „Ganz ruhig, schau, es gibt für solche Fälle bestimmte Maßnahmen…“

Seine Stimme hörte sich in meinem Gedanken durcheinander an und alles, was ich verstand, war das Wah-Wah-Wah von einem Peanuts Cartoon. Ich war wieder kurz davor, loszuschreien, aber in meiner Panik hatte ich einen kurzen Moment der Klarheit…
„Hey Mr. Saxxon“, sagte ich seit 10 Minuten zum ersten Mal ruhig. „Wo ist Ihre Frau?“

Bevor ich reagieren konnte, fühlte ich, wie an meinem Hinterkopf Glas zerbrochen wurde und brühend heißes Wasser über meinen Nacken, meine Schläfen und meine Stirn floss.

PART 6 (ROSIE SAXXON)
Als ich zu mir kam, schrillte es laut in meinen Ohren, als sich die Umgebung langsam um mich herum bildete. Zuerst die Geräusche… das auf das Zement tropfende Wasser schallte durch den Raum, ein Art Summen, und etwas, von dem ich vermutete, dass es Murmeln war. So langsam konnte ich mehr sehen, aber es war dunkel – fast pechschwarz. Vage Schatten begannen sich zu formen, die den Raum nach und nach füllten. Das, was mir am längsten in den Erinnerungen bleiben wird, ist der Schmerz an meinem Kopf. Ich fühlte, wie warmes Blut aus meiner Wunde floss und ich es schnell versuchte, zu schnappen.

„Was zur Hölle?“ Meine Hände wurden zusammengebunden. So auch meine Beine. Ich glaube, dass das Gefühl für die Berührungen als letztes kam, da ich jetzt fühlen konnte, dass ich nackt war und auf etwas eiskaltem und offensichtlich auch steinigem stand. An diesem Punkt fing ich an, mich im Raum umherzusehen, aber ich konnte nichts erkennen.

„WO BIN ICH?“, schrie ich in die Dunkelheit. Das Klingen in meinen Ohren wurde durch ein Summen ersetzt, als das Licht plötzlich anfing zu flackern, und über mir anging. Es war, als würde ich direkt in die Sonne starren und ich neigte schnell meinen Kopf zur Seite, während ich schmerzvoll blinzelte. Wieder einmal brauchten meine Augen einen Moment, sich zu adjustieren, wie ein Baby, das zum ersten Mal die Welt sah. Schlussendlich, als ich richtig sehen konnte, erkannte ich, dass ich auf etwas lag, das wie ein chirurgischer Tisch aussah, aber in einer Schräglage, so dass mein Kopf und Körper fast 90% in die Höhe standen. Mickey lag etwas 5 Fuß von mir entfernt, allerdings komplett angezogen und in keiner Schräglage. Tränen zierten sein Gesicht, doch er war geknebelt und konnte daher kaum Geräusche von sich geben. Am anderen Ende des Raumes lag ein Haufen Fleisch, das von Fliegen besetzt wurde. Der Geruch und Anblick des blutigen, verrottenden Fleisches brachte mich zum Übergeben. Es war so viel auf einmal,  dass ich fast den Mann auf der Treppe rechts von mir übersah.

„Hallo, mein Sohn“, sagte er trostlos, als er auf mich zukam. „Es tut mir leid, dass es so enden musste. Du hättest zur Polizei gehen sollen, nicht zu mir.“ Ich wusste, dass es Mr. Saxxon sein musste, aber sein Gesicht schien komplett emotionslos und bleich. Es war verdammt schwer, irgendetwas zu erkenne, da das Licht mich direkt anstrahlte, aber als er zu mir näher kam, konnte ich erkennen, weswegen sein Gesicht so leer war. Er hatte eine Maske getragen… aus, wie es aussah, Papieren.

„Weshalb die Maske? Ich weiß, dass Sie es sind.“ Ich konnte diese Aussage vor Erschöpfung nur schwach hervorbringen.

„Theater nehme ich an. Ich liebe es, Charakter zu spielen“, antwortete er. „Papier… es ist eine faszinierende Sache, nicht wahr? Man kann damit so viel anstellen. Hier, lass es mich dir zeigen!“ Er sprach nun fast wie der Verrückte Hutmacher. Es war fast… unterhaltend, ihm dabei zuzusehen. Er bewegte sich so elegant und anmutig, auch wenn seine Bewegungen ruckartig und ungeschickt waren – es kam durch den Mantel, den er trag, noch übertriebener rüber. Er sprang zum Bücherregal hin, und dann wieder zu mir zurück. In seiner Hand war ein Sammelalbum mit dem Namen: „Erinnerungen“.

„Papier, Papier, Papier. Schau!“ Er öffnete das Sammelalbum mit kindlicher Freude  und ich war kurz davor, mich abermals zu übergeben. Darin waren einige Bilder von vier Personen… eine war Rosie… ich wollte ihn einen kranken Hurensohn nennen, aber ich konnte sehen, dass er bereits verrückt war, und sich offensichtlich nicht unter Kontrolle hatte. Meine Bezeichnung würde ihn nur zusätzlich provozieren.

„Man kann mit Papier so viel anstellen“, wiederholte er. „Es schneiden, es verbrennen, es zerreißen, es falten, und man kann seine tiefsten und privatesten Gedanken darauf bannen!“ Zuerst zeigte er mir ein Bild von der armen Seele Nick, der von Kopf bis Fuß zerschnitten war. Seine Augäpfel wurden aufgeschnitten, Schnittwunden bedeckten seinen Körper. Er saß in einem Pool voller Blut, verursacht durch seine schlimmen Verletzungen der Arterien und Venen. Das nächste Bild zeigte Katie, die nicht mehr war als ein Haufen Körperteilen. Steven war das dritte Opfer, der ein paar grausame Torturen erleiden musste, die seine Knochen wie Äste brechen ließen, einer nach dem anderen, bis er nur noch wie eine Mischung von menschlichen Gliederteilen aussah, als eine reale Person. Ich konnte mir nur vage vorstellen, wie grausam diese Tode waren. Langsam und qualvoll. Das Leben würde liebend gern schon nach ein paar Minuten dahinscheiden. Doch mitnichten.

„Sie sind meine Papierschnitte!“, sagte Mr. Saxxon, wie zuvor schon recht albern klingend. „Schneide sie, verbrenne sie, falte sie!“
Doch Rosie war der grauenhafteste Anblick… sie war eine Kombination der letzten Drei. Den Fotos entsprechend konnte ich sehen, dass sie zuerst komplett ausgezogen wurde, während die Flamme hauptsächlich ihren ganzen Körper verbrannte – Verbrennungen dritten Grades. Als nächstes schnappte er sich ein Messer und rammte es in ihren verbrannten Körper, direkt in die Brust oder Genitalien. Das arme Gesicht des Mädchens auf dem Foto – sie schrie. Das nächste Foto zeigte ihn, wie er ihren Nacken schnitt, genau dort, wo ihre Stimmbänder waren. Zu diesem Zeitpunkt verlor er seinen Rhythmus und schlug und verbrannte sie grundlos weiter. In den nächsten Fotos wandte er dieselbe Prozedur wie bei Steven an – er durchbrach jeden einzelnen Knochen des armen Mädchens. Im letzten Foto war sie nicht mal mehr am Schreien oder Weinen. Ihre Augen waren weit geöffnet – und sie war tot. Ich starrte Mr. Saxxon durch seine Maske voller Ekel und Verachtung an.
„Ich weiß“, sagte er. „Ich war vielleicht etwas übereifrig mit diesem. Aber sie BLEIBT trotz allem Papas Liebling. Ich wollte nur das Beste für sie.“ Ich konnte richtig erkennen, wie groß seine Augen wurden, während er grinste. „Außerdem frustrierte sie mich manchmal… ich denke, das konnte man in meiner Arbeit erkennen.“

Natürlich hatte Mickey diese Freakshow ebenfalls mitbekommen. Ich glaube, seine Wut war die einzige Sache, die ihn davon abhielt, ihm nicht die Eingeweide auszureißen. Er schaukelte vor und zurück, wie ein eingesperrtes Tier, stieß stechende Schreie durch den Knebel  und formte seine Hand in eine Faust.

„Siehst du diesen Haufen da drüben? Das ist meine Frau. Ich habe von ihr auch ein paar Fotos gemacht; ich habe sie nur noch nicht in das Buch gemacht. Ich habe sie zerknittert. Ja, das habe ich“, sagte er beteuernd, sich selbst auf die Schulter klopfend. „Ich habe sie zu einem großen Haufen Scheiße zerknittert. All ihre Organe quellten hervor und machten schmackhafte Geräusche, und ihre Knochen brachen wie ein leckeres Cornflakes-Frühstück, was ihr Kinder so gern mögt. Wenn sie jedoch wirklich Cornflakes wäre, wäre die Milch wohl rot!! Mein Lieblingsteil war, ihren Kopf zu beobachten. Ihre Augen kamen immer näher, bis sie sich in der Mitte trafen und vermischten. Jemals eine Pflaume oder Traube gequetscht? So in etwas hörte es sich an. Und ihr Gehirn! HA!! Als würde man ein Ei aufbrechen und zu sehen, wie das Innere herausschwappt… diese Schlampe wurde eine Qual mit all ihrem nervtötendem Geschrei.“

Zu diesem Zeitpunkt wurde ich von der trockenen Luft müde und starrte ihn stillschweigend an, während Mr. Saxxon immer noch lange Monologe hielt. Jedoch war das nächste, was er sagte, wichtig für mich.

PART 7 (JIM WAYNE)
„Jetzt bist du und Mickey dran!“

„NEIN!“ Das war alles, was ich von mir geben konnte, bevor er in seine kleine, kranke Kammer rannte. Mickey war nun auch still, voller Angst paralysiert.

„Der Doktor ist zurück!“, brachte Mr. Saxxon hervor, als er kichernd das Zimmer betrat. „Nun, da ich zwei von euch bearbeiten muss, springe ich zwischen euch beide hin und her! Wie hört sich das an?? Mickey, dich werde ich zerreißen und Jim, DUUUUUUU wirst mein Notizblock! Keine Betäubung. Ich möchte, dass du mir sagst, wie es sich anfühlt.“

„Warte! Warum zerreißen Sie Mickey?? Ist das nicht wieder normales Schneiden?“ Ich musste mit etwas kommen, dass seine psychische Vorstellungen drosseln sollte.

„Nein, nein, nein, nein, NEIN. Weißt du, Schneiden ist eine präzise Arbeit. Zerreißen nicht.“ Und mit dem Wort „nicht“ fiel seine Stimme, während er etwas in seinem Rucksack suchte, den er dabei hatte. Er holte ein Messer und eine Kabelschelle hervor. Aber dieses Messer war nicht im selben guten Zustand wie auf den Fotos. Es war rostig und ekelhaft. Damit schnappte er sich Mickey Arm und fing an, wahllos auf seinen Unterarm einzustechen, Blut schoss wie aus einem Hahn heraus, und Mickey fing an, sich zu zerren und gab schmerzhafte Schreie von sich. Verdammt, ich musste mit etwas anderem kommen!

„WARUM MACHEN SIE DIE GANZE SCHEISSE HIER!??“

Mr. Saxxon hielt inne, und er schien interessiert daran, zu antworten. Ich nehme an, noch nie hatte ihm jemand zuvor diese Frage gestellt.

„Hast du dich jemals mit einem Papier geschnitten, Junge? Dieser ADRENALINKICK, den man dadurch bekommt? Es ist faszinierend. So viele Gefühle, nur durch diesen kleinen Schnitt. Es sticht, es brennt, es juckt, es kitzelt, es schmerzt, es kribbelt… es. Es ist wundervoll. Als ich noch jung war, hatte ich meinen ersten Papierschnitt. Seit diesem Tag fing ich an, mich mit verschiedenen Dingen zu schneiden. Scheren, Messer, ja verdammt, sogar mit Reißnägeln und Büroklammern. Natürlich erzählte ich niemandem davon, doch als meine Frau die Narben sah, sagte ich, dass ich depressiv war. Diese dumme Kuh nahm mich in ihre Arme und weinte. Leider musste ich zu diesem Zeitpunkt damit aufhören, oder sie würde meinen Fetisch herausfinden. Dort fing es dann an, wo ich mich fragte, was sich wohl genauso gut anfühlte, wie Papierschnitte. Wenn du Papier schneidest, und es schneidet zurück, es musste etwas geben. So, was konnte man damit noch tun? Es falten, es zerknittern und so weiter. Ich fragte mich. Von diesen ARSCHLÖCHERN hatte noch niemand dasselbe Gefühl und Empfinden von Papierschnitten erlebt wie ich.“

In diesem Moment holte er ein Paar Geburtszangen hervor und verdeutlichte seine Vision an Mickey. Mr. Saxxon fing an, das Fleisch an Mickeys Arm wegzureißen. Das Fleisch wurde wie ein großes Stück Schinken herausgenommen, und gab das widerlichste RRRRRIIIPPPP Geräusch von sich, das man sich vorstellen konnte. Mickey schrie und krümmte sich vor Schmerzen. Ich wusste nicht, was ich noch sagen konnte, um ihn zu beruhigen, aber es brachte sowieso nichts, da sein Blick nun meinen traf. Er holte einen wunderschönen, schwarzen Kalligrafie-Stift hervor und drückte es sanft gegen meine Brust. Ich konnte spüren, wie mein Herz immer schneller schlug und meine Sinne sich betäubten.

„Das ist ein wunderbares Ding“, sagte er ruhig und methodisch, als er näher zu meinem Gesicht kam. „Ganz egal, wie weit die Technik ist, Papiere wird es immer geben – sie sind leicht zu produzieren.“

Mit diesem Satz drückte er in meine Brust und als ich anfing zu schreien, schnitt er in meinem Fleisch rum, meine Haut zerbrach und Blut spritzte auf seine weiße Maske. Ich fühlte mich benommen, doch ich schrie weiter. Ich schrie, bis meine Stimme rau wurde. Ich wusste nicht mal, was zum Teufel er schrieb, und es war mir auch egal. Ich wollte nur, dass mich jemand verdammt nochmal hört.

„HILFE!!!!“

„Deine Worte werden auf taube Ohren treffen. Das ist das Schöne am Schreiben. Wenn du stumm bist, kannst du sprechen! Wenn du taub bist, kannst du hören! Selbst die Blinde haben Braille!  Ganz egal ob du sprachbehindert bist, du kannst kommunizieren!“

Ich schaute nach unten und erblickte, dass er auf meine Brust bereits einen Abschnitt geschrieben hatte. Meine Brust war warm und von Blut durchnässt. Der Schmerz war ab und an so stark, dass es in mir Klick machte, und ich mein Schicksal akzeptierte. Es war zu Ende. Ich war immer noch am Schreien, aber es hörte sich schwach an. Es war mir egal, ob mich irgendwer hören würde. Ich wusste, dass das das Ende für mich sein würde, und langsam wurde meine… Welt… schwarz…

PART 8 (LARRY CROSS RE/CUT)
„Hey Kind.“ Die Stimme war rau, doch freundlich klingelnd. Ich wusste nicht, ob mich die Stimme, oder das Licht, dass mich an der Seite anstrahlte, aufweckte, aber ich hatte keine Idee, wo ich war. Ich war zu müde, um panisch zu werden, aber ich hatte Angst, dass ich immer noch in derselben Folterkammer war,  wegen dem summenden Licht über mir. Als sich mein Blick adjustierte, fand ich mich in einem Krankenhauszimmer wieder, während ich an einer Sauerstoffversorgung hing und meine Brust und meine Arme verbunden worden waren. Ich bemerkte einen Mann neben mir, der wie ein Polizist aussah, und auch wenn meine Stimme noch sehr rau war, brachte ich einen Satz hervor: „Was ist geschehen?“

Die selbe Stimme antwortete: „Dir geht es gut, du bist hier sicher. Wir haben ihn, du musst dir keine Sorgen mehr machen.

„Wie habt ihr uns gefunden?“

„Du warst zu schnell gefahren… hatte ein wenig gedauert, bis wir es bemerkt hatten, aber wenn man dreimal über Rot fährt, wird man vom Radar erfasst. Sieht so aus, als hätte das Brechen der Gesetze dein Leben gerettet.“ Der Mann lächelte und stand von meinem Bett auf.

Mein Freund… Mickey! Wo war er? Ich blickte umher, und dort lag er, etwa fünf Fuß von mir entfernt. Es schien, er schlief und seine beiden Arme wurden mit blutigen Bandagen verbunden.
Ich schaltete die Nachrichten in dieser Nacht in meinem Zimmer ein und die Schlagzeile war, dass die Polizei den Sadist gefunden hatte, der sich selbst „PAPIERSCHNITTE“ nannte. Es ist lustig, was für Informationen sie veröffentlichen, um die Situation zu erklären. Er hatte sich nie selbst „PAPIERSCHNITTE“ genannt. Leider wussten wir mehr über ihn, als jeder anderer. Unsere Narben würden heilen, aber die Erinnerungen werden bleiben.

Mehrere Monate vergingen und wir durften nach Hause gehen. Wir gingen in die Schule zurück und fanden uns in unserer üblichen Routine wieder, und wir hatten den Status einen Helden, weil wir die psychische Tortur überlebt hatten. Eines Nachts durchsuchte ich alte Sachen von mir, ab und an blickte ich auf meinen Arm, auf den das blass Geschriebene stand, als ich plötzlich etwas fand, das meine Venen zu Frieren brachte. Es war ein Foto von Rosie Saxxon, als ihr Vater mit ihr fertig war. Wie zur Hölle kam das in mein Zimmer? Ich drehte es um und sah „L.C.“ darauf geschrieben. Als ich mich vor Angst schüttelte, schnitt ich mir versehentlich die Schwimmhaut zwischen meinem Zeige- und Mittelfinger.

„WOW, VERDAMMT! Das fühlt sich… gut an.“

„…dass es in mir Klick machte, und ich mein Schicksal akzeptierte.“

„Papiere wird es immer geben – sie sind leicht zu produzieren.“

Original: http://creepypasta.wikia.com/wiki/Papercuts_(Remastered_Edition)


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Verfasst 15. September 2012 von Icebird in category "Morde & Tode

12 COMMENTS :

  1. By Luna on

    Was die Geschichte noch unheimlich aufwerten würde, wäre die vernünftige Verwendung von „etwa“ und nicht „etwas“! Das hat mich nach dem dritten Mal richtig genervt.

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  2. By Gatemare on

    Gut übersetzt auch wenn man es an einigen Stellen besser machen konnte. Die Geschichte selbst hat mich nicht wirklich angesprochen, aber es ist ja nicht deine.

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  3. By Alakroma on

    Das war die MIT ABSTAND allerschlimmste (in dem Fall beste ^^) und verstörendste Pasta die ich je gelesen hab D:

    klasse Arbeit! :)

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  4. By Steffi on

    Krasse scheiße… ich war fast am Kotzen.. warum müssen in creepypastas die verstümmelten Leichen eigentlich immer so genau beschrieben werden !?

    und warum muss es gerade jetzt regnen !?._.

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  5. By Bäähm WTF on

    Echt psycho, super übersetzt aber was hat dieser Larry Cross damit zu tun, warum steht L.C. auf den Foto und was stand blass geschrieben auf seinem Arm?

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